Trapattoni geht auf den 20. Trainertitel los: Taktiker ist erfolgreichster Vereinstrainer

"Diese Spieler waren schwach wie eine Flasche leer"

Mit Giovanni Trapattoni gibt in der neuen Saison bei Österreichs Vizemeister Red Bull Salzburg der international gesehen wohl erfolgreichste Fußball-Vereinstrainer der Welt als "Teamchef" den Ton an. Die Verpflichtung des bereits 67-jährigen Italieners, der von seinem ehemaligen Spieler Lothar Matthäus als Trainer unterstützt wird, kam zumindest überraschend.

Am 9. Februar war "Trap", der als Milan-Kicker den Spitznamen "Il Tedesco" (der Deutsche) erhalten hatte, als Coach des VfB Stuttgart noch gefeuert worden, er hatte einfach nicht zu den Schwaben gepasst. Sein unfreiwilliger Abgang war ihm erst vor kurzem mit rund 1,5 Millionen Euro Abfindung versüßt worden. Ob Trapattoni mit seiner Fußball-Philosophie, die mehr Wert auf die Defensive als Offensive legt, bei den Salzburgern der richtige Mann ist, wird sich erst weisen.

An Enthusiasmus, Begeisterungsfähigkeit und Temperament fehlt es dem 67-Jährigen sicher nicht, da erinnert er wohl auch etwas an Otto Baric, unter dem die Salzburger ihre bisher erfolgreichste Ära hatten.

Berühmt und noch in bester Erinnerung ist der Wutausbruch des Italieners im März 1998 in einer Pressekonferenz. Da feuerte Trap in seinem gebrochenen Deutsch als Antwort auf die Kritik einiger Bayern-Profis (dass er mit einer Deutschen verheiratet ist, hat seine Sprachkenntnisse nicht unbedingt entscheidend verbessert) in einem dreiminütigen, fast schreiend vorgetragenen Monolog eine Salve gegen die Nationalspieler Scholl, Basler und vor allem ("was erlaubt sich")-Strunz ab, von der bis heute immer wieder Sätze wie "diese Spieler waren schwach wie eine Flasche leer" oder ich habe fertig" zitiert werden und ihm in Deutschland zu großer Popularität und auch zu Werbeauftritten verhalf.

Seine Worte, Gesten, Grimassen als Trainer in Deutschland erheiterten zwar die Beobachter, allerdings nicht immer seine Spieler, die sich oft nicht auskannten, was der "Maestro" überhaupt wollte. Wenn Trapattoni "verständlich" reden wollte, dann sagte er es auf italienisch und durch einen Dolmetscher. Trapattoni ist im taktik-versessenen Italien ein wahrer Meister dieses Faches, wie auch seine großen Erfolge eindrucksvoll beweisen.

Als Spieler (fast total für den AC Milan) verdiente sich der Mittelfeldakteur für seine eher kompromisslose, nüchterne Spielweise den Kampfnamen "Tedesco", als Trainer wurde er dann zum "Maestro" gekürt. Große Erfolge durfte er mit sechs Titeln (für Milan), darunter Meistercup (2), EC der Pokalsieger, Championat (2) und nationalem Cup auch als Aktiver (er trug auch 17 Mal den Teamdress, u.a. bei der WM 62) feiern, als Trainer titelte er sich dann sogar an die Spitze. Mit 19 Trophäen übertraf Trapattoni den Wiener Ernst Happel, der in den Niederlanden, Belgien, Deutschland und Österreich 18 geschafft hatte.

Gleich 14 gewann Trap mit Juventus Turin, je zwei mit Inter Mailand und Bayern München und einen (den bisher letzten) mit Benfica, als er 2005 die Lissabonner nach 14-jähriger Durststrecke zum insgesamt 31. Meistertitel in Portugal führte. Zumindest für ihn trifft jedenfalls sportlich und wohl auch wirtschaftlich zu, was er bei seinem damaligen Wutausbruch auch zum Besten gegeben hatte: "Ein Trainer ist kein Idiot."
(apa)