Asyl von

Traiskirchen: Kritik an "ernsthaften
Menschenrechtsverletzungen"

Bericht von Amnesty International fällt ein vernichtendes Urteil

Asylflüchtlinge im Erstaufnahmezentrum Traiskirchen © Bild: APA/GEORG HOCHMUTH

Amnesty International fällt ein vernichtendes Urteil über die Zustände in Traiskirchen. In der Asyl-Erstaufnahmezentrum werden mehrere Menschenrechtskonventionen verletzt, so das Ergebnis der Prüfung der NGO. Generalsekretär Heinz Patzelt ist "unsagbar zornig" über den von der Politik selbst verursachten "Pseudo-Notstand" und meinte bei der Präsentation der Ergebnisse, er hätte so etwas in Österreich "nicht für möglich gehalten". Die Haupt-Kritikpunkte des Berichts im Überblick.

THEMEN:

Unterkunft

Die Leiterin des Amnesty-Teams, Daniela Pichler, zeigte sich betroffen darüber, wie die Asylwerber in der "enormen Hitze" im Schatten Zuflucht suchen. "Es gibt keine angemessene Unterkunft für die Flüchtlinge", 1.500 Menschen mussten zum Zeitpunkt der Prüfung im Freien schlafen, so Pichler. Auch vor dem Zentrum, in Parks oder auf dem Bahnhof nächtigen die Asylwerber. Zwar seien es seit dem Aufnahmestopp etwas weniger, die bereits beim Besuch angekündigten Busse seien aber kein Ersatz: Sie kommen einer "unmenschlichen Behandlung gleich".

Im Bericht wird auch hinterfragt, warum auf den vorhandenen Freiflächen der Betreuungsstelle keine weiteren Zelte aufgestellt wurden, um zumindest die völlige Obdachlosigkeit von bis zu 2.000 Asylwerbern zu vermeiden.

Frauen, die mit Kindern und Ehemann gekommen sind, würden oft getrennt werden und verzichten daher auf einen Platz in einem der Häuser, um bei ihrer Familie bleiben zu können. Auch Männer, die alleine mit ihren Kindern kommen, haben dieses Problem.

Ein Vater, der mit seinem 12-jährigen Sohn in die Betreuungsstelle Traiskirchen gekommen ist, zeigte Amnesty anhand der „Klienten-Karten“, dass sein Sohn und er verschiedenen Häusern zugeteilt worden wären. Die beiden haben sich daher gezwungen gesehen, im Freien zu übernachten, um zusammenbleiben zu können.

Verpflegung

Für die Essensausgabe stehen zwei Speisesäle zur Verfügung, einer mit 280, der andere mit 140 Plätzen. Nach Angaben der Asylwerber dauert das Anstellen zum Essen zwei Stunden. Unbegleitete minderjährige Jugendliche werden nicht besonders berücksichtigt, sondern sind, da sie nach Auskunft von Beamten des Innenministeriums als schwierig angesehen werden, zum Schluss an der Reihe. Wer nicht rechtzeitig da ist, bekommt nichts mehr zu essen. Vielfach erzählten Asylwerber, dass das Essen anlässlich des Amnesty-Besuches deutlich besser war als sonst.

Zusätzlich müssen sich die Asylwerber für die Ausstellung der für sie sehr wichtigen Identitätskarten stunden- oder tagelang anstellen, wodurch oft die Essensausgabe verpasst werde. Laut Pichler gibt es nur einen Drucker hierfür. Ein Problem, das sich rasch lösen ließe, so die Teamleiterin.

Medizinische Versorgung

"Elend" und die ungeschützt der Hitze ausgelieferten Menschen, das waren auch die Eindrücke des medizinischen Experten Siroos Mirzaei. Für die tausenden Flüchtlinge, teils mit traumatischen Kriegserfahrungen, stehen insgesamt nur vier Ärzte und drei Psychologen zur Verfügung. Den Ärzten bleiben nur wenige Stunden pro Tag für die Behandlung kranker Flüchtlinge, denn die meiste Zeit werde für die Erstuntersuchung aufgewendet. Manche würden sich auch nicht in die Ordination trauen, da sie befürchten, aufgrund einer Krankheit nicht in Privatunterkünfte zu kommen, stellte Mirzaei fest. Die psychologische Betreuung sei "völlig unzureichend", so der Experte weiter.

Mirzaei kritisierte vor allem auch die radiologische Untersuchung zur Altersfeststellung, denn diese sei "unzuverlässig" und sehr teuer. Das hierfür aufgewendete Geld wäre besser in der Betreuung aufgehoben, meinte er. "Die medizinische Versorgung in Traiskirchen ist derzeit mangelhaft."

Sanitäranlagen

Auch die Sanitäranlagen sind in einem schlechten Zustand. In einer Toilette "schwammen Exkremente", auch war der Boden nass, so Mirzaei. Auch er sah aufgrund der gemeinsamen Duschen die Menschenwürde von Frauen verletzt: "Die Probleme wären leicht zu lösen."

Vorstellung des Amnesty-Berichts
© APA/Georg Hochmuth Patzelt, Pichler und Mirzaei präsentierten den bericht

Die Nassräume sind offiziell nach Geschlecht getrennt. Anlässlich des Besuchs von Amnesty war jedoch ein Raum mit Toiletten und Duschen für Männer und Frauen gekennzeichnet. Die Duschnischen sind voneinander abgetrennt, haben allerdings keinen Vorhang und sind direkt zu den Fenstern ausgerichtet, also von außen einsehbar. Nach Angaben von zahlreichen Asylwerbern werden die Duschen und Toiletten sowohl von Männern als auch von Frauen genutzt. Frauen verzichten daher oftmals auf das Duschen oder lassen jemanden Wache stehen.

Unbegleitete Minderjährige

Eine besonders prekäre Situation stelle jene der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge dar. "Sie sind derzeit nicht ausreichend geschützt in Traiskirchen, sondern de facto vollkommen sich selbst überlassen", kritisierte Pichler und ortet eine Verletzung der UN-Kinderrechtskonvention. Viele erzählten der Hilfsorganisation, dass sie über keine Information verfügen würden, an wen sie sich wenden können oder wer ihre Ansprechperson ist. Von Personen der Jugendwohlfahrt hatten sie noch nie gehört. Nach Angaben der Kinder und Jugendlichen sind keine Freizeitangebote in der Betreuungsstelle bekannt und sie wissen nicht, wie es weitergeht. Vor allem Letzteres belastet sehr viele der Jugendlichen.

Auch für eine weitere besonders schutzbedürftige Gruppe - die Frauen - bestehe kein ausreichender Schutz in Traiskirchen. So gebe es etwa unter den Obdachlosen Schwangere oder Frauen mit neugeborenen Kindern.

Linktipp

Hier gibt es den vollständigen Bericht zum Download

Kommentare

Cyrus110 melden

AI, geht doch dort hin wo diese ganzen typen herkommen und beschwerd euch dort über die zustände! vielleicht kommen dann ja weniger zu uns wenn ihr alles so super richten könnt!!!!!

higgs70
higgs70 melden

Tun's ja eh.
http://www.news.at/a/is-terrorismus-luftangriffe-zivilisten

9960 melden

Fr. Daniela Pichler (AI-Team), wenn sie die Spendengelder dafür verwenden, die Zustände in den auffanglagern zu kritisieren, dann sollten sich alle AI-SpenderInnen ihre Spende gut überlegen und besser gleich für die Füchlinge Spenden, damit diese nicht im Freien oder in Zelten, sondern in menschenwürdigen Unterkünften Platz finden!!!

9960 melden

Wie viele menschenwürdige Unterkünfte stellt eigentlich ihre Organisation zur Verfügung?
Oder sind sie nur ein Verein der kritisiert?

giuseppeverdi melden

Eine berechtigte Frage 9960 der nichts hinzuzufügen ist, weder ein Punkt noch ein Beistrich, gratuliere!!!

Ich dachte AI würde AUFDECKEN !? Denn das was die da wiedergeben ist doch längst ein alter Hut ! Ausserdem vermisse ich vernünftige Vorschläge von dieser Chaostruppe.

immerwieder melden

frag mal nur so ... aber die SCHLEPPER, die diese menschen mit falschen versprechungen hierherlocken, DENEN passiert nix ... oder ?ß wir wär es da einmal für AI den finger draufz7ulegen ? ansonsten kann ich diese AI nicht mehr ernstnehmen. diese organisation hat überall etwas auszusetzen. die nächste frage ist halt dann auch: WARUM ???? habe wir so viel überhaupt reingelassen?????

Mr.T melden

Fragen Sie sich mal Eines: Hätten die Alliierten flüchtende Juden, mit der Begründung „das Boot ist voll“ zurück nach Deutschland senden sollen damit sie schlussendlich doch ihren Weg in ein KZ finden?

wasinix melden

Dear Mr.T ich denke der Vergleich hinkt, man Frage doch mal die Eidgenossen was sie damals gemacht haben. ? WIR sind wie auch schon mehrmals in anderen Postings erwähnt keine EU außen Grenze.

Bill Rizer
Bill Rizer melden

Menschenrechtsverletzungen kann man natürlich niemandem zumuten, dann sollten wir natürlich sofort damit aufhören Flüchtlinge aufzunehmen. Denjenigen Flüchtlingen, die ihre Menschenrechte verletzt sehen, steht es natürlich frei in ein besseres Land zu wechseln. Wir misshandeln ja niemanden oder halten ihn gegen seinen Willen fest, alle sind freiwillig hier.

immerwieder melden

richtig. jedermann steht es FREI, zu gehen. ohne wenn und aber.

Francisco Perez
Francisco Perez melden

Eben, das geht ja Mal garnicht, dass sie zwei Stunden für ein Essen anstehen müssen, in den Flüchtlingslagern Afrikas geht das viel schneller...also ehrlich manchmal fehlen mir die Worte.
da kommt man gerade Mal eben so mit dem Leben davon, ein Land, welches selbst genug Probleme hat, nimmt einen auf und versorgt ihn mit dem Wichtigsten und da hat man nicht Besseres zu tun, als sich zu beklagen

Francisco Perez
Francisco Perez melden

Wie wäre es denn mit ein wenig Dankbarkeit? Klar ist es nicht ideal aber wenigstens hat man was zu essen, ein Bett, ein Dach über dem Kopf. Ich bin mir sicher, der Großeteil hatte diese essentiellen Sachen nicht in seiner Heimat.

giuseppeverdi melden

@Bill Rizer Ihrem Posting ist wirklich nichts, aber auch gar nichts, nicht einmal ein Beistrich oder ein i-Punkt hinzuzufügen!

Gelberdrache

Ehrlich,wer hat mit sovielen gerechnet?Dann soll halt Amnesty die Flüchtlinge übenehmen,wie sie es machen währe mir egal,da sollen die sich mal trum kümmern,aber immer auf andere rumhacken und selbst nicht´s machen,das ist leicht.

Gelberdrache
Gelberdrache melden

Das war je klar auf das kleine Österreich wird immer los gegangen,das war schon früher so und wird auch so bleiben.Und unsere Politiker sagen zu allen Ja und Amen,anstatt sich mal auf die Füsse zu stellen.Zum zahlen bis geht nicht mehr ist dehnen wurscht,aber die Tepperten sind wir.Es würde nur eins gehen,wir lassen niemand mehr rein,bis wir den alten Stand aufgearbeitet haben und dann weiter

Ivoir
Ivoir melden

Eine gute Idee, sagen wir den Kriegsherren, sie sollen doch bitte für fünf Jahre eine Kampfpause machen, damit wir in Ruhe die Flüchtlinge versorgen können. >Sarkasmus ende<

immerwieder melden

NOCH einfacher wär es, die flüchtlinge den KRIEGSHERREN zu schicken. dann würd sich der krieg aber sowas von aufhören

Ivoir
Ivoir melden

giuseppeverdi, Bei Ihren bisherigen Postings kann man gut nachvollziehen, dass Sie nicht in der Lage sind, über Sinn od. Sinnlosigkeit von Postings zu urteilen.

Hat jemand von Amnesty was anderes erwartet? Denen ist egal, wenn
Österreich bankrott geht, Hauptsache Flüchtlingen geht es gut!

Fahr'n ma Flüchtlinge schaun' - oder was soll das jetzt? Amnesty International soll nicht hergehen und mit ihren Beamtenfingern auf die misslichen Umstände zeigen und alle Helfer und Mitarbeiter unnötig kritisieren - diese Organisation soll, statt zu mosern, anpacken und dafür sorgen, daß die Leute woanders besser betreut werden können!

Ingrid Bruckl
Ingrid Bruckl melden

Österreich verletzt derzeit Menschenrechtsstandards in der Unterbringung und Verwaltung von Asylwerbern. Bund und Länder müssen wirksame Schritte setzen, um die vorwiegend durch administrative Mängel verursachte Obdachlosigkeit sofort zu beenden

ähm sollten wir uns nicht mal zuerst um die eigenen leute kümmern???

Ivoir
Ivoir melden

Kennen Sie da einen Konkreten Fall? Es gibt nahezu für alle Problemfälle eine Anlaufstelle, bei der je nach Schwere geholfen werden kann. Das sich so manche zu schade sind diese in Anspruch zu nehmen, kann man nicht anderen vorwerfen.

Rumor13 melden

Ja klar,Ivoir.
Träume schön weiter..........

sanu melden

Alle raus, Lager sofort schließen und eine andere Verwendungsmöglichkeit dafür suchen!!!

Seite 1 von 2