"Tragödie" und "großer Fehler": Unmut
nach dem Luftangriff in Afghanistan wächst

Dutzende Menschen bei Bundeswehr-Attacke getötet NATO und UNO untersuchen bereits den Vorfall

"Tragödie" und "großer Fehler": Unmut
nach dem Luftangriff in Afghanistan wächst © Bild: Reuters

Nach dem verheerenden Luftangriff in Afghanistan mit Dutzenden Toten muss sich die deutsche Bundeswehr harte Kritik gefallen lassen. Die EU sprach von einer "Tragödie", Frankreichs Außenminister Kouchner von einem "großen Fehler". Verteidigungsminister Jung sagte dagegen, nach bisherigen Erkenntnissen seien nur "terroristische Taliban getötet worden". NATO und UNO untersuchen den Vorfall.

Unter den Verletzten waren laut US-General Stanley McChrystal auch Zivilpersonen. Der Oberkommandierende der US- und NATO-Truppen in Afghanistan sprach in Kunduz von einem "ernsten Vorfall", der zeigen werde, ob die NATO zu Transparenz bereit sei.

Nach Angaben von Dorfbewohnern werden über 100 Tote beklagt. Stammesälteste sprachen sogar von bis zu 150 Zivilisten, die bei dem Luftangriff auf zwei von Taliban-Rebellen entführte Tankwagen umgekommen seien. Am Samstag wurde auf die deutschen Truppen nordöstlich von Kunduz ein Selbstmordanschlag verübt. Dabei wurden fünf Soldaten und ein einheimischer Dolmetscher verletzt, wie die Bundeswehr mitteilte.

Verfahren gegen Kommandanten?
Die Staatsanwaltschaft Potsdam prüft, ob ein Ermittlungsverfahren gegen den für den Luftangriff verantwortlichen deutschen Kommandanten eingeleitet werden muss. Oberst Georg Klein hatte beim Hauptquartier der NATO-geführten internationalen Schutztruppe ISAF Luftunterstützung angefordert, nachdem die Taliban zwei Tanklastzüge entführt hatten. Er befahl auch den Angriff. Dabei kamen Dutzende Menschen ums Leben. Die Bundeswehr spricht von mehr als 50 getöteten Aufständischen. Der afghanische Präsident Karzai teilte mit, es seien "rund 90 Menschen getötet oder verletzt" worden.

Die EU will unterdessen mehr Druck auf die künftige afghanische Regierung ausüben. Milliardenschwere EU-Finanzhilfen soll es nur noch geben, wenn die Regierung in Kabul den zivilen Wiederaufbau tatsächlich vorantreibt und die Korruption bekämpft. Die Außenminister der 27 EU-Staaten einigten sich am Samstag in Stockholm auch darauf, selbst noch größere Anstrengungen für den zivilen Wiederaufbau zu unternehmen.

(apa/red)