Tragisches Ende eines Polizeieinsatzes:
Fünf Tote bei Hausstürmung in Südkorea

Brandsatz löst am Dach eine Feuerkatastrophe aus 40 Menschen besetzen Haus gegen Sanierungsprojekt

Tragisches Ende eines Polizeieinsatzes:
Fünf Tote bei Hausstürmung in Südkorea © Bild: AP/Yonhap/Bae Jae-man

Bei der Erstürmung eines besetzten Hauses im südkoreanischen Seoul sind sechs Menschen ums Leben gekommen. Fünf Besetzer und ein Polizist verbrannten in einem Feuer auf dem Dach des vierstöckigen Gebäudes, wie der Polizeichef des zentralen Stadtteils Yongsan, Baek Dong San, mitteilte.

Der Brand sei vermutlich durch ein Brandsatz der Demonstranten verursacht worden. Mehr als 20 Beteiligte auf beiden Seiten wurden bei den Zusammenstößen verletzt. Staatspräsident Lee Myung Bak kündigte eine gründliche Untersuchung an. Ministerpräsident Han Seung Soo äußerte im Fernsehen sein Bedauern wegen des Vorfalls.

Das Feuer brach in der Früh aus, als Bereitschaftspolizisten das Gebäude erstürmen und die Besetzer vertreiben wollten. Mitglieder einer Spezialeinheit wurden per Kran in einem Schiffscontainer auf das Dach gehievt, wo sich die Demonstranten in einem behelfsmäßigen Beobachtungsturm verschanzt hatten. "Das Feuer brach aus, als die Demonstranten Farbverdünner verspritzt und Molotowcocktails auf die Polizisten geworfen haben", wurde Baek von der Zeitung "The Korea Times" zitiert.

Proteste gegen Sanierungsprojekt
Mehr als 40 Mieter des Gebäudes hatten mit der Besetzung gegen ein Sanierungsprojekt in der Gegend protestiert. Dabei sollte auch ihr Gebäude abgerissen werden. Sie forderten nach Fernsehberichten eine höhere Entschädigung für ihren erzwungenen Auszug. Bei der Räumungsaktion wurden den Berichten zufolge 25 Menschen festgenommen. Rund 1.200 Polizisten seien für die Aktion mobilisiert worden. Nach Angaben Baeks warfen die Demonstranten 150 Brandsätze, 40 Flaschen mit Salzsäure sowie hunderte von Murmeln und Golfbällen mit Schleudern auf die Polizisten und auf benachbarte Häuser.

Erst zwei Tage zuvor hatte Präsident Lee einen neuen Chef der nationalen Polizeibehörde ernannt. Der Vorgänger war wegen des harten Vorgehens gegen die Teilnehmer öffentlicher Protestaktionen in die Kritik geraten. Die nationale Nachrichtenagentur Yonhap berichtete, dass neben der Staatsanwaltschaft auch die staatliche Menschenrechtskommission Ermittlungen zu dem Vorfall aufgenommen habe. Sie wolle untersuchen, ob bei der Räumungsaktion Menschenrechte verletzt worden seien.
(apa/red)