Tragische Statistik: Jedes zweite HIV- positive Kind stirbt vor zweitem Geburtstag

Ausreichende Testmöglichkeiten nach Geburt fehlen Kinder im Kampf gegen AIDS lange kaum beachtet

Das UNO-Kinderhilfswerk UNICEF rief anlässlich der in Mexiko beginnenden Welt-Aids-Konferenz zu einem verstärktem Einsatz für das Überleben und den Schutz HIV-positiver Kinder auf. Im vergangenen Jahr haben sich in den Entwicklungs- und Schwellenländern schätzungsweise 370.000 Kinder mit dem HI-Virus angesteckt - zumeist durch ihre Mütter während der Schwangerschaft oder bei der Geburt. Trotz verbesserter Behandlungsmöglichkeiten sind ihre Überlebenschancen weiterhin schlecht. Allein 2007 starben weltweit 270.000 Kinder an den Folgen der Immunschwächekrankheit.

Vor der Welt-Aids-Konferenz kündigten UNICEF, die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der Finanzfonds UNITAID an, zusätzlich 50 Millionen US-Dollar (32 Mio. Euro) einzusetzen, um die Mutter-Kind-Übertragung des HI-Virus zu stoppen. In neun besonders von der Epidemie betroffenen Ländern sollen rund zehn Millionen Schwangere auf HIV getestet und 285.000 Mütter und Kinder behandelt werden.

UNICEF verhandelt im Rahmen des Programms auch mit der Pharmaindustrie und Regierungen, um die Preise für Medikamente und Testmöglichkeiten weiter zu verringern. Die Organisation wies anlässlich des Treffens von Wissenschaftern und Aids-Aktivisten in Mexiko darauf hin, dass rund 50 Prozent der HIV-infizierten Neugeborenen vor ihrem zweiten Geburtstag sterben, wenn sie keine medizinische Hilfe bekommen. Weil in vielen Ländern bis heute ausreichende Testmöglichkeiten für Kleinkinder nach der Geburt fehlen, werden HIV-Infektionen oft nicht oder zu spät diagnostiziert.

Dabei belegen Untersuchungen, dass eine frühzeitige Behandlung infizierter Neugeborener das Sterblichkeitsrisiko um 76 Prozent senkt gegenüber Kindern, die erst mit Ausbruch der Krankheit medizinische Hilfe bekommen. Kinder sind im Kampf gegen Aids lange kaum berücksichtigt worden. Die Herausforderungen sind nach wie vor enorm: 2007 waren knapp 200.000 Kinder in Behandlung - gegenüber 75.000 im Jahr 2005. Doch bis heute bekommen viele der Kinder, die behandelt werden müssten, keine medizinische Hilfe. Weltweit gibt es rund zwei Millionen HIV-positive Kinder unter 15 Jahren - die meisten in den Entwicklungs- und Schwellenländern.

Jedes Jahr bringen schätzungsweise 1,5 Millionen HIV-positive Frauen ein Baby zur Welt. Durch Gaben des Medikaments Nevirapin vor der Geburt lässt sich das Ansteckungsrisiko für die Kinder drastisch senken. Doch nur 33 Prozent der HIV-positiven Schwangeren erhielten 2007 dieses Medikament. Der Anteil lag allerdings 2005 noch bei zehn Prozent.

(apa/red)