Trägerorganisationen haben kein Problem:
Man ist mit Einsatz der Zivildiener zufrieden

Keine gesetzliche Regelung für Krankenstände nötig Scharfe Kritik an Fekters Plänen üben SJÖ und ÖGJ

Trägerorganisationen haben kein Problem:
Man ist mit Einsatz der Zivildiener zufrieden © Bild: APA/Schlager

Probleme mit Krankenständen gebe es nicht, im Gegenteil, man sei mit dem Einsatz der Zivildiener sehr zufrieden. Das war der Tenor eines Rundrufes bei den Trägerorganisationen Rotes Kreuz, Volkshilfe, Neustart und Hilfswerk. Eine gesetzliche Regelung, um Krankenstands-Missbrauch abzustellen, wird als nicht nötig erachtet. Scharfe Kritik an diesem Vorhaben von Innenministerin Maria Fekter kam von der Sozialistischen Jugend (SJÖ) und der Österreichische Gewerkschaftsjugend (ÖGJ).

Die größte Trägerorganisation, das Rote Kreuz, hat "kein gröberes Problem mit Dauerkrankenständen", berichtete der stv. Generalsekretär Werner Kerschbaum nach einer Rückfrage bei den großen Landesorganisationen. Allenfalls Sinn machen würde aus seiner Sicht eine Verkürzung der 24-Tages-Frist beim Krankenstand - nach der der Zivildienst unterbrochen werden kann - auf 18 Tage, analog zur Verkürzung Dienstes von zwölf auf neun Monate. Das Rote Kreuz beschäftigt mit 4.000 rund ein Drittel aller Zivildiener. Sie werden hauptsächlich im Krankentransport eingesetzt und decken rund 25 Prozent der Dienstzeiten ab.

Auch die Volkshilfe konnte "absolut nicht bestätigen", dass es Probleme mit Krankenständen gibt. Die Zivildiener würden größtenteils sehr engagiert und fleißig arbeiten, "wir sind sehr zufrieden". Den Bedarf, Missbrauch zu bekämpfen, sehe man nicht, erklärte der Pressesprecher der Volkshilfe Oberösterreich, Walter Deil.

Keine Klage über Krankenstände
Das Hilfswerk klagt ebenfalls nicht über zu viele Krankenstände. "Wir sind mit der Arbeit unserer Zivildiener sehr zufrieden. Probleme mit Krankenständen gibt es nur in Einzelfällen", sagte Präsident Othmar Karas.

Beim Bewährungshilfe-Verein "Neustart" gibt es "äußerst selten" Probleme mit Krankenständen. Hier gehe es freilich auch um die Frage der Motivation, merkte Neustart-Sprecherin Dorit Bruckdorfer an: Man bemühe sich, dass Zivildiener nicht nur ihren Dienst einfach ableisten, sondern auch den Sinn ihrer Tätigkeit erkennen - und im Allgemeinen seien die Zivildiener sehr gut motiviert. Dies merkte auch Kerschbaum an: Jeder zweite Zivildiener bleibe als Freiwilliger beim Roten Kreuz, womit diese Gruppe mehr als die Hälfte der Freiwilligen ausmache.

SJÖ und ÖGJ gegen Pläne
SJ-Vorsitzender Wolfgang Moitzi und ÖGJ-Vorsitzender Jürgen Michlmayr warnten vor den möglichen Folgen von Fekters Plänen: Zivildiener Krankenstände "einarbeiten" zu lassen könne dazu führen, dass sie ihren Arbeitsplatz verlieren - oder dass sie trotz ernster Erkrankung den Zivildienst leisten. Beide lehnten eine weitere Schlechterstellung des Zivildienstes gegenüber dem Wehrdienst entschieden ab. Und sie warfen Fekter vor, Zivildienern pauschal Missbrauch zu unterstellen. Das sei ein "nicht hinzunehmender Vorworf" nicht nur an Zivildiener, sondern auch an die Ärzte, bei denen sie sich krankschreiben lassen müssen, kritisierte Michlmayr.

Die Zivildienstserviceagentur hat keine Statistiken über die Krankenstände. In der dem Innenministerium angegliederten Verwaltungsstelle müssen Krankenstände über 24 Tage (ab denen "nachzudienen" ist) gemeldet werden. Der überwiegende Teil der Zivildienstleistenden gehe über diese Grenze nicht hinaus, war alles, was auf Nachfrage der APA über Krankenstände zu erfahren war. Aber man berichtete von einem "Rekord" - nämlich bei den Zuweisungen: 2009 hätten die Zuweisungen erstmals die 13.000er-Grenze überschritten.

(apa/red)