Traditions-Betrieb vor Aus: Weiterbestehen der Manner-Fabrik in Wien-Hernals bedroht

Geplanter Denkmalschutz als Gefahr für Standort SP-Stadrat Rieder sauer: "Vernichtet Arbeitsplätze"

Die Wiener Manner-Fabrik in Hernals wird offenbar unter Denkmalschutz gestellt. Laut dem Wiener Finanz- und Wirtschaftsstadtrat Rieder steht dieser Schritt unmittelbar bevor. Das Bundesdenkmalamt habe ihm entsprechende Absichten bestätigt. Rieder zeigte sich darüber verärgert, auch das Unternehmen selbst warnt vor einem Verlust an Arbeitsplätzen.

Das Gebäude in der Wilhelminenstraße ist das Stammwerk des Süßwarenherstellers - der vor allem durch seine Manner-Schnitten bekannt ist. Es wurde bereits vor dem ersten Weltkrieg bis zur heutigen Größe ausgebaut und beherbergt Produktionsanlagen zur Waffel -, Keks-, Biskotten- und Lebkuchenherstellung. Knapp 500 Mitarbeiter sind dort beschäftigt.

"Die offensichtlich bereits getroffene Entscheidung, die Manner- Fabrik unter Denkmalschutz zu stellen, gefährdet die wirtschaftliche Weiterführung des Unternehmens und vernichtet Arbeitsplätze. Darüber hinaus hat eine solche Entscheidung eine fatale Signalwirkung. Es kann nicht sein, dass innerstädtische Industriebetriebe wie Museen behandelt werden und ihnen damit der betriebliche Lebensraum genommen wird", kritisierte Rieder.

Er habe dem Bundesdenkmalamt mitgeteilt, dass sich die Stadt rechtliche Schritte gegen die Entscheidung vorbehalte und nach Vorliegen des Bescheides prüfen werde, "welcher Rechtschutz dem Unternehmen gewährt werden kann". Und Rieder weiter: "So wichtig und verständlich auch die Anliegen des Denkmalschutzes sind, sie dürfen nicht zum Grund für die Abwanderung von Wirtschaftsunternehmen und zur Beseitigung innerstädtischer Arbeitsplätze werden." Er zeigte sich überzeugt, dass sich beide Interessen durchaus vereinbaren lassen.

Laut Denkmalamt Teilunterschutzstellung geplant
Das Bundesdenkmalamt (BDA) führt zur Zeit ein Verfahren zur Teilunterschutzstellung der historisch bedeutenden Fabrik der Firma Manner in Wien durch. Das hat das BDA in einer Mitteilung bestätigt. Bedenken, wonach es durch den Denkmalschutz zu Einschränkungen des Betriebes kommen könnte, sind demnach "nicht stichhaltig".

"Es handelt sich bei dem typischen Beispiel eines städtischen Industriebetriebes des frühen 20. Jahrhunderts um ein wirtschaftsgeschichtlich bedeutendes bauliches Dokument der Gründerzeit, das in seinem guten Erhaltungszustand mittlerweile Seltenheitswert besitzt", heißt es in einer Stellungnahme auf der Homepage des Denkmalamtes (http://www.bda.at).

Es sei auch das Anliegen des Bundesdenkmalamtes, dass in dieser ältesten noch in Betrieb befindlichen Nahrungsmittelfabrik Wiens weiter gearbeitet werden kann. Die gegenwärtige Nutzung ist aus Sicht der Denkmalpflege die "bestmögliche", weil sie die wenigsten Veränderungen der Bausubstanz erfordert. Das BDA habe den Vertretern der Firma Manner gegenüber seine Bereitschaft, betriebswirtschaftlichen Notwendigkeiten jedenfalls zu entsprechen, immer wieder bekundet: "Diese Bemühungen scheinen einstweilen leider erfolglos geblieben zu sein."

Dies ist laut Denkmalamt bedauerlich, "gerade weil die Firma Manner selbst bei ihrer bisherigen Tätigkeit auf die Erhaltung des historischen Gebäudes geachtet hat". Es sei nicht nachvollziehbar, warum der Denkmalschutz, der nichts weiter beabsichtige als die Sicherung der Weiterführung der bisherigen Praxis, hier einschneidende Änderungen bewirken sollte. Die Interessen von Wirtschaftsunternehmen mit denen des Denkmalschutzes seien jedenfalls vereinbar, versicherte das Bundesdenkmalamt.

Im Fall Manner ist der Wirtschaftssprecher der Wiener ÖVP, Fritz Aichinger, jedoch nicht dieser Ansicht: "Denkmalschutz in allen Ehren, aber bei traditionellen Wiener Betrieben, die dadurch wirtschaftlich behindert werden, sollten wir umdenken", meinte er in einer Aussendung. Die Fabrik sei durch den Denkmalschutz wirtschaftlich gefährdet, zeigte sich Aichinger überzeugt. (apa)