Die Toten Hosen sind 40 und gehen immer nach "Bauchgefühl"

Die Toten Hosen feiern 40 Jahre Bandbestehen

von Die Toten Hosen sind 40 und gehen immer nach "Bauchgefühl" © Bild: APA/APA/dpa/Britta Pedersen

Die Toten Hosen sind 40 - einst in Schlagzeilen mit Chaos assoziiert, ist die Band heute neben Rammstein die erfolgreichste deutschsprachige Gruppe. Die Düsseldorfer waren nie eine reine Spaßband, sondern oft kritisch, aber nie nur ernst. "Die Balance ist wichtig", betonte Sänger Campino im APA-Interview. "Wir ziehen durch, was unser Bauchgefühl sagt. Dies war einer der ersten Beschlüsse als Band Die Toten Hosen: Wir wollen uns immer so geben, wie wir uns gerade fühlen."

"Wenn uns nach Albernheiten ist, lassen wir das die Leute spüren. Aber wenn es um etwas geht, das uns wichtig ist und wir was zu sagen haben, kommt das auf den Tisch", führte der 59-Jährige weiter aus. "So saßen wir häufig zwischen den Stühlen. Manchmal konnten sich alle auf uns einigen, manchmal niemand, aber das war letztendlich unser Lebensrezept." Die musikalische und inhaltliche Bandbreite der Hosen-Songs dokumentiert die am 27. Mai erscheinende Jubiläumswerkschau "Alles aus Liebe - 40 Jahre Die Toten Hosen". Am 2. Juli gastiert die Gruppe in der Krieau in Wien (Open Air). Die Jubiläumstournee soll "keine Nostalgieveranstaltung" werden, legt sich Campino fest. "Wir haben genug neue Lieder, um das Set frisch zu halten."

In einer Konzertkritik vor 30 Jahren wurden Campino und Co. als "gefürchtete Punk-Gruppe" bezeichnet, was dem Sänger, dessen Aura immer noch eine Portion Lausbub beinhaltet, ein Schmunzeln entlockt. Angst hat wohl niemand mehr vor den Toten Hosen. "Wenn du deine Feinde behalten willst, dann versuche nicht, sie kennenzulernen", zitierte Campino dazu Winston Churchill. "Was ich damit sagen will: Die Gesellschaft hat Die Toten Hosen kennengelernt, wir waren dadurch keine Feinde mehr, sondern man hat gesehen: 'Die sind ja netter als wir dachten.' Wir haben dadurch den Mythos des Wahnsinns abgeben müssen, sind deshalb aber auch in all den Jahren in gewissen Punkten eine verlässliche Größe geworden."

Das sei auch "in Ordnung so, denn diese Wut der Anfangstage, auch das Unberechenbare, kannst du nicht konservieren, das kannst du nicht festhalten". Will man länger dabei sein, gelte es andere Werte zu finden, mehr ins Konstruktive und Kreative zu gehen, "oder dass man sich selbst als Kraft begreift, die hin und wieder die Möglichkeit hat, über die Musik hinaus einen Beitrag zu leisten", so Campino. "Insofern fühlen wir uns ganz wohl in der Rolle, die wir heute haben - und wollen das auch nicht zurücktauschen in den Zustand vergangener Jahre, als man noch Angst vor uns hatte."

Gewisse Grundprinzipien habe man sich über die Jahre erhalten können, betonte Campino, dass man etwa nie sich selbst oder Musik für Werbung verkauft habe. Die Toten Hosen waren auch nie nur eine Band, sondern sind Freunde geblieben: "Das ist sicherlich der Grund, warum wir heute immer noch da sind. Nimm lieber den besten Freund als den besten Musiker, das mit der Musik wird sich auf dem Weg schon finden. Das war immer die Priorität, das haben wir gelebt, das hat uns sehr oft geholfen."

Die Doppel-CD bzw. Vier-LP-Box "Alles aus Liebe" enthält 43 Songs, darunter auch sieben neue Tracks wie den Gassenhauer "Amore Felice" und den Punk-Kracher "Alle sagen das". Campino: "Wir hatten uns fest vorgenommen, keine Lückenfüller auf die Platte zu nehmen, sondern uns Mühe zu geben, als wären das Lieder für ein vollwertiges neues Studioalbum." Und was die gesamte Zusammenstellung betrifft: "Das sind Songs, die für uns Schlüsselmomente bedeutet haben. Es ist keine reine Best-Of, sondern mehr eine Anthology, wir versuchen unsere Geschichte in Liedern wiederzugeben."

Ein neues Stück, das hymnische "112", versteht sich als humorvolle Selbstbeschreibung der Toten Hosen. "Wir bleiben Sieger gegen die Zeit", lautet eine Textzeile. "Das ist eine ganz schön großmaulige Zeile", lachte Campino beim Gespräch in einem Wiener Hotel. "Die bringe ich nicht über die Lippen, ohne zumindest einem Zwinkersmiley links und rechts! Das gilt vielleicht noch für diese Runde - wie ein Boxer, der am Ende seiner Karriere noch mal rausgeht mit der Überzeugung, heute den Gegner auf den Boden zu schicken. Wie es dann weitergeht, weiß ich noch nicht. Die Zeit nagt natürlich auch an uns. Es gibt niemanden, der das besser weiß, als wir."

(Das Gespräch führte Wolfgang Hauptmann/APA)

(S E R V I C E - )