Totales Auto-Verbot auf Wiener Ringstraße?
Radikale Grünen-Idee sorgt für Aufsehen

Nur mehr Fußgänger, Radfahrer, "Öffis" und Fiaker

Totales Auto-Verbot auf Wiener Ringstraße?
Radikale Grünen-Idee sorgt für Aufsehen

Anlässlich der EURO 2008 wird die Wiener Ringstraße rund einen Monat lang für jeglichen Verkehr gesperrt. Geht es nach den Grünen, könnte das zur Dauereinrichtung werden. Sie forderten eine autofreie Ringstraße zwischen Burg- und Schottentor. Nur Fußgänger, Radfahrer, Straßenbahnen und Fiaker sollten Wiens Prachtboulevard benützen dürfen, so Klubchefin Maria Vassilakou.

"Was gut genug für die EM-Fans ist, sollte auch gut genug für die Wiener sein", so Vassilakou (Bild links). Eine solche Maßnahme würde für weniger Verkehrsbelastung und Lärm sorgen, Wiens Sehenswürdigkeiten besser erlebbar machen und auch temporäre Gastronomie zulassen. Eine Ausweitung wäre aus ihrer Sicht möglich, denn auch eine autofreie Zone vom Schwarzenbergplatz bis zum Schottenring sei denkbar.

Grüne Ideen
"Wir verlegen den Radweg einfach auf den Ring", gab sich auch der Umweltsprecher der Wiener Grünen, Rüdiger Maresch: "Die Wiener haben es sich schon längst verdient, keine Verkehrshölle zu haben." Der genannte Bereich sei dafür besonders gut geeignet: Zu- und Abfahrten zu allen Gebäuden seien möglich, die Nebenfahrbahnen würden für den motorisierten Verkehr weiter zur Verfügung stehen.

Hybrid-Pflicht für Taxis?
Zusätzlich verlangen die Wiener Grünen eine Hybrid-Pflicht für die Taxis der Bundeshauptstadt ab dem Jahr 2015. In den sieben Jahren davor sollte es für die Unternehmer eine städtische Förderung von jeweils 1.000 Euro geben, wenn sie sich ein Neufahrzeug mit dem umweltfreundlicheren Antrieb zulegen. Die Treibhausgas-Emissionen der rund 3.350 Taxis Wiens könnten dadurch um die Hälfte reduziert werden.

Ablehnung der anderen Rathausparteien
Mit deutlicher Ablehnung haben die anderen Rathaus-Fraktionen auf den Vorschlag der Wiener Grünen reagiert, die Ringstraße dauerhaft für den Autoverkehr zu sperren. Für das Wiener Straßennetz sei der Ring von viel zu großer Bedeutung, argumentierte die SPÖ. Die ÖVP warf der Öko-Fraktion "völlig intelligenzfreie Anti-Autofahrerpolitik" vor, die FPÖ ortete eine "Schnapsidee".

SPÖ: Nur kurzzeitige Sperren denkbar
Für die SPÖ sind lediglich örtlich und zeitlich knapp begrenzte Sperren vertretbar, so Verkehrssprecher Karlheinz Hora. Ansonsten würde es zu einer Verstärkung der Verkehrsbelastung in anderen Bereichen der Stadt kommen. Hora plädierte stattdessen für eine umweltfreundlichere Verteilung des gesamten Verkehrsaufkommens in Wien.

ÖVP mit scharfer Kritik
Die ÖVP reagierte mit schärferer Kritik. "Der Vorschlag der Grünen, den Ring zur autofreien Zone zu machen, ist nicht einmal dann lustig, wenn er als Scherz gemeint war", so Gemeinderat Wolfgang Gerstl. Zudem wäre eine Fußgängerzone mit Staßenbahnverkehr "in Sachen Verkehrssicherheit ein kompletter Wahnsinn", meinte er.

FPÖ wittert Schnapsidee
Ablehnung kam auch von der FPÖ. Für Gemeinderat Herbert Madejski ist der Vorschlag der Grünen "eine Schnapsidee und an Groteske nicht mehr zu überbieten". Man versuche damit, die Autofahrer aus dem öffentlichen Leben auszuschließen.
(APA/red)