Toshiba Qosmio F750 von

3D-Laptop ohne Brille

Toshiba geht in die Offensive. Erster 15-Zöller mit brillenloser 3D-Stereoskopie im Test

Toshiba Qosmio F750 - 3D-Laptop ohne Brille © Bild: Toshiba

3D ist schon ganz cool. Wenn man da bloß nicht diese dämlichen Brillen aufsetzen müsste: Schenkt man Umfragen der letzten Monate Glauben, so wird der Durchbruch der neuen 3D-Welle in heimischen Wohnzimmern vor allem durch den damit verbundenen Brillenzwang verhindert. Was also liegt näher als brillenlose Stereoskopie anzubieten? Gesagt, getan - Toshiba bringt als erster Hersteller heuer nicht nur einen brillenlosen 3D-Fernseher in den Handel, sondern mit dem Qosmio F750 auch ein brillenloses 3D-Notebook. NEWS.AT konnte den 15-Zöller näher unter die Lupe nehmen.

Die Technologie hinter dem Qosmio F750 ist dem Prinzip einer Shutter-Brille eigentlich recht ähnlich. Um den plastischen 3D-Effekt zu erzeugen, werden auch hier dem linken und rechten Auge unterschiedliche Bilder gesendet, allerdings erfolgt dies beim Notebook nicht wie bei der Brille direkt vor den Augen, sondern in Kombination von Display und der darüber verbauten Webcam. Eine spezielle Beschichtung des Bildschirms sorgt dafür, dass die Polarisation des emittierenden Lichts (=Bild) beeinflusst wird und in weiterer Folge dem linken Auge ein anderes Bild "sendet" als dem rechten. Die Webcam ortet die Position des Betrachters bzw. seiner Augen, um das Erlebnis nachzujustieren und zu präzisieren.

3D-Konsum in der Praxis
Was in Theorie fantastisch klingt, relativiert sich in der Praxis ein wenig. Die guten Nachrichten zuerst: Im Test stellte sich tatsächlich ein deutlicher 3D-Effekt ein, der selbst durch Verschieben des Notebooks und Änderung des Betrachtungswinkels aufrecht erhalten werden konnte. Sowohl Display als auch Webcam verrichten fehlerfrei ihre Dienste. Eine solide Basis also, auf der man aufbauen kann. Sehr positiv aufgefallen ist auch die Möglichkeit, 2D- und 3D-Inhalte gleichzeitig nebeneinander darstellen zu können.

Die Kehrseite der Medaille ist allerdings, dass man für den Wegfall der Brille (noch) Einiges in Kauf nehmen muss: Im wahrsten Sinne des Wortes getrübt wird die 3D-Wiedergabe nämlich durch den Umstand, dass die Full-HD-Auflösung auf HD ready (1.366 x 768 Pixel) heruntergestuft wird und sich ein störendes Raster über das Bild legt. Je näher man vor dem Bildschirm sitzt, desto häufiger hat man mit "Ghosting" (weiße Schattenkonturen) und deutlichen Unschärfen zu kämpfen. Weiterhin komplett leer beim Qosmio F750 gehen Gamer aus, da die Autostereoskopie für Spiele erst mit einem Software-Update nachgereicht wird. Angeblich noch heuer. Der Konsum beschränkt sich derzeit also auf 3D-Blu-rays bzw. Inhalte, der mit der hauseigenen und mitgelieferten Player-Software abspielbar ist.

Und sonst?
Entkoppelt man das Qosmio F750 von seinem 3D-Aushängeschild, verbirgt sich ein klarer Unterhaltungsbolide dahinter. Flotter Vierkernprozessor (i7-2640QM), 8 GB Arbeitsspeicher, eine Grafikkarte der Mittelklasse (GeForce GT 540), Blu-ray-Brenner, ein sattes Soundsystem von Harman Kardon und nicht zuletzt ein TV-Tuner dürfte den meisten Ansprüchen an eine Multimedia-Zentrale genügen und manche sogar übertreffen. Fernbedienung und HDMI-Anschluss (für Wiedergabe auf anderen Geräten) runden dieses Angebot gelungen ab, das mit einem Straßenpreis von rund 1.500 Euro auch ordentlich zur Kasse bittet.

Weniger bis gar nicht geeignet ist das Qosmio F750 für den mobilen Einsatz: Das liegt weniger daran, dass ein spiegelndes Display verbaut ist, sondern dass die Akkulaufzeit mickrige zwei bis drei Stunden bei durchschnittlicher Verwendung beträgt. Ein ganz klarer Fall also für ein Desktop-Replacement. Mäßige Freude am Gerät dürften auch Gamer haben, das Spielen aktueller Titel (in 2D) ist bestenfalls auf mittlerer Detailstufe realisierbar, der Benchmark 3DMark 2006 bescheinigt dem System ein wenig über 8.000 Punkte.

NEWS.AT-FAZIT
Das Qosmio F750 stellt zweifelohne unter Beweis, dass der Sprung in die dritte Dimension am Brillenzwang vorbeiführen kann. Das Notebook offenbart aber auch das häufige Schicksal eines innovativen Erstlings, noch in den Kinderschuhen zu stecken und somit Einschränkungen mit sich zu bringen. Blendet man den "3D-Hokuspokus" weg, bleibt aber unterm Strich immer noch ein vielseitiger Desktop-Ersatz stehen, der mit einer üppigen Multimedia-Ausstattung punkten kann.

Weiterführender Link:
Technische Details