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"Tosca": Ein Fest der Stimmen

Opernkritik - "Tosca": Ein Fest der Stimmen © Bild: APA/Wiener Staatsoper/Michael Pöhn

Die aktuelle Spielserie von Giacomo Puccinis "Tosca" hat Festivalcharakter. Piotr Beczala hatte beim Auftakt sein Rollendebüt als Maler Cavaradossi gegeben. In der zweiten Aufführung übertrumpfte sich der Tenor selbst.

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Dass er ein herausragender Gestalter ist, der über enorme, klare Höhen verfügt, ließ er nicht zum ersten Mal hören. Bereits bei seiner Auftrittsarie "Recondita armonia" bewegte er mit seinem herrlichen Timbre. Mit der Strahlkraft eines echten Heldentenors schmetterte er atemberaubend seinen "Vittoria"-Ruf im zweiten Akt.

Wie er dann im finalen Teil mit seinem wundervollen Timbre das "Lucevan le stelle" anstimmte, war unfassbar schön. Minutenlange Ovationen folgten, die gaben ihm genug Zeit, Kraft für ein Dacapo zu sammeln. Als würde er mit sich selbst in Wettstreit treten, geriet ihm die vom Publikum heftig erklatschte Wiederholung der Arie noch intensiver, noch inniger. Sein "Dolci mani" im Duett mit Tosca intonierte er so zart, wie man es selten hört.

© APA/Wiener Staatsoper/Michael Pöhn

Mit Sandra Radvanovsky stand ihm eine exzellente Tosca zur Seite. Ihr warmer, volltönender Sopran lag sicher in den Höhen. Verinnerlicht trug sie das "Vissi d’arte" vor. Ganz organisch agierte sie in Margarete Wallmanns Inszenierung, die auch nach mehr als 600 Vorstellungen seit der Premiere im Jahr 1958 ideal funktioniert, und wandelte sich natürlich von der gefeierten Diva zur eifersüchtigen Geliebten und in eine passionierte Streiterin gegen den Polizeichef Scarpia. In dessen Partie brillierte Thomas Hampson mit seinem ausdrucksstarken Bariton als phänomenaler Singschauspieler. Mit feinstem Mienenspiel und Grandezza gab er diesen Menschenverächter. Fulminant!

Marco Armiliato war den Sängern mehr als ein ausgezeichneter Begleiter am Pult des Wiener Staatsopernorchesters. Feinsinnig arbeitete er Dramatik und Finessen aus der Partitur heraus. Minutenlange stehende Ovationen.