Torflaute bei Rapid & Co. von

Meine Herren, bitte netzen Sie ein!

Die heimische Liga schießt so wenige Tore wie lange nicht mehr. Ein Erklärungsversuch.

Torflaute bei Rapid & Co. - Meine Herren, bitte netzen Sie ein! © Bild: APA/Parigger

Ist der Eindruck, dass in dieser Bundesliga-Saison besonders wenig Tore fallen, berechtigt? Oder ist es nur ein Jammern, wie es die leidgeprüften Fußballfans jedes Frühjahr befällt, wenn sich ihre geliebte Mannschaft beim Toreschießen schwer tut? NEWS.AT hat sich die Statistiken der letzten Jahre angeschaut.

Tatsächlich, nach 27 Spieltagen ist die heimische Bundesliga zum niedrigsten Toreschnitt seit der Saison 1993/94 (2,36 Tore pro Spiel, Einführung der Zehnerliga) unterwegs. Aktuell trafen die Akteure der zehn Vereine 328 Mal ins Netz. Das heißt, dass man als Fan in den Fußballarenen dieses Landes in der obersten Spielklasse im Schnitt 2,42 Tore zu sehen bekommt. Im letzten Spieljahr waren es am Ende noch 2,59 Tore, und diese Saison war schon eine der torärmsten der letzten 19 Jahre.

Miesen Rasen gibt es jedes Jahr
Natürlich ist es auffällig, dass in diesem Frühjahr wenig weitergeht, Fulminante Offensivaktionen versacken in praktisch unbespielbaren Rasenflächen. Die sich noch im Winterschlaf befindlichen Spielstätten müssen seit Anfang März so tun als wären sie ein Stadionrasen. Dabei haben sie bisher noch nicht einmal richtig die Farbe Grün für sich entdeckt. Auf so einer Bühne kann man auch nicht richtig Geigen, da funktioniert höchstens Pflügen. Doch dieses Hindernis für ambitionierte Torjäger muss man jede Saison einplanen und ist keine Erklärung für die laue Torausbeute.

Woran liegt es also? Es fehlt in den Offensivabteilungen der Bundesligaklubs offensichtlich an Feuerkraft. Dass die Defensivstärken in besonderem Maße zugenommen oder die Qualität der Torhüter neue Gipfelhöhen erreicht haben könnten, ist weniger plausibel.

Österreichs Top-Stürmer im Ausland
Es handelt sich wohl mehr um einen Aderlass der heimischen Vereine, die talentierte Offensivtalente in den letzten Jahren ins Ausland ziehen lassen mussten. Blickt man auf die Nationalmannschaft, dann tummeln sich die kreativen Kräfte überwiegend in ausländischen Spielklassen. Die Herren Janko, Arnautovic, Harnik, Hoffer und Co. gehen im Ausland auf Torejagd. Und die beiden besten Torschützen der letzten Saison, Roland Linz und Roman Kienast, nehmen sich aktuell bei der Wiener Austria den Startplatz weg. Vier Spieler stehen momentan an der Spitze der Torschützenliste . Stefan Maierhofer, Jakob Jantscher, Darko Bodul und Patrick Bürger halten allesamt bei mageren neun Toren.

Beton anmischen gegen die Großen
Und es hat natürlich auch damit zu tun, dass die Liga in zwei Gruppen gespalten ist: Die so genannten vier Großen (Salzburg, Rapid, Austria und Sturm), denen die angeblich Kleinen mit Abwehrbollwerken begegnen anstatt fröhlich mitzuspielen und die Offensive zu suchen, tun sich da natürlich schwerer mit dem Toreschießen.
Hoffen wir als Fußballfans, die sich über zahlreiche Tore freuen, dass sich da bald etwas tut und die heurige Saison nur einen einmaligen Tiefpunkt darstellt. Vielleicht gibt es ja bald wieder einen Torreigen wie in der Saison 2008/09, als 588 Tore fielen (Schnitt 3,26). Daran war auch Marc Janko mit 39 Treffern maßgeblich beteiligt.

Torquote seit Einführung der Zehnerliga:

Saison Gesamt Tore pro Spiel
2011/12 437* 2,42
2010/11 467 2,59
2009/10 528 2,93
2008/09 588 3,26
2007/08 480 2,66
2006/07 493 2,74
2005/06 472 2,62
2004/05 478 2,65
2003/04 481 2,67
2002/03 467 2,59
2001/02 485 2,69
2000/01 491 2,73
1999/00 477 2,65
1998/99 444 2,46
1997/98 492 2,73
1996/97 449 2,49
1995/96 477 2,65
1994/95 488 2,71
1993/94 426 2,36

* Prognose bis zum Saisonende. Derzeit hält die Bundesliga nach 27 Spieltagen bei 328 Toren.