Toni Innauer feiert heute 50. Geburtstag:
Legende zelebriert sich nicht gerne selbst

Innauer lässt sich für Zeit nach 2010 noch alles offen Neuauflage von "Der kritische Punkt" ist in Planung

Toni Innauer feiert heute 50. Geburtstag:
Legende zelebriert sich nicht gerne selbst © Bild: APA/Techt

Einer der Großen der heimischen Sportszene feiert heute seinen 50. Geburtstag. Toni Innauer, u.a. Olympiasieger 1980 von der Normalschanze und seit 1993 Nordischer Direktor im ÖSV, ist einer jener Menschen, die auch Jahrzehnte nach dem Ende ihrer Karrieren dem Sport in führender Position treugeblieben sind. So wie als aktiver Skispringer ist Innauer auch als Funktionär im Österreichischen Skiverband in den Bereichen Springen und Nordische Kombination sehr erfolgreich. Sein Vertrag läuft bis zu den Olympischen Spielen 2010 in Vancouver.

Wie er seinen Ehrentag feiern wird? "Ich werde im ÖSV kurz darauf anstoßen und dann den Rest des Tages mein Handy ausschalten und etwas mit meiner Frau unternehmen." Eine größere Feier hat Innauer knapp zwei Wochen später in Thaur, seinem neuen Heimatort seit der Übersiedelung in eine Wohnung im vergangenen November.

"Symbol des 50ers steht für etwas"
Auch wenn der frühere Skiflug-Weltrekordler (176 m) sich nicht gerne selbst zelebriert, die Bedeutung dieses "Runden" ist Innauer bewusst. "Das Symbol des 50ers steht für etwas. Man wird auch immer wieder darauf angesprochen." Beim Planen seines Fests und der Einladungsliste hat er viele Bezugspunkte zur Vergangenheit geknüpft. Seine Zeit im Bregenzer Wald, das Studium, die Zeit danach. "Man verschafft sich einen Überblick und zieht eine Art Bilanz. Wo war ich vor 20 Jahren?"

Neuauflage von "Der kritische Punkt"
Bilanz ziehen kann man auch in schriftlicher Form. Eine erweiterte Neuauflage seines erfolgreichen Buches "Der kritische Punkt" ist in Planung. "Es hat sich viel im Laufe der Jahrzehnte angesammelt." Das beträfe einerseits das Berufsleben, aber auch ein ausgefülltes Familienleben.

Darum ist Innauer für seine Zwischenbilanz nicht nur der Erfolg seiner Sportler auf den Schanzen und Loipen wichtig, sondern auch die Entwicklung seiner Familie. "Es ist doch auch eine ganz wesentliche Aufgabe, dass man lebensfähige Kinder großgezogen hat", spricht Innauer seine Söhne Mario (18), Jakob (20) und seine Tochter Lisa (23) an.

Sohn Mario strebt ähnliche Karriere an
Mario strebt eine ähnliche Karriere wie sein Vater an, erholt sich gerade von einem Muskelfaserriss, Jakob studiert italienisch und tourt derzeit mit einer Hardrock-Band nicht nur in Österreich und Lisa bildet sich als gelernte Einzelhandelskauffrau am WIFI in Richtung Management weiter. Innauers Frau, die frühere Langläuferin Marlene Resch, arbeitet als Vitalcoach bei einer Versicherung und kümmert sich u.a. auch um die Organisation für den "Nebenjob" ihres Mannes. Innauer ist ja seit Jahren auch als Referent in der Wirtschaft ein gefragter Mann.

Innauer lässt sich für Zeit nach 2010 alles offen
Bis 2010 bleibt Innauer dem ÖSV auf jeden Fall erhalten, wie es danach weitergeht, lässt er offen. "Vielleicht mache ich auch weiter, aber ich habe auch die Möglichkeit, einen anderen Zug zu machen." Bis dahin will sich der Sportdirektor neben den üblichen sportlichen Zielen wie Medaillen bei Weltmeisterschaften und bei Olympia auch verstärkt für eine bessere Vermarktung der Kombinierer einsetzen.

Kampf gegen Doping im Sport
Ein "kritischer Punkt", aber bei weitem nicht nur im ÖSV, sondern weltweit, ist im Sport der Anti-Dopingkampf. Die aufsehenerregenden Dopingfälle der jüngeren Vergangenheit und deren rigorose Verfolgung sieht er nur positiv. "Ich sehe es als höchste Zeit an und es ist notwendig, dass die Dinge offen angegangen werden", meint Innauer. Einerseits gehe es im Sport um große Summen, aber auch um das Grund-Ethos. "Der Sport ist ein wichtiger gesellschaftlicher Bereich, der wie die Wirtschaft, die Politik oder auch die Religion für die Einhaltung gewisser Regeln stehen muss." Da könne nicht ein weniger talentierter Sportler dieses Manko mit Doping ausgleichen.

Kurze, unvergessene Karriere
Der am 1. April 1958 geborene Innauer erlebte am Berg in Bezau eine von Natur und Tourismus geprägte Kindheit. Seine internationale Karriere als Skispringer begann schon mit 15, als er seinen ersten Auftritt bei der Vierschanzentournee absolvierte. Knapp sieben Jahre später war seine aktive Laufbahn wieder beendet, in der er u.a. Olympiasieger (1980 von der Normalschanze in Lake Placid), Olympia-Zweiter (1976) und zweifacher Weltrekordler (174 und 176 m) geworden war. Innauers Sprungstil stand für Ästhetik pur, für viele unvergessen ist nach wie vor sein 176 m-Flug in Oberstdorf.

Erfolgreiche Trainerjahre
Dabei gibt er zu, dass er es auch gerne einmal im V-Stil probiert hätte, dazu kam es aber nicht mehr. Nach Trainertätigkeiten im Nachwuchsbereich übernahm Innauer 1989 das österreichische Nationalteam. Drei Jahre später hörte er am Zenit auf, nachdem seine Mannschaft bei den Olympischen Spielen in Albertville fünf von sieben möglichen Medaillen gewonnen hatte.

Seit 1993 Nordischer Direktor
1993 wurde er zum Nordischen Direktor ernannt, 1999 gab er als Direktor die Sparten Langlauf und Biathlon ab und kümmert sich seither ausschließlich um Skispringen und Kombination. Nach dem Unfall-Tod seines Cheftrainers und Freundes Alois Lipburger übernahm der Vorarlberger die Mannschaft im Februar 2001 erneut für knapp 14 Monate als Trainer.

Privat ist Innauer ein tiefgründiger, sensibler Mensch. Psychologische Literatur und medienkritische Bücher bevorzugt er, außerdem liebt er u.a. die Musik des deutschen Liedermachers Reinhard Mey. "Ich spiele einige seiner Lieder auf der Gitarre und singe dazu. Das tut mir wirklich gut", meinte Innauer einmal.

(apa/red)