Extremismus von

Jihadisten-Chef al-Baghdadi lebt

IS veröffentlicht Aufnahme, die Drohungen gegen den Westen enthält

Abu Bakr al-Baghdadi © Bild: APA/EPA/ISLAMIC STATE VIDEO / HANDOUT

Martialische Drohungen gegen den Westen und Zuspruch für die eigenen Gefolgsleute: Nach tagelangem Rätselraten über das Schicksal des von manchen totgeglaubten Jihadistenführers Abu Bakr al-Baghdadi hat dessen Miliz "Islamischer Staat" (IS) am Donnerstag eine Tonaufnahme veröffentlicht, in welcher der IS-Chef zu hören sein soll.

Sollte die Stimme wirklich zu ihm gehören, dürfte al-Baghdadi noch am Leben sein - aktuelle Bezüge legen das zumindest nahe. Zwar nimmt der Sprecher in der 17-minütigen Tonaufnahme keinen direkten Bezug auf den Luftangriff der US-geführten Militärkoalition vom 7. November, nach dem die Gerüchte über al-Baghdadis möglichen Tod aufgekommen waren. Er erwähnt aber Geschehnisse, die sich seitdem ereignet haben. Die Authentizität der Tonaufnahme ließ sich zunächst nicht unabhängig bestätigen.

Spekulationen über al-Baghdadis Tod

Das US-Militärkommando hatte am vergangenen Wochenende mitgeteilt, bei Luftangriffen nahe der irakischen Stadt Mossul sei ein Konvoi aus zehn gepanzerten Fahrzeugen zerstört worden. Der Angriff habe sich gegen ein "Treffen von IS-Anführern" gerichtet. Im Internet und in den Medien war daraufhin über die mögliche Tötung al-Baghdadis spekuliert worden. Sowohl Washington als auch irakische Geheimdienstvertreter betonten aber, dass es keine gesicherten Erkenntnisse über das Schicksal des IS-Anführers gebe.

Die Tötung des selbsternannten Kalifen wäre ein wichtiger Erfolg im Kampf gegen die Jihadisten. Washington hat zehn Millionen Dollar (acht Millionen Euro) für die Festnahme des Mannes ausgesetzt, der inzwischen als mächtiger eingeschätzt wird als der Chef des Terrornetzwerks Al-Kaida, Aiman al-Sawahiri.

IS-Anführer kündigt weiteren Vormarsch an

In der nun veröffentlichten Tonaufnahme kündigte der Sprecher weitere Eroberungszüge der IS-Miliz an. "Sie wird ihren Vormarsch nicht stoppen und ihn mit Allahs Segen weiter ausdehnen", heißt es darin - "bis sie Rom erreichen". An Andersgläubige ergeht die Drohung, ihre Nationen in einen blutigen Bodenkrieg zu verwickeln: "Bald werden Juden und Kreuzzügler dazu gezwungen sein, sich auf den Boden zu begeben und ihre Infanterie in den Tod und in die Zerstörung zu schicken."

Die IS-Kämpfer hatten in den vergangenen Monaten mehrere Regionen im Irak und in Syrien erobert, woraufhin sich eine internationale Militärallianz zusammentat. Die US-geführte Koalition fliegt seit Wochen in beiden Ländern Luftangriffe auf die Jihadisten, konnte sie bisher aber nicht entscheidend zurückdrängen - wofür Militärexperten vor allem fehlende Kampfunterstützung am Boden verantwortlich machen.

Bereits im Herbst 2005 nahm die US-Armee an, al-Baghdadi bei einem Angriff im irakisch-syrischen Grenzgebiet getötet zu haben - ein Irrtum, wie sich später herausstellte. 2010 übernahm er dann die Führung des damals noch "Islamischer Staat im Irak" genannten IS-Vorläufers, nachdem seine beiden Vorgänger getötet worden waren. Unter seinen Gefolgsleuten hat sich al-Baghdadi seither als Kommandant und Taktiker großes Ansehen verschafft.

IS finanziert sich durch Lösegelder

Experten zufolge finanziert sich die Miliz bisher vor allem durch Lösegelder für Entführungsopfer sowie durch Plünderungen und die Ausbeutung von Ölfeldern in den von ihr besetzten Gebieten. Darüber hinaus plant der IS nun offenbar auch die Ausgabe einer eigenen Währung: Münzen aus Gold, Silber und Kupfer sollten "das tyrannische Währungssystem" ablösen, "das den Muslimen aufgezwungen wurde und zu ihrer Unterdrückung geführt hat", hieß es in einer Mitteilung der Jihadistenorganisation vom Donnerstag.

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