Tomislav Nikolics "wundersame Wandlung":
Neues Image für Präsidentschaftskandidaten

Nikolic in Wortwahl kaum mehr wiederzuerkennen Kandidat will das nationalistische Eck verlassen

Tomislav Nikolics "wundersame Wandlung":
Neues Image für Präsidentschaftskandidaten © Bild: AP/Ilic

Er wirkt ruhig und gelassen, wie immer. Aber in seinem Verhalten, seiner Wortwahl ist er kaum wiederzuerkennen. Tomislav Nikolic, Chef der nationalistischen Serbischen Radikalen Partei (SRS), hat in den vergangenen Wochen eine "wundersame Wandlung" durchgemacht. Der 55-Jährige präsentiert sich im Wahlkampf für die serbische Präsidentschaftswahl in einem völlig anderen Licht als bisher.

Kein Wort mehr über "Großserbien", keine hetzerischen Reden, nichts ist mehr von der extrem nationalistischen Rhetorik, die seine Partei großteils auszeichnet, zu hören. Hingegen ruft Nikolic zu Toleranz auf. Einige Tage vor der Wahl tritt er plötzlich auch für den raschen EU-Beitritt Serbiens ein. Frühere Aussagen, wonach Serbien eine Provinz Russlands werden solle, widerruft er. Dies sei "nur ein Scherz" gewesen.

Kampf um den Kosovo
Vor einigen Monaten noch schloss Nikolic einen Krieg im Kosovo nicht aus. Er selbst werde, wenn nötig, mit der Waffe voran marschieren. Davon ist keine Rede mehr. Neue Kriege kämen für Serbien nicht infrage, betonte er im Wahlkampf mehrmals. Er werde aber mit allen nicht-kriegerischen Mitteln für den Verbleib des Kosovo innerhalb Serbiens kämpfen. Hier unterscheidet sich Nikolic weder von seinem Hauptrivalen, Amtsinhaber Boris Tadic, noch anderen wichtigen Politikern Serbiens.

Neuer Verhaltens-Codex Nikolics
Hinter dieser Image-Änderung soll die US-Firma Quinn Gillespie & Associates stehen. Das in Washington ob ihrer guten politischen Kontakte bekannte Unternehmen (der Ex-Parteichef der Republikaner, Ed Gillespie, ist Top-Berater von US-Präsident George W. Bush) soll Nikolic einen neuen Verhaltens-Codex verschrieben haben, berichtete die Belgrader Zeitung "Blic". Sowohl Quinn Gillespie & Associates als auch die SRS dementierten.

Sachlich und "weicher"
Doch tatsächlich ist Nikolic in vielen Punkten "weicher", sein Verhalten unterscheidet sich extrem von bisherigen politischen Auftritten und Wahlkämpfen. Er argumentiert fast immer sachlich, und sogar seinen hoch geschätzten Parteichef Vojislav Seselj, der sich vor dem UNO-Kriegsverbrechertribunal zu verantworten hat, erwähnt er im Wahlkampf kaum.

Raus aus dem nationalistischen Eck
Nikolic ist offensichtlich bemüht, aus dem nationalistischen Eck zu kommen - wohl wissend, dass er mit seiner bisherigen Politik und Rhetorik den amtierenden Präsidenten Tadic in der Stichwahl am 3. Februar nicht besiegen kann.

(apa/red)