Tollpatschiges Debüt von Tormann Özcan:
"Am liebsten würde man sich eingraben"

Missglückte Faustabwehr führte zu Italiens Ausgleich Bewahrte Team später aber vor mehr Gegentoren

Tollpatschiges Debüt von Tormann Özcan:
"Am liebsten würde man sich eingraben" © Bild: APA/Jäger

Sein Debüt in der österreichischen Nationalmannschaft hätte sich Ramazan Özcan sicher anders vorgestellt. Mit einer völlig missglückten Faustabwehr, die im eigenen Tor landete, verursachte der Goalie im Testspiel in Nizza den italienischen Treffer zum 2:2-Endstand. Dass er danach mit einigen Paraden noch das Unentschieden gegen den regierenden Weltmeister rettete, war für den Hoffenheim-Schlussmann nur ein schwacher Trost.

"In so einem Moment würde man sich am liebsten in der Erde eingraben", sagte Özcan, dem seine Kollegen nach dem Patzer Mut zusprachen. "Es hat keine Vorwürfe gegeben, ganz im Gegenteil. Die Spieler haben zu mir gesagt, ich soll den Kopf hochhalten", erzählte der türkischstämmige Vorarlberger. "Wir gewinnen und verlieren gemeinsam. Das macht die Sache einfacher."

"Stark sein, an sich glauben"
Der 24-Jährige, der aufgrund einer Verhärtung der Rückenmuskulatur von Alexander Manninger zur Pause eingewechselt worden war, befand sich nach seinem Fauxpas in psychologischer Hinsicht in einer schwierigen Lage. "In dieser Situation muss man mental stark sein und weiter an sich glauben. So einen Fehler muss man wegstecken", erklärte Özcan, gab aber auch zu: "Sich da zu konzentrieren, ist nicht einfach, denn wenn der nächste Ball wieder reingeht, ist man endgültig der Idiot."

Trotz der widrigen Umstände gelang es dem Deutschland-Legionär aber, sofort wieder ins Spiel zurückzufinden. Und wenn das ÖFB-Team auch durch sein Verschulden den Ausgleich kassierte, so hatten es Andreas Ivanschitz und Co. ihrem Keeper bei einem Kopfball von Nicola Legrottaglie und einem gefährlichen Freistoß von Daniele de Rossi zu verdanken, dass am Ende der Achtungserfolg gegen die "Squadra Azzurra" herausschaute. "Aber dieses Gegentor stellt meine Leistung trotzdem in den Schatten", betonte Özcan.

Özcan kann mit Fehler leben
Dabei war in den vergangenen Monaten alles optimal für den ÖFB-Keeper verlaufen. Als Nummer zwei in Salzburg wechselte er im Winter zum damaligen deutschen Zweitligisten 1899 Hoffenheim, wo er sich auf Anhieb das Stammleiberl sicherte und danach den Aufstieg schaffte. Durch die Erkrankung von Helge Payer und die Verletzung von Christian Gratzei stand Özcan dann sogar im EURO-Kader.

Angesichts dieser Erlebnisse relativierte sich der Ärger über seinen Aussetzer gegen Italien. "Ich habe bisher ein perfektes Jahr 2008 gehabt. Da kann ich mit diesem Fehler leben", erklärte Özcan.

(apa/red)