Tötung von Zivilisten: Iraks Premier
hat keine Geduld mehr mit US-Truppen

"Entschuldigungen sind nur begrenzt akzeptabel" PLUS: Neue Tötungsvorwürfe gegen US-Soldaten

Dem irakischen Ministerpräsidenten Nuri al-Maliki geht die Geduld mit den US-Truppen und deren Erklärungen für die Tötung zahlreicher Zivilisten aus. Unter Hinweis auf das mutmaßliche Massaker in der nordirakischen Stadt Haditha im November sprach er in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters von einer Besorgnis erregenden Zunahme so genannter Fehler, auf die sich die US-Soldaten bei den Vorfällen beriefen. Jüngste US-Ermittlungen zu dem Vorfall belasten die US-Armee einem Zeitungsbericht vom Mittwoch zufolge schwer und kommen zu dem Schluss, dass die Soldaten dort bis zu 24 Zivilisten willkürlich erschossen haben.

"Entschuldigungen sind nur begrenzt akzeptabel", sagte Maliki in dem Interview. "Wir sind besorgt über die Zunahme an 'Fehlern'. Ich sage nicht, dass sie beabsichtigt sind. Aber sie sind Besorgnis erregend." Maliki will nun Antworten über die Vorfälle in Haditha einfordern. "Wir werden um Antworten nicht nur auf die Haditha-Frage bitten, sondern für jeden Einsatz, bei dem es zu einer fehlerhaften Tötung kam, und wir werden diejenigen, die dies getan haben, zur Verantwortung ziehen."

Augenzeugen zufolge haben US-Soldaten in Haditha bis zu 24 Zivilisten kaltblütig erschossen, nachdem ihr Konvoi zuvor von Rebellen angegriffen und einer ihrer Kameraden getötet worden war. Die US-Armee versuchte ihr Vorgehen zunächst offenbar zu vertuschen und erklärte, die Zivilisten seien bei einem Bombenschlag ums Leben gekommen. Der Vorfall wird in den USA inzwischen mit dem Verbrechen in My Lai in Vietnam 1968 verglichen. Auch damals hatten Soldaten unter Zivilisten eines Ortes ein Massaker angerichtet, der als Widerstandsnest galt.

Neue Vorwürfe
US-Soldaten sehen sich unterdessen mit neuen Vorwürfen konfrontiert, im Irak unschuldige Zivilisten getötet zu haben. Die irakische Armee, Polizisten und Augenzeugen beschuldigten die US-Truppen am Mittwoch, sie hätten am 4. Mai in der Stadt Samarra im Norden des Landes zwei Frauen und einen geistig behinderten Mann erschossen.

"Sie waren nicht bewaffnet und es waren keine Kämpfer in dem Haus", sagte ein hochrangiger Polizeioffizier, der anonym bleiben wollte. Ein Augenzeuge bestätigte die Vorwürfe. Seine 60 Jahre alte Ehefrau, sein behinderter 40-jähriger Sohn und seine 20 Jahre alte Tochter seien getötet worden.

Ein Sprecher der betroffenen US-Division wies die Vorwürfe zurück. Die Soldaten hätten zwei unbekannte Männer und eine Frau getötet, die Anschläge auf die Truppen geplant hätten. Die Opfer seien bei einem Feuergefecht in einem Haus ums Leben gekommen.

(apa)