Tödliches Virus in Mexiko ausgebrochen:
Schweinegrippe forderte bisher 60 Tote

Schulen und Unis bleiben vorerst geschlossen Bisher sind rund 800 Menschen an Virus erkrankt

Tödliches Virus in Mexiko ausgebrochen:
Schweinegrippe forderte bisher 60 Tote © Bild: APA/DPA/Hirschberger

In Mexiko sind innerhalb weniger Wochen mindestens 60 Menschen an der seltenen Schweinegrippe (Schweineinfluenza) gestorben. Insgesamt wurden etwa 800 Erkrankungen bei Menschen festgestellt, wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Genf mitteilte. Die Erreger breiteten sich bis in den Südwesten der USA aus, wo sich die Gesundheitsbehörden "äußerst besorgt" zeigten.

Angesichts der Gefahr einer verheerenden Epidemie haben die Behörden Mexikos eine große Impfkampagne eingeleitet. Die Stadtverwaltung von Mexiko-Stadt will damit die Einwohner vor der grassierenden Schweinegrippe schützen, an der offenbar mindestens 45 Mexikaner gestorben sind. Einzelne Meldungen sprachen von 16, andere von 60 Todesfällen. In Europa - und somit auch in Österreich - gibt es keine Infektionen. In den USA wurde Präsident Barack Obama informiert, da auch in Kalifornien und Texas einige wenige Infektionen bekanntgeworden waren.

Bei den Zahlen gab es große Schwankungen: Während die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Genf von 60 Todesfällen in Mexiko innerhalb weniger Wochen ausging, bestätigten die mexikanischen Behörden "45 verdächtige Todesfälle". Die Zahl der Erkrankten wurde von der WHO mit rund 800, in Mexiko mit 943 angegeben.

Infektionskette vom Schwein zum Menschen
Ein Wiener Experte erklärte gegenüber der APA: "Es gab eine Nachricht des Europäischen Zentrums für Krankheitskontrolle (ECDC) in Stockholm. Es sind 57 Todesopfer bestätigt. Es gab eine Infektionskette von Schwein zum Menschen und von Mensch zu Mensch. Es dürfte zu einem Shift (genetische Veränderung, Anm.) bei dem Virus gekommen sein. Es gibt aber keine Anzeichen für eine mögliche Pandemie."

In den USA hat das Zentrum für Krankheitskontrolle (CDC) schon vor Tagen Infektionen beim Menschen in Bundesstaaten Kalifornien und Texas registriert. "Man muss aufpassen, wie sich das weiter entwickelt. In Europa gab es keine Erkrankungsfälle und somit auch keine in Österreich", sagte jedenfalls der Wiener der Fachmann. Die Zusammenarbeit zwischen den Veterinärmedizinern und den Humanmedizinern in Mexiko funktioniert laut den Informationen gut. Möglicherweise wurden die ersten Fälle beim Menschen zu spät erkannt.

Flächendeckende Impfkampagne
Die meisten Todesfälle wurden aus dem Ballungszentrum Mexiko-Stadt gemeldet. Dort soll deshalb vordringlich möglichst flächendeckend gegen die Influenza geimpft werden. Die Behörden erläuterten, es handle sich um den gewöhnlichen Influenza-Impfstoff. Die meisten Erkrankungen wurden bei jungen Erwachsenen festgestellt, die keine auffällige Krankheitsgeschichte zeigten. Aus Angst vor einer weiteren Verbreitung der tödlichen Krankheit wurden in Mexiko-Stadt und in Zentralmexiko alle Schulen geschlossen.

Mexikos Gesundheitsminister José Angel Córdova rief die Bevölkerung in einer Fernsehansprache auf, vorsichtig zu sein. So sollten lange Warteschlangen und die U-Bahnen gemieden werden. Auch sollte aufs
Händeschütteln oder Küssen zur Begrüßung verzichtet werden.

Die Weltgesundheitsorganisation sprach von einem möglichen "neuen Subtyp" des bekannten Schweineinfluenza-Erregers A/H1N1. In den USA waren Ausbrüche der Schweine-Influenza in den Jahren 1976, 1986 und 1988 registriert worden. Nun wurden im Bundesstaat Kalifornien fünf Erkrankungen
festgestellt, in Texas zwei weitere. Ein Sprecher des Instituts für Gesundheitsvorsorge in Washington zeigte sich "sehr besorgt". Die Zentren zur Verhinderung von Epidemien (CDC) in den USA konnten bereits nachweisen, dass der aktuelle Erreger vom Menschen auf den Menschen übertragbar ist.
(apa/red)