Tod von Zarqawi sorgt für Angst in Bagdad: Irak befürchtet neue verheerende Anschläge

Taliban setzt Krieg fort: "Jeder kann Zarqawi werden" 59 % der US-Bürger sehen Irak-Krieg als Fehler<br>Plus: <b>Bilder</b> vom Angriff und der Leiche veröffentlicht

Tod von Zarqawi sorgt für Angst in Bagdad: Irak befürchtet neue verheerende Anschläge

Aus Furcht vor Vergeltungsschlägen nach dem Tod des Terroristenführers Abu Musab al-Zarqawi hat die irakische Regierung am Freitag ein Fahrverbot erlassen. Um Anschläge mit Autobomben zu verhindern, durften in der Hauptstadt Bagdad und in der Provinz Diyala jeweils für mehrere Stunden keine Kraftfahrzeuge benutzt werden. Sowohl die Regierung in Bagdad als auch die US-Streitkräfte vermuten, dass das Blutvergießen im Irak auch nach dem Tod Zarqawis weitergehen wird.

Zarqawi, der 39-jährige Anführer der Al-Kaida im Irak, war bei einem US-Angriff in der Nähe von Baquba in der Provinz Diyala getötet worden. Seine Organisation kündigte eine Fortsetzung des "Heiligen Kriegs" an. Der Taliban-Führer Mullah Mohammed Omar bedauerte den Tod Zarqawis. Der Widerstand im Irak werde dadurch jedoch nicht geschwächt, denn es handle sich um einen Widerstand des Volkes, und jeder Jugendliche könne zu Zarqawi werden.

Hanif bezeichnet sich als Sprecher der Taliban. Die Authentizität des E-Mails, das angeblich von Omar stammt, konnte nicht überprüft werden. "Ich möchte den Muslimen in der Welt versichern, dass wir unseren Kampf gegen die Kreuzfahrer in Afghanistan nicht einstellen werden", erklärte der Autor des Mails. Omar wird im Süden Afghanistans oder im Gebiet der afghanisch-pakistanischen Grenze vermutet.

Neue Leichenfunde und Verschleppungen
Bei einem Feuergefecht in Ghalibiya westlich von Baquba wurden nach Angaben eines Arztes fünf Zivilpersonen getötet und drei weitere verletzt. Die irakische Polizei fand in Al-Habibiya östlich von Bagdad die Leichen von 20 Zivilisten. Sie lagen in der Nähe einer Moschee. In einem Fluss in der Nähe von Kut wurde unterdessen die Leiche eines Mannes entdeckt, der mit einer Uniform bekleidet war.

In Bagdad wurde ein hochrangiger Mitarbeiter des irakischen Ölministeriums auf offener Straße verschleppt. Wie die Polizei mitteilte, war der für Ölprojekte zuständige Generaldirektor am Vortag in seinem Wagen in dem sunnitischen Bezirk Adhamiya unterwegs, als Bewaffnete das Auto stoppten. Sie zerrten ihr Opfer aus dem Wagen, ließen aber den Fahrer laufen.

59 % der US-Bürger sehen Irak-Krieg als Fehler
Einer Umfrage der Nachrichtenagentur AP zufolge sehen inzwischen 59 Prozent der US-Bürger den Irak-Krieg als Fehler an. Im Dezember 2004 waren 34 Prozent dieser Meinung gewesen. Nur jeder Dritte zeigte sich mit der Irak-Politik von US-Präsident George W. Bush zufrieden. Bushs Amtsführung allgemein stieß bei 35 Prozent der Befragten auf Zustimmung.

Zu den Berichten über Massaker von US-Soldaten im Irak erklärten fast zwei Drittel (63 Prozent), solche Gräueltaten seien vermutlich Einzelfälle. 61 Prozent sind der Meinung, die Streitkräfte täten alles in ihrer Macht stehende, um irakische Zivilpersonen zu schützen.

Empfänger von Zarqawi-Kopfgeld steht noch nicht fest
Nach der Tötung von al-Zarqawi steht noch nicht fest, wer die 25 Millionen Dollar (19,7 Mio. Euro) Kopfgeld erhalten könnte. "Ich habe viele Berichte gesehen, nach denen entweder ein Einzelner oder eine Gruppe aus Jordanien oder vielleicht ein Nachbar Informationen gegeben haben, die zu dem erfolgreichen Schlag führten", sagte der Sprecher des US-Außenministeriums, Sean McCormack. "Ich kann diese Berichte nicht bestätigen." Er habe derzeit auch keine Informationen, die den "Prozess" der Auszahlung des Kopfgelds einleiten könnten, fügte er hinzu.

Die USA haben auf Zarqawi sowie auf den weltweit meistgesuchten Terroristen und Al-Kaida-Chef Osama Bin Laden jeweils 25 Millionen Dollar ausgesetzt. Auch für die Festnahme oder Tötung anderer Al-Kaida-Führer winken hohe Belohnungen.

Bisher hat das US-Außenamt nach eigenen Angaben rund 62 Millionen Dollar Belohnung an Informanten und andere Helfer gezahlt. Zarqawi, der Al-Kaida-Anführer im Irak, war am Mittwoch bei einem gezielten Luftangriff nahe der Stadt Baquba (Bakuba) getötet worden. (apa/red)