Tod von Luca wird immer mysteriöser:
Wussten die Behörden von Misshandlungen?

Fotos von Verletzungen Kinderschutzgruppen gezeigt Staatsanwalt: "Es wird in alle Richtungen ermittelt"

Tod von Luca wird immer mysteriöser:
Wussten die Behörden von Misshandlungen?

Die Behörden sollen laut dem Bericht einer österreichischen Tageszeitung über die Misshandlungen des kleinen Luca informiert gewesen sein. Der Bub wurde unter anderem in Mödling behandelt, wo Fotos von seinen Verletzungen aufgenommen wurden. Diese Bilder haben die Behörden gekannt, sagte ein Sprecher der NÖ Landesklinikenholding: "Die Fotos wurden den Kinderschutzgruppen in Mödling und in Schwaz gezeigt. Die Kinderschutzgruppen sind das Bindeglied zwischen Krankenhaus und Jugendwohlfahrt."

Schwere Vorwürfe im Fall des vermutlich tödlich misshandelten Luca erhebt der Anwalt des Kindsvaters, Georg Zanger. Die Verletzungen, die auf den aufgetauchten Fotos zu sehen seien, zeigten "offenbar systematische Misshandlungen", so der Jurist in einer schriftlichen Stellungnahme. Indes hat die Tiroler Jugendwohlfahrt den betreffenden Akt der Innsbrucker Staatsanwaltschaft mit der Bitte um "strafrechtliche Beurteilung" übergeben.

Die Verletzungen, die am Körper des 17 Monate alten Luca auf den Fotos dokumentiert sind, seien "unfassbar", so Zanger. "Noch unverständlicher ist es aber, dass trotz der ausdrücklichen Forderung des Krankenhauses, den kleinen Buben der Kindesmutter nicht auszufolgen, Luca nach Überstellung an die Klinik in Innsbruck der Mutter übergeben wurde", kritisierte der Jurist. Noch dazu habe der Vater von Luca bei seinen Interventionen am Jugendamt in Innsbruck darauf hingewiesen, dass die Frau schon früher gegenüber seinen älteren Kindern tätlich geworden sei, wie Zanger der APA schilderte. Diese seien nun im Hauptschulalter und entstammten einer anderen Beziehung.

Für den Anwalt ist es unverständlich, dass das zweite, ältere Kind der Frau nach den Vorfällen nun gemeinsam im Haushalt der Großmutter lebe. "Es ist unvorstellbar, dass die Kindesmutter von den zahlreichen Verletzungen keine Kenntnis hatte, und die Wahrscheinlichkeit ist sehr hoch, dass die Mutter aktiv an den Misshandlungen beteiligt war", meint er.

Vater schließt sich als Privatkläger an
Sein Mandant habe sich dem Strafverfahren gegen die Kindesmutter und deren Lebensgefährten in Korneuburg als Privatbeteiligter angeschlossen. Dort werde auch zu prüfen sein, wieso die Frau weiter auf freiem Fuß sei und an der Obsorge ihres zweiten Kindes nicht gehindert werde. Darüber hinaus hat der Kindesvater Anzeige gegen unbekannte Täter bei der Staatsanwaltschaft Wien eingereicht, so dass das Verhalten des Verantwortlichen der Jugendämter in Mödling und in Innsbruck sowie der befassten Psychologen auch eine strafrechtlichen Überprüfung unterzogen werden kann.

Behörde nicht grundsätzlich verpflichtet
Wird ein Kind misshandelt, ist die Behörde nicht grundsätzlich dazu verpflichtet, das Kind aus der Familie zu nehmen, erklärte Martina Staffl, Leiterin der Abteilung Jugendwohlfahrt im Gesundheitsministerium. Es gebe keine gesetzliche "Wenn-Dann-Verpflichtung", ein Kind aus seinem familiären Umfeld zu entfernen. Wenn es eine Mitteilung gibt, dass ein Kind misshandelt wird, müsse die Behörde dem Vorwurf aber "ohne schuldhafte Verzögerung" nachgehen. Bei einem "massiven Verdacht" bedeute dies, noch am selben Tag Gespräche mit Menschen aus dem Umfeld des Kindes zu führen.

Die Jugendwohlfahrt hatte nicht zuletzt aufgrund der medialen Berichterstattung - das entsprechende Schreiben an die Staatsanwaltschaft übermittelt. Die Behörde sei um "maximale Transparenz und Aufklärung" im Fall Luca bemüht, betonte der Vorstand der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit im Amt der Tiroler Landesregierung, Thomas Schönherr.

Staatsanwalt ermittelt in alle Richtungen
"Es wird in alle Richtungen ermittelt", erklärte der Leitende Oberstaatsanwalt in Innsbruck, Eckart Rainer, der APA. Bereits von der Polizei befragt wurde der leibliche Vater von Luca. Folgen soll noch die Einvernahme der zuständigen Ärzte. Außerdem wird die Krankengeschichte des Buben eingeholt. Dann könne man entscheiden, ob ein Versäumnis der Jugendwohlfahrt vorgelegen habe oder nicht. Die Überprüfungen sollen in zwei bis drei Wochen abgeschlossen sein.

Der leitende Innsbrucker Staatsanwalt Rudolf Koll hatte zunächst von einer "Selbstanzeige" der Jugendwohlfahrt gesprochen. "Dieser Ausdruck ist falsch", stellte Rainer klar.

Kdolsky fordert Gesetzesnovelle
Der Fall Luca wird sich laut Familienministerin Andrea Kdolsky auf geplante Änderungen im Jugendwohlfahrtsgesetz auswirken. Anlässlich dieses "sehr tragischen" Ereignisses, das ernst genommen werden müsse, werde es im ersten Halbjahr 2008 eine große Novelle geben, sagte die Politikerin am Rande des Gesundheitsausschusses im Parlament.

(apa/red)