Tod Johannes Paul II. jährt sich zum 3. Mal: Für viele ist damaliger Papst bereits Heiliger

Kirchenoberhaupt bestritt zweitlängstes Pontifikat Ära verlieh Kirche neues Ansehen und Weltgeltung

Tod Johannes Paul II. jährt sich zum 3. Mal: Für viele ist damaliger Papst bereits Heiliger © Bild: EPA/Monteforte

Für viele ist er bereits jetzt ein Heiliger. Schon bei der Totenmesse für Johannes Paul II. forderten Sprechchöre und Transparente "Santo subito!" (Sofort heilig!). Auf einer breiten Woge der Sympathie setzte Benedikt XVI. für den "geliebten Vorgänger" sämtliche Wartefristen außer Kraft und ordnete die sofortige Einleitung eines Seligsprechungsverfahrens an. Heute jährt sich zum dritten Mal sein Todestag.

Allerdings nimmt ein solcher Prozess, bei dem 26 Jahre des Pontifikats dokumentiert werden müssen, doch einige Zeit in Anspruch. Die Hoffnung aus der polnischen Heimat, die feierliche Seligsprechung am heurigen 16. Oktober - zum 30. Jahrestag der Papstwahl - hat somit wenig für sich.

Dritter Todstag
Heute jährt sich zum dritten Mal der Todestag Johannes Pauls II. Mit einer großen Messe auf dem Petersplatz erinnert dann Benedikt XVI. an die letzten Stunden seines Vorgängers. Tagelang bangte die Welt Ende März 2005 um das Leben des Papstes. Jeden Abend beteten Zigtausende auf dem Petersplatz für Johannes Paul II. Nach langer Parkinson-Krankheit und kurzem Todeskampf starb Karol Wojtyla am 2. April um 21.37 Uhr im Alter von 84 Jahren - während einer Messe, die sein Sekretär Stanislaw Dziwisz (der heutige Krakauer Erzbischof und Kardinal) am Krankenbett zelebrierte.

Zweitlängstes Pontifikat
Mit dem Tod Johannes Pauls II. endete das zweitlängste Pontifikat der Kirchengeschichte, eine Ära, in der die Kirche neues Ansehen und neue Weltgeltung gewann. Nicht nur die Katholiken trauerten um den Petrus-Nachfolger, der maßgeblich zum Sturz des Kommunismus beigetragen, den ökumenischen und den interreligiösen Dialog forciert und sich mit moralischer Autorität für Versöhnung, Frieden und Gerechtigkeit in der Welt eingesetzt hatte. Vier Millionen Menschen zogen an seinem Katafalk im Petersdom vorbei.

Vereinende Kraft
Bei der Totenmesse versammelten sich alle Großen der Welt, der US-Präsident saß vor dem iranischen, der israelische neben Politikern aus Syrien und dem Irak. Der damalige Kardinal-Dekan Joseph Ratzinger sprach vielen aus dem Herzen, als er in einer bewegenden Predigt vom "geliebten Papst" sprach, der "jetzt am Fenster des Hauses des Vaters steht, uns sieht und uns segnet".

Seligsprechungsprozess
Trotz der Fülle des Materials lief der wenig später begonnene Seligsprechungsprozess zügig an. Nach nur zwei Jahren wurde der Prozess auf Diözesanebene in Rom und in Krakau abgeschlossen. Die mehr als 2.000 Seiten umfassende "Positio" des "Postulators" Monsignore Slawomir Oder wird demnächst der vatikanischen Heiligsprechungskongregation übergeben; das Volumen der Dokumente dürfte sich dabei vervielfachen.

Wunder-Nachweis vorhanden
"Das lässt sich nicht in einem halben Jahr bewältigen", hört man aus der Heiligsprechungskongregation. Denn das Verfahren solle so korrekt wie für jeden anderen geführt werden. Allerdings: Es soll bereits ein Wunder-Nachweis vorliegen, die unerklärliche Heilung einer an Parkinson leidenden französischen Ordensfrau. In dem ebenfalls aktiven Pontifikat von Benedikt XVI. schwand zuletzt der Rückbezug auf die Amtszeit des Vorgängers. Dennoch ist die Verehrung für Johannes Paul II. nicht nur bei polnischen Pilgern ungebrochen. Der Menschenstrom zu seinem Erdgrab mit der schlichten Marmorplatte in den Grotten von St. Peter reißt nicht ab. (apa/red)