Talk von

Tobias Moretti im Interview

Austro-Star spielt in neuem ORF-Ländle-Krimi "Alles Fleisch ist Gras" mit

Moretti © Bild: APA/Techt

In der Reihe der neuen Landkrimis wird Vorarlberg am 27. Dezember im ORF-Hauptabendprogramm zu einem Ort des Serienmordens. Grundlage der von Reinhold Bilgeri umgesetzten Episode "Alles Fleisch ist Gras" ist der gleichnamige Roman des Vorarlberger Autors Christian Mähr. Mit dabei ist auch Tobias Moretti, der im NEWS-Interview über den Landeskrimi plauderte.

NEWS: Was hat Sie an der Figur des Kommissars Nathan Weiss in „Alles Fleisch ist Gras“ interessiert?
Tobias Moretti: Ich habe den Roman gelesen, und es hat mich einfach gepackt. Nathan ist ein in seiner Mentalität verhafteter Mensch, der in dieser alemannischen Struktur seines Wesens völlig schräg und abgehoben ist, Dinge macht, die niemand versteht. Er seziert mit seinem Sinn für Gerechtigkeit Menschen mathematisch genau, überführt und mordet sie schlussendlich.

NEWS: Gerichtspsychiater sagen, dass in jedem von uns Anteile des Bösen stecken. Sehen Sie das auch so?
Moretti: Da brauch ich nicht einmal einen Gerichtspsychiater. Dass wird Ihnen jeder sagen, der links und rechts schaut, schon einiges erlebt hat. Das weiß man einfach – Sie von sich, und ich von mir.

NEWS: Bleibt aber dennoch die Frage, ob man diese Grenze dann überschreitet oder nicht.
Moretti: Ja, aber letztendlich sind die Figuren in diesem Film Spiegelbilder von uns allen. Es gibt kleinbürgerliche Schicksale, die in das schlimmste Gefängnis kommen das es überhaupt gibt: Genau zu wissen, was man tut und was man nicht tut, das Leben in einer linearen Form zu vollziehen und letztendlich in Langeweile zu ersticken, wenn man nicht irgendeinen großen Auftrag sieht – oder man durchbricht das dann durch so einen Grenzgang wie meine Figur in „Alles Fleisch ist Gras“.

NEWS: Wird der Wunsch nach Gerechtigkeit im Alter größer – oder erkennt man irgendwann, dass nicht überall Gerechtigkeit herrschen kann?
Moretti: Je älter man wird, desto distanzierter werden diese Utopien. Daher glaube ich, dass solche Begriffe wie Gerechtigkeit gar nicht so wichtig sind. Aber Begriffe wie Anarchie werden immer wichtiger. Die Ohnmacht ist ja für jeden Menschen, der nur den Funken eines Bewusstseins hat, das Schlimmste. Dass man nichts machen kann, einem alles übergestülpt wird. Wenn man ohnmächtig wird hat man verloren. Solange man aber dagegen ankämpft bildet man ein Gegengewicht zum System.

Kommentare