Tirol wählt heute neuen Landtag: Van Staa zittert um historischen Vorsprung für ÖVP

520.000 Tirolerinnen und Tiroler sind wahlberechtigt Dinkhauser dürfte politische Landschaft durchmischen

Tirol wählt heute neuen Landtag: Van Staa zittert um historischen Vorsprung für ÖVP © Bild: APA/Boehm

Die Tiroler Landtagswahl mit erstmals mehr als 520.000 Wahlberechtigten ist in vollem Gang. Der Urnengang könnte die Zusammensetzung des Landtages wesentlich verändern. Durch das Antreten des VP-Rebellen Dinkhauser werden zum ersten Mal voraussichtlich fünf Parteien vertreten sein. Der seit 1945 den Landeshauptmann stellenden ÖVP mit Herwig van Staa könnte der Gang in die Opposition bevorstehen.

Unterschiedliche Erwartungen äußerten die Spitzenkandidaten bei der Stimmabgabe am Vormittag. Van Staa erklärte, er rechne angesichts des Antretens von Dinkhauser nicht mehr mit der absoluten Mehrheit für die ÖVP. Der frühere AK-Präsident konnte seine Chancen noch nicht so recht einschätzen und meinte, Bauchgefühl habe er "kein Richtiges". SPÖ-Spitzenkandidat Gschwentner machte sich nicht allzuviele Sorgen, denn ab jetzt könne man das Ergebnis ohnehin nicht mehr beeinflussen. Grünen-Chef Willi mutmaßte, dass die angepeilten 20 Prozent schwierig zu erreichen sein würden. Zuversichtlicher gab sich FPÖ-Spitzenkandidat Hauser, der damit rechnete, die 10-Prozent-Marke sicher überspringen zu können.

Harte Auseinandersetzungen
Zwischen den sieben kandidierenden Listen waren in den vergangenen Wochen harte Auseinandersetzungen zu beobachten. Persönliche Ausgrenzungen und Ermittlungen der Staatsanwaltschaft bildeten den "Höhepunkt" im Kampf um Wählerstimmen. Die ÖVP nannte ein Ergebnis über 40 Prozent als Ziel. Die SPÖ wollte weiter klar zweitstärkste Kraft bleiben. Dinkhauser sah sich bei 15 bis 20 Prozent. Die Grünen visierten ebenfalls 20 Prozent an. Die Freiheitlichen hofften auf das Verdoppeln ihrer derzeit zwei Sitze. Auch KPÖ und "Die Christen" wollten in den Landtag einziehen.

Die absolute Stimmenmehrheit hatte Van Staa 2003 mit 49,9 Prozent knapp verfehlt, die absolute Mandatsmehrheit mit 20 der 36 Sitze aber erreicht. Dennoch gab es eine Große Koalition mit der SPÖ, die auf 25,9 Prozent oder neun Mandate gekommen war. Fünf Abgeordnete stellten die Grünen, zwei hatte die FPÖ erreicht.

Die letzten Wahllokale schließen um 17.00 Uhr. Gegen 19.30 Uhr sollte das vorläufige amtliche Endergebnis feststehen. Mit Interesse wurde die Wahlbeteiligung erwartet. Sie hatte 2003 mit nur 60,9 Prozent einen historischen Tiefstand erreicht. Zum ersten Mal dürfen auch 16- und 17-Jährige wählen. Außerdem kann dieses Mal auch mit Wahlkarte die Stimme abgegeben werden.

(apa/red)