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Was ist die Bilderberg-Konferenz?

Verschwörungstheoretiker halten die Bilderberger für mächtigste Organisation der Welt

Bilderberg-Konferenz © Bild: APA/ANGELIKA WARMUTH

Am Sonntag geht die diesjährige Bilderberg-Konferenz zu Ende. Mehr als hundert Personen aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und den Medien haben an der viertägigen Konferenz teilgenommen, die heuer zum 63. Mal stattfand. Tagungsort war das Interalpen Hotel in Telfs in Tirol. Verschwörungstheoretiker glauben, dass es sich bei den Bilderbergern um einen extrem einflussreichen Geheimbund handelt, oder die Organisation sogar eine geheime Weltregierung ist. Die Wirklichkeit ist jedoch viel weniger glamourös als diese Verschwörungstheoretiker annehmen.

Man kann mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ausschließen, dass es eine geheime Weltregierung gibt, deren Wirken der Welt seit Jahrzehnten verborgen geblieben ist. Größer ist nur die Wahrscheinlichkeit, dass Bundespräsident Heinz Fischer, Bundeskanzler Werner Faymann oder der SPÖ-Klubobmann Andreas Schieder einem solchen Forum jedenfalls nicht angehören würden. Sie alle waren oder sind Teilnehmer der jährlichen Bilderberg-Konferenz. Dass es sich bei ihnen deshalb um die mächtigsten Personen der Welt handelt, glaubt kein Mensch.

Verschwörungstheorie vs. Wirklichkeit

Sehr viele Menschen sind hingegen davon überzeugt, dass die jährliche Bilderberg-Konferenz eine der mächtigsten Gruppen der Welt ist. Angeblich würden dort weitreichende Beschlüsse gefasst. Der Fall der Berliner Mauer soll dort ebenso beschlossen worden sein, wie die Einführung des Euros oder die Gründung der Europäischen Union. Außerdem würden dort wichtige Politiker ihre Karriere beginnen. Dass heuer Deutschlands Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen teilnimmt, deuten Verschwörungstheoretiker als Zeichen, dass sie die Nachfolgerin von Angela Merkel als deutsche Bundeskanzlerin wird.

Ein Blick auf die Teilnehmerliste der letzten Jahre genügt, um diese Annahme zu wiederlegen. Barack Obama, Angela Merkel, der chinesische Präsident Xi Jinping, sie alle sind nicht bei der Bilderberg-Konferenz. Fast alle Teilnehmer der Konferenz kommen aus den Staaten des ehemaligen Westeuropas und der USA. Selbst aus Osteuropa gibt es kaum Teilnehmer, aus den anderen Teilen der Welt gar keine. Die Zusammensetzung der Konferenz erklärt sich aus ihrer Geschichte. Sie wurde 1954 gegründet, um die Beziehungen zwischen den USA und Europa zu festigen. Bis heute kommen zwei Drittel der Teilnehmer aus Europa und ein Drittel aus den USA. Eine Teilnahme ist nur auf Einladung möglich.

Wichtige Akteure fehlen

Für eine Weltverschwörung bräuchte es zumindest anwesende Personen aus allen Teilen der Welt, sollte man annehmen. Das sieht auch der Chef der österreichischen Kontrollbank, Rudolf Scholten so. Er sitzt im Exekutivkomitee der Bilderberg-Konferenz und sagt: "Wäre das Treffen wirklich eine Weltverschwörung, dann bräuchte man auch anderes Personal. Bei Bilderberg kommen etwa zwei Drittel bis drei Viertel der Teilnehmer aus der Wirtschaft, der Wissenschaft und den Medien. Der Rest kommt aus der aktiven oder ehemaligen Politik. Für eine Weltverschwörung fehlen da doch einige wichtige Akteure." Dass sich trotzdem so viele Mythen um die Konferenz entwickelt haben, liegt an ihrer Verschwiegenheit. Seit einigen Jahren werden zwar die Teilnehmerlisten und die Themen, die bei der Konferenz besprochen werden, veröffentlicht. Ansonsten sind die Bilderberger jedoch sehr verschwiegen. Die Konferenz folgt den Chatham House Regeln. Die Teilnehmer dürfen zwar die Informationen, die sie dort erhalten, frei verwenden. Sie dürfen aber keinen Teilnehmer direkt zitieren. So soll eine möglichst offene Diskussion entstehen.

Was passiert auf der Bilderberg-Konferenz?

Aber was passiert überhaupt auf einer Bilderberg-Konferenz? Der Ablauf ähnelt in weiten Teilen einem wissenschaftlichen Kongress oder einem Universitätsseminar. Ganztägig wird von den Teilnehmern über verschiedene Themen diskutiert. Heuer beispielsweise über die Griechenlandkrise oder das Thema Cybersecurity. Meist zwei oder drei Konferenzteilnehmer referieren zehn bis fünfzehn Minuten über ein Thema, danach haben Teilnehmer die Möglichkeit Nachfragen zu stellen. Dafür haben sie maximal zwei Minuten Zeit. Das Limit gilt für alle, egal ob Staatschef oder Wissenschaftler. Auch der ehemalige US-Außenminister Henry Kissinger muss sich dann sagen lassen. „Sorry Henry, two minutes are over“ heißt es dann beispielsweise, sagt Rudolf Scholten. Nach anderthalb Stunden ist das nächste Thema an der Reihe. Die Seminareinheiten finden den ganzen Tag statt. Unterbrochen von einem Mittagessen, bei dem freie Platzwahl herrscht. Am Ende der Bilderberg-Konferenz stehen weder Beschlüsse noch ein Ergebnis. Schon aufgrund des straffen Zeitplans wäre für die Weltverschwörung höchstens in der Kaffeepause Zeit.
“Interessant an Bilderberg sind die offenen und anregenden Diskussionen. Wenn man beispielsweise auf einem Podium Mario Draghi und Ben Bernanke zu Währungspolitik hat, dann ist das einfach die informierteste Debatte zu diesem Thema, die es geben kann“, sagt Rudolf Scholten. Dennoch sieht er auch Reformbedarf: "Bilderberg ist eine relativ konservative Organisation. Änderungen finden nur sehr langsam statt. So spiegelt sich beispielsweise bis heute die Osterweiterung der Europäischen Union noch nicht wirklich in den Strukturen von Bilderberg wieder."

Auch sind fast alle Teilnehmer Männer. Der Prozentsatz teilnehmender Frauen ist verschwindend gering. Rudolf Scholten sagt: "Dass so wenig Frauen teilnehmen ist ein Ärgernis und wird auch bei fast jeder Sitzung des Exekutivkomitees zum Thema. Ich will das auch gar nicht verteidigen. Das muss sich ändern.

Wichtige Kontakte werden geknüpft

Der deutsche Elitenforscher Michael Hartmann hält die Organisation für weit weniger wichtig, als vielfach angenommen. Sie würde vor allem deshalb für so bedeutend gehalten, weil man so wenig über sie weiß. Dass es sich bei der Bilderberg-Konferenz um eine Weltverschwörung handelt, schließt er schon aufgrund der teilnehmenden Personen aus. "Der Kern der regelmäßigen Konferenzteilnehmer ist stark überaltert und die teilnehmenden Politiker sind zu einem erheblichen Teil nicht mehr aktiv tätig. Das sind zwar oft klingende Namen, wie beispielsweise Henry Kissinger, aber ihr Einfluss auf die gegenwärtige Politik ist begrenzt." Für Teilnehmer sei die Konferenz dennoch interessant. Vor allem um zu Netzwerken und persönliche Kontakte zu knüpfen. "Derartige Konferenzen haben für die Teilnehmer in erster Linie den Vorteil, zahlreiche persönliche Kontakte zu knüpfen. Um jemand vertrauen zu können, muss man die Person persönlich kennen gelernt und sympathisch gefunden haben. Das lässt sich auf solchen Konferenzen mit relativ wenig Aufwand erreichen." Um wichtige Beschlüsse zu fassen, ist die Fluktuation der Teilnehmer viel zu hoch und auch die Treffen finden dafür viel zu selten statt, so Hartmann. Allerdings sei die Verschwiegenheit für Bilderberg nützlich. Da niemand genau wüsste, was dort passiert, würden Teilnehmer automatisch für wichtig und bedeutend gehalten. Das sei für viele Teilnehmer attraktiv.

Warum Verschwörungstheoretiker nach Telfs gereist sind, um gegen die Bilderberg-Konferenz zu demonstrieren und wovor sie sich bei dieser Konferenz fürchten: Eine Reportage über die Welt der Verschwörungstheoretiker finden Sie im aktuellen News in Ihrem Zeitschriftenhandel oder als E-Paper-Version.

Kommentare

Verschwörungstheorie hin oder her. Fakt ist, dass es sich um ein privates Treffen handelt und daher ist es eine grenzenlose Frechheit, dass die Steuerzahler für diesen Schwachsinn zahlen müssen.

Auf der anderen Seite gibt es aber Filmaufnahmen, die zeigen, dass Obama (während seines 1. Wahlkampfes) und Hillary dem zu diesem Zeitpunkt stattfindenden Bilderbergtreffen einen Besuch abgestattet haben. Kurz darauf hat Hillary ihre Präsidentschaftskandidatur zugunsten Obamas zurückgezogen. Zufall ?????

Also wenn der voll gfressene Gusi und der "ich war grade am Klo"-Heinzi dabei waren, dann kann's nicht wirklich wichtig gewesen sein!!

hasi1965 melden

sehr durchsichtiges Ablenkunsmanöver der „Bilderbücher” ... nachdem immer mehr aufgeklärte Menschen wissen was dahinter steckt rudert man nun ganz schnell nach vorne um zu verharmlosen und präsentierte sich nach 50 Jahren strengster Abschottung der „freien (?) Presse” als „zigarrenrauchender Alte Onkels-Club”. Warum dann eine eigene Radar-Station beim Interalpen-Hotel? Eine Flugverbotszone? etc

11223344 melden

nur eines ist merkwürdig, wenn unsere politirren dabei sind kann es nicht wichtig sein. denn wer würde diese komiker schon einladen? leider noch immer undurchsichtig ...............

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