Tina Maze holt Sensationssieg in St. Moritz:
Hohe Startnummer fängt Maria Holaus ab

Slowenin fuhr mit Startnummer 47 noch an die Spitze Dritte wurde die erst 16-jährige Schweizerin Lara Gut

Tina Maze holt Sensationssieg in St. Moritz:
Hohe Startnummer fängt Maria Holaus ab © Bild: Reuters/Rattay

Nur 13 Tage nach ihrem Debütsieg im Weltcup hat sich Maria Holaus erneut als Siegerin gefreut - allerdings zu früh: Die Slowenin Tina Maze nutzte mit Nummer 47 in der aufgrund extremer Wetterkapriolen eigentlich irregulären Abfahrt in St. Moritz die Gunst der Stunde und schnappte der Tirolerin noch um 34/100 Sekunden den schon sicher geglaubten ersten Erfolg in der Königsdisziplin weg.

"So ist eben der Skisport. Man darf sich nicht schon nach den ersten 30 Läuferinnen als Siegerin fühlen", lautete der faire Kommentar von Holaus, die erst am 20. Jänner mit dem Super-G-Erfolg in Cortina d'Ampezzo ihren ersten und bisher einzigen Weltcup-Triumph gefeiert hatte. "Ich bin aber auch mit Platz zwei zufrieden."

Davor hatte Holaus bereits Sieger-Interviews gegeben und war von ihrer Teamkollegin Renate Götschl in den höchsten Tönen als kommende "Serien-Siegerin" gelobt worden. Und als die komplette Medienschar schon auf die Pressekonferenz der Top Drei gewartet hatte, raste als fünftletzte Starterin Maze - bisher noch nie in den Top Ten und heuer noch ohne Punkt in der Abfahrt - über die auf einmal von Sonne überflutete, 2.742 Meter lange Corviglia und verblüffte mit der Bestzeit auch sich selbst.

"Ich bin selbst überrascht", erklärte die 24-Jährige, die ihre fünf bisherigen Weltcup-Siege allesamt im Riesentorlauf geschafft hatte. Gleichzeitig erinnerte sie aber auch an ihr bisher bestes Speed-Resultat, Platz zwei am 20. Jänner 2006 im Super-G in St. Moritz (hinter Michaela Dorfmeister). "Das ist meine Lieblingsstrecke. Der Schnee hier ist toll, weshalb ich das Skifahren besonders genieße. Auch habe ich mich nicht vor der Geschwindigkeit gefürchtet, nachdem ich mich im Training an die Schnelligkeit herangetastet hatte. Und die Bedingungen waren fantastisch", betonte Maze.

Für die Spitzenfahrerinnen war das Wetter allerdings alles andere als großartig gewesen. So führte die schlechte Sicht durch Schneefall und vor allem den zeitweise dichten Nebel zu einer kurzzeitigen Unterbrechung nach Startnummer 19. Zu diesem Zeitpunkt lag die mit Nummer 8 ins Rennen gegangene Holaus in einem wahren Hundertstelkrimi vor Trainingsdominatorin Emily Brydon aus Kanada (am Ende Vierte) in Front. Dahinter folgten - wieder nur 4/100 zurück - ex aequo die Steirerin Elisabeth Görgl und Lindsey Vonn aus den USA, die schließlich mit Platz fünf zufrieden sein mussten.

Götschls Blindflug
Renate Götschl (Nr. 21) absolvierte in der Folge wegen des starken Nebels einen wahren Blindflug und landete im Schlussklassement ex aequo mit Gesamt-Weltcup-Spitzenreiterin Nicole Hosp auf Platz 14. Doch nach den ersten 30 Läuferinnen setzte eine Wetterbesserung ein. Schon die erst 16-jährige Schweizerin Lara Gut, die in ihrer Heimat nach ihren Europacup-Seriensiegen bereits als Jahrhunderttalent gepriesen wird, verpasste mit Startnummer 32 aufgrund eines Sturzes nach dem Zielsprung nur um eine hundertstel Sekunde bzw. 26 Zentimeter die Bestzeit von Holaus, die erst kurz vor Rennende unterboten wurde, und wurde Dritte.

"Beim Gleiten im oberen Teil habe ich viel Zeit verloren", wusste Holaus, dass ihr nicht nur das Wetter einen Strich durch die Siegrechnung gemacht hatte. Mehr als eine Sekunde hatte sie auf den ersten 30 Sekunden auf Maze verloren. Bei Görgl war es dagegen ein verpatztes Finish, das einen möglichen Triumph vereitelt hatte. "Es zipft mich maßlos an, weil ich bin ins Ziel rein einfach beschissen gefahren", übte die Steirerin explizite Selbstkritik. "Ich war viel zu gerade, habe das Tempo unterschätzt und gedacht, dass es sich noch ausgeht."

Doch für die Experten hätte Vonn gewinnen müssen. Die überlegene Führende im Abfahrts-Weltcup hatte nämlich ähnlich schlechte Bedingungen wie Götschl und den Zuschauern mit einer extrem spektakulären Fahrt eine tolle Show geboten. "Es war ein wahnsinniger Lauf, wie ein Rodeo-Ritt. Meine Ski waren so schnell, aber ich habe nichts gesehen, deshalb war ich eigentlich schon drei-, viermal praktisch ausgeschieden", erläuterte Vonn. "Trotzdem habe ich weitergekämpft. Es ist aber wirklich unglaublich, dass ich nicht gestürzt bin und noch wichtige Punkte gemacht habe. Ohne diesen Fehler hätte ich sicher gewonnen."

Pärson verliert an Boden
Die Schwedin Anja Pärson, die Mitte Dezember Abfahrt und Super-G auf selber Piste (Ersatzrennen für Val d'Isere) gewonnen hatte, schied dagegen ebenso aus wie die Deutsche Maria Riesch, die damit im Gesamtweltcup weiter an Terrain verlor und nun als Vierte schon 172 Zähler hinter Hosp liegt. Vonn trennen dagegen als erste Verfolgerin nur 99 Punkte von der Tirolerin.

ÖSV-Alpinchef Hans Pum hatte in Val d'Isere die Damen-Abfahrt am Fernseher mitverfolgt, befand sich nach dem Ausstieg der TV-Stationen aber bereits wieder in einer Besprechung und hatte so nicht mehr mitbekommen, dass Maze noch gewann. "Das ist bitter. Aber das ist St. Moritz, das haben wir schon oft genug erlebt", meinte Pum zur Tatsache, dass die ÖSV-Damen weiter auf den ersten Abfahrts-Saisonsieg warten müssen.

(apa/red)