Tim Montgomery stellt neuen 100-m-Weltrekord auf

In Paris Bestmarke von 9,78 Sekunden aufgestellt Montgomery damit auch GP-Gesamtsieger

Mit einem Weltrekord wie aus heiterem Himmel hat Tim Montgomery die gesamte Konkurrenz verblüfft und am Samstag beim Grand-Prix-Finale der Leichtathleten in Paris auch noch den Gesamtsieg aus dem Feuer gerissen. Der 27 Jahre alte Amerikaner sprintete am Samstag die 100 m in sagenhaften 9,78 Sekunden und blieb damit 1/100 unter der bisherigen Bestmarke seines abwesenden Landsmanns Maurice Greene vom 16. Juni 1999.

Der WM-Zweite Montgomery erwischte vor 10.000 Zuschauern im nur halb gefüllten Stade Charlety einen Traumstart und gewann vor Europameister Dwain Chambers, der in 9,87 den Europarekord seines britischen Landsmanns Linford Christie egalisierte.

"Es war ein perfekter Tag", jubelte Montgomery, der fast ungläubig auf die Anzeigetafel starrte. "Zum Ende der Saison hätte ich niemals mit einer solchen Zeit gerechnet", sagte der Mann aus South Carolina. "Ich werde jetzt immer vorn mitmischen, aber den Weltrekord wird man mir sicher irgendwann wieder abjagen." Montgomery hatte mit 0,104 Sekunden eine unglaubliche Reaktionszeit - wäre er nur 5/1000 schneller gestartet, dürfte der Weltrekord nicht anerkannt werden.

Montgomery entriss damit Marokkos "Wunderläufer" Hicham El Guerrouj praktisch auf den letzten Metern den bereits sicher geglaubten Grand-Prix-Triumph. Denn Montgomery kassierte für den Weltrekord nicht nur einen Bonus von 100.000 Dollar, sondern auch 18 Zusatzpunkte. Erstmals in der 17-jährigen Geschichte des Grand Prix lagen damit drei Athleten in der Endabrechnung mit 116 Punkten gleichauf: Montgomery (100 m), El Guerrouj (1.500 m) und Felix Sanchez aus der Dominikanischen Republik (400 m Hürden). Die Traumzeit des US-Sprinters wird in der Punktetabelle des Internationalen Leichtathletik-Verbandes IAAF allerdings mit 1.297 Zählern deutlich höher als das Resultat von El Guerrouj (1.255) bewertet.

Montgomery kassierte für seinen ersten Grand-Prix-Gesamtsieg 100.000 Dollar, dazu die Weltrekordprämie in gleicher Höhe und 50.000 Dollar für den Erfolg in der 100-m-Disziplinwertung. Gesamt-Zweiter wurde El Guerrouj, der an seinem 28. Geburtstag die 1500 m sicher in 3:29,27 Minuten gewann, vor dem ebenfalls überragenden Sanchez, der sich den Sieg über 400 m Hürden in 47,62 nicht nehmen ließ.

Zuvor hatte sich die dreimalige Olympiasiegerin Marion Jones zum zweiten Mal nach 1998 den Grand-Prix-Gesamterfolg gesichert. Die 26 Jahre alte Amerikanerin setzte sich über 100 m überlegen in 10,88 Sekunden durch und verbuchte in der Gesamtrechnung als einzige Athletin 116 Punkte. Jones bleibt damit in dieser Saison weiter ungeschlagen; im Finale verfehlte sie die Jahresweltbestzeit von Weltmeisterin Shanna Pintusewitsch (Ukraine), die nach zwei Fehlstarts disqualifiziert wurde, nur um 4/100 Sekunden.