Tilman Rammstedt hat gewonnen: Ein Musiker als neuer Bachmannpreisträger

Humorvoller Autor mit klarem Hang zum Absurden

Atemlos und fast hektisch ist der Vortrag von Tilman Rammstedt beim Lesen seines Textes vor der Jury in Klagenfurt. Er zappelt sich beinahe durch den Text und ist sichtlich froh, als er es überstanden hat. Am Ende geht der 33-Jährige mit zwei Preisen heim: Dem begehrten Bachmann-Preis und dem Publikumspreis. Gerechnet habe er nicht damit, versichert er glaubhaft, wenngleich er nach seiner erfolgreich absolvierten Lesung doch "insgeheim mit vielleicht einem Preis" spekuliert hat, "aber sicher nicht mit dem Bachmannpreis".

Rammstedt stammt aus Bielefeld und ist ein Multitalent. Er studierte "Verschiedenes", wie er selbst sagt, und das in Tübingen, in Berlin, aber auch in Edinburgh. Statt seiner Magisterarbeit schrieb er lieber sein erstes Buch. Sich auf die Literatur allein zu beschränken, ist ihm aber zu wenig, deshalb spielt er auch noch in einer Band. Er ist Texter und Musiker bei "Fön", wo er Trompete spielt und das Schlagzeug bearbeitet und sich kokett als "schlechtester Musiker" der Gruppe bezeichnet. Die Band hat bisher zwei CDs veröffentlicht, die sich - eh klar - auch mit Literatur befassen. Es wird gesungen, gesprochen und musiziert, dass es nur so eine Freude ist. Ein Konzertbesucher meinte einmal: "Das ist ja Monty Python für Arme."

Das Musizieren macht Rammstedt Spaß, ist im Vergleich zur Literatur aber doch Nebensache. Auf die Frage, worin er besser sei, als Trompeter oder als Schriftsteller, meinte er: "Das ist leicht beantwortet, weil ich ein sehr schlechter Trompeter bin." Geschrieben habe er immer schon, "das war mir ein Bedürfnis". Dass er von der Schriftstellerei leben könnte, war aber nicht wirklich geplant.

Umgänglich und unprätiös
Rammstedt, der von Freunden und Kollegen als umgänglich und unprätentiös beschrieben wird, untermauerte diesen Ruf auch am Samstagabend, als er umgehend seine Freude darüber kundtat, dass seine Kollegen Patrick Findeis und Markus Orths ebenfalls Preise erhalten haben. "Das freut mich total", meinte er.

Rammstedt schreibt "nicht rasend schnell", nach Fertigstellung eines Romans brauche er eine Pause, bis er wieder beginnen könne. "Die dauert manchmal zu lange, aber das lässt sich nicht ändern." Wichtig ist ihm der Rhythmus der Sprache: "Manchmal lese ich einen Satz laut und merke, da fehlt noch ein Wort, das stimmt noch nicht." Mit seiner Arbeit als Musiker könne man das aber nicht vergleichen, da sei er ohnehin eher für den Text zuständig.

Über sein Privatleben redet er nicht so gerne, eines verriet er aber doch nicht ohne Stolz: "Ich bin Vater eines sechs Monate alten Sohnes." Die Familie lebt in Berlin, mehr gibt er aber nicht preis.

(apa/red)