Tierversuche in der EU steigen weiter an:
Aktivisten fordern alternative Testmethoden

Klares Plus von 3,1% alleine in 15 "alten" EU-Staaten Malta als einziges Land ohne "offizieller Tierquälerei"

Tierversuche in der EU steigen weiter an:
Aktivisten fordern alternative Testmethoden

Tierversuchsgegner haben den weiteren Anstieg der Tierversuche in der EU kritisiert. 2005 wurden in den damals 25 EU-Staaten 12,1 Millionen lebende Wirbeltiere für Versuchszwecke herangezogen (72 Prozent davon Mäuse und Ratten) geht aus dem jüngsten Bericht der EU-Kommission zu Tierversuchen hervor. Dieser enthält erstmals auch Zahlen aus den zehn neuen Mitgliedstaaten, daher ist ein Vergleich mit früheren Daten nicht möglich. In den 15 "alten" EU-Mitgliedstaaten gab es jedoch einen Anstieg gegenüber 2002 um 3,1 Prozent.

Gerda Matias, Präsidentin des "Internationalen Bundes der Tierversuchsgegner", kritisierte die Entwicklung. Es sei bestürzend "dass die verantwortlichen Stellen diesen kontinuierlichen Anstieg offenbar einfach hinnehmen und keinen dringenden Handlungsbedarf sehen, obwohl die EU-Tierversuchsrichtlinie unmissverständlich und eindeutig die Reduzierung und den Ersatz von Tierversuchen als Ziel vorgibt", kritisiert sie in einer Presseinformation. Einziges erfreuliches Detail ist laut den Tierversuchsgegnern, dass - wie schon im Jahre 2002 - keine Menschenaffen für Versuche in der EU herangezogen wurden.

"Wenig" Versuche in Österreich, Malta mustergültig
In Österreich wurden 2005 167.312 Versuchstiere eingesetzt (140.554 davon Mäuse und Ratten). Die Zahl - 65 Prozent weniger als noch 1991 - ist laut EU-Kommission im internationalen Vergleich sehr niedrig, wie die Brüsseler Behörde positiv vermerkte. Die benachbarte Schweiz habe im Vergleich dazu rund 550.000 Tiere für Versuchszwecke verwendet. Grund dafür sei eine besonders restriktive Politik bei der Autorisierung von Tierversuchen, aber auch eine Auszeichnung für alternative Forschungsmethoden. In Österreich sind seit 1999 Tierversuche für Kosmetikzwecke verboten und seit 2006 der Einsatz von Primaten. Malta hat 2005 als einziges EU-Land überhaupt keine Tierversuche durchgeführt.

EU-Forschungskommissar Janez Potocnik räumte zuletzt in einer Rede Anfang November ein, dass es noch Verbesserungsbedarf in der EU gibt. Von 30 Alternativen Testmethoden seien bisher nur acht autorisiert worden. Auch gebe es bisher in der EU nur drei Lehrstühle zu alternativen Testmethoden an europäischen Universitäten. Potocnik fordert die Industrie zu stärkerer Zusammenarbeit auf, nicht zuletzt weil ab 2009 Tierversuche für Kosmetik verboten und in anderen Bereichen generell weiter eingeschränkt werden. (apa/red)