Tierschutz von

Wenn Stiere weinen

Tierschutz - Wenn Stiere weinen © Bild: News/Ian Ehm

Aus dem Auge des Stiers tropft eine Träne. Das grelle Sonnenlicht in der Arena blendet ihn. Tagelang ist er vor seinem Auftritt in der Arena in einem engen, dunklen Verschlag eingesperrt gewesen. Er sieht nicht, was auf ihn zukommt. Ein Beben durchzuckt den massiven Körper, als der Speer eines Toreros seinen Nacken trifft. Weitere Wurfgeschosse folgen, bohren sich mit scharfen Widerhaken tief ins Fleisch. Langsam tropft Blut aus den Wunden. Noch ahnt das anmutige Wesen nicht, dass die Blessuren erst das Vorspiel für weitere Torturen sind. Denn es ist ein Kampfstier, geboren, um in der Arena zu sterben: bei einer Corrida, einem Stierkampf.

Noch während der Bulle vergeblich versucht, die Wurfgeschosse abzuschütteln, stürmen Reiter auf ihn zu. Mit spitzen Lanzen stechen sie auf ihn ein. Wild soll das Tier durch die Stiche werden. Zur Wehr soll es sich setzen gegen den Matador, was auf Deutsch "Mörder" bedeutet.

Mit einem Dolch- oder Degenstoß ins Herz soll ihn der Matador dann aus dem Leben reißen. Doch die meisten treffen nur das Rückenmark. Der Stier ist dadurch gelähmt. Bei vollem Bewusstsein wird er aus der Arena gezerrt, um abseits des Publikums getötet zu werden. Die Höllenschmerzen des Tieres aber interessieren niemanden.

© iStockpoto.com/Christian Martínez Kempin Corrida. Der qualvolle Tod eines Stiers

Tierarzt Christoph Haller aus Markt Allhau im Südburgenland ist selbst Rinderhalter. "Der Blick in die Augen der gequälten Kreatur sollte jedem reichen, um zu erkennen, wie das Tier leidet", meint er. "Jeder einzelne Torero sollte wegen Tierquälerei angezeigt werden", sagt Haller.

In Spanien aber würde ihn jedes Gericht abweisen. Denn 2013 erklärte die konservative Regierung die Corrida zum Kulturgut und fördert die brutalen Spektakel auch noch mit öffentlichen Geldern. Nur in Barcelona, wo Stierkampf seit 2012 verboten ist, verzichtet man auf diese brutale, archaische Tradition, die heute vor allem als Touristenattraktion nicht nur in Spanien aufrechterhalten wird. Auch in Portugal, Südfrankreich, in Mexiko und anderen südamerikanischen Staaten versucht man, damit Geld einzunehmen.

Wenn Sie in eines dieser Länder reisen, entscheiden Sie selbst, ob Sie Ihr Urlaubsbudget wirklich in Tierfolter investieren wollen.

Was meinen Sie? Schreiben Sie mir bitte: zobl.susanne@news.at