Tiefer Sturz von Jean-Marie Le Pen: Rechtsextremist stürzte auf 10,4 Prozent ab

Fünf Jahre nach Sternstunde Wahlschlappe kassiert Le Pen: "Nationale Front errang ideologischen Sieg"

Fünf Jahre nach seinem größten Triumph stand Jean-Marie Le Pen die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben. In der ersten Runde der französischen Präsidentschaftswahl stürzte der Rechtsextremist auf 10,4 Prozent ab - das waren gut sechs Prozentpunkte oder eine Million Stimmen weniger als am 21. April 2002, als er sensationell die Stichwahl gegen Jacques Chirac erreichte.

Diese Wahl war der eine Kampf zu viel für den 78-Jährigen, kommentierte "Le Parisien" die schwere Schlappe. Die linksliberale "Liberation" beschwor schon "das Vorzeichen vom Ende". Der Konservative Nicolas Sarkozy hatte ihm mit einem dezidiert rechten Wahlkampf, in dem er unverkrampft auf Le Pens Kernthemen nationale Identität, Einwanderung und Kriminalitätsbekämpfung setzte, das Wasser abgegraben.

Die Strategie des früheren Innenministers ging voll auf, wie die französische Presse unisono konzedierte. Le Pen merkte am Wahlabend bitter an, dass sich die Konkurrenz seiner Themen bemächtigt habe. Die Nationale Front habe einen "ideologischen Sieg" errungen, versicherte er trotzig.

Doch die politische Niederlage ist unbestreitbar. Sie ist zum einen auf die sehr hohe Wahlbeteiligung von fast 84 Prozent zurückzuführen. 2002 hatte er noch vom Desinteresse der Franzosen an einem anscheinend schon von Anfang an entschiedenen ersten Wahlgang profitiert. Doch die Franzosen, die damals zu hunderttausenden gegen Le Pen demonstrierten, haben die Lektion gelernt. Am Ende steht Le Pens schlechtestes Ergebnis bei einer Präsidentschaftswahl seit seiner ersten Kandidatur 1974.

Der Rechtsextremist gab den schlechten Verlierer und ätzte ironisch, er habe sich in den Franzosen getäuscht. Er habe geglaubt, sie seien unzufrieden. Stattdessen hätten sie die Parteien gewählt, die für die Lage des Landes verantwortlich seien. Später gab er die bemühte Stimmungskanone auf seiner Wahlparty der langen Gesichter und schwang mit Gattin Jany das Tanzbein.

Der schleichende Niedergang der Nationalen Front hat sich bereits in anderen Wahlergebnissen seit dem Triumph des 21. April 2002 abgezeichnet. Bereits in der Stichwahl am 5. Mai gelang es dem Rechtsextremisten nicht, neue Wählerschichten zu erschließen. Bei der anschließenden Parlamentswahl im Juni erzielte die FN nur gut elf Prozent. Noch tiefer sank sie bei der Europawahl 2004 mit 9,8 Prozent, kaum besser schnitten die Rechtsradikalen im gleichen Jahr bei den Regionalwahlen ab.

Der konservative "Le Figaro" sieht die Strategie der "Entdämonisierung" des Poltergeists gescheitert, die seine Tochter Marine 2002 begonnen hatte. Sie habe es Sarkozy erleichtert, die rechten Kernthemen zu besetzen, ohne Le Pen im Gegenzug für breite Wählerschichten akzeptabel zu machen.

Die Nationale Front muss sich auf eine Zukunft ohne ihre Galionsfigur einstellen, die drei Jahrzehnte lang den französischen Rechtsextremismus verkörperte und als politische Kraft etablierte. Wenn es nach Le Pen geht, ist es aber noch nicht so weit. Er könne sich durchaus vorstellen, auch 2012 noch einmal anzutreten, sagte Le Pen vor der Wahl - er wäre dann 83 Jahre alt. Zur Begründung bemühte er ausgerechnet Konrad Adenauer: Der sei noch mit 87 Jahren Bundeskanzler gewesen, und das sei Deutschland schließlich nicht schlecht bekommen.

(apa/red)