Schuldenkrise von

Griechenland:
Sparprogramm abgeschickt

Die aktuellsten Entwicklungen nach dem "Nein" zu weiteren Sparmaßnahmen im Ticker

Tsakalotos © Bild: imago/ZUMA Press

Am Sonntag hat sich die griechische Bevölkerung in einem Referendum klar gegen weitere von den Geldgebern geforderte Sparmaßnahmen ausgesprochen. Am Montag erklärte Finanzminister Yanis Varoufakis seinen Rücktritt, sein Nachfolger wurde bereits gefunden. Die Entwicklungen zur griechischen Schuldenkrise vom 9. Juli finden Sie hier im Überblick.

+++ 22:00 Uhr: Sparprogramm abgeschickt +++

Die griechische Regierung hat ihr Sparprogramm nach einem Bericht des staatlichen griechischen Fernsehens (ERT1) auf den Weg gebracht. Die Vorschläge seien gegen 21.30 Uhr MESZ per E-mail an den Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem abgeschickt worden, berichtete der Sender am Donnerstag weiter.

Eine Bestätigung aus Brüssel gab es zunächst nicht. Auch Einzelheiten wurden vorerst nicht bekannt. Die Vorschläge sind Voraussetzung für weitere Hilfszahlungen an das akut pleitebedrohte Griechenland. Allein im Juli ist Athen den Gläubigern 4,2 Milliarden Euro schuldig.

Die Geldgeber hatten der Athener Regierung bis Mitternacht Zeit gegeben, ihre konkreten Pläne vorzulegen. Falls die Geldgeber die Vorschläge akzeptieren, könnten sie ein neues Hilfsprogramm und eine Zwischenfinanzierung gewähren. Die griechische Regierung hat beim europäischen Rettungsfonds ESM ein drittes Hilfspaket mit drei Jahren Laufzeit beantragt.

Vorschläge sollen zunächst von Experten der drei Geldgeber-Institutionen EU-Kommission, Europäische Zentralbank (EZB) und Internationaler Währungsfonds (IWF) ausgewertet werden. Am Samstag sollen sich dann die Finanzminister der 19 Staaten mit der Euro-Währung treffen. Am Sonntag kommen in Brüssel erst die Staats-und Regierungschefs der Eurozone und dann der gesamten EU zusammen.

+++ 21:45 Uhr: Beratungen über Sparpaket +++

Das griechische Parlament könnte bereits am Freitag über ein griechisches Sparprogramm beraten und darüber abstimmen. Dies berichteten am Donnerstagabend übereinstimmend griechische Fernsehsender und Nachrichtenportale. Wie die Deutsche Presse-Agentur aus Kreisen des Parlamentes erfuhr, soll die Sitzung "am frühen Nachmittag am Freitag" beginnen.

Wann eine Abstimmung am Freitag stattfinden soll, blieb zunächst unklar. Das Parlament in Athen solle angesichts des Dringlichkeit im Schnellverfahren zunächst den griechischen Finanzminister Euklides Tsakalotos damit beauftragen, die nötigen Verträge im Falle einer Einigung mit den Gläubigern zu unterzeichnen. Die endgültige Billigung des Sparprogramms solle dann zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen, hieß es.

Dem Vernehmen nach geht es um ein mehr als zwölf Milliarden Euro schweres Programm. Das Sparprogramm sollte am Donnerstagabend nach Brüssel geschickt werden. Ohne eine Zustimmung der Gläubiger kann Griechenland nicht mehr mit Finanzhilfen rechnen und zum Verlassen der Eurozone gezwungen sein.

+++ 19:30 Uhr: Griechenland legt bald Vorschläge vor +++

Griechenland will seinen internationalen Gläubigern in Kürze einen Vorschlag zur Lösung der Schuldenkrise präsentieren. Das sagte der Chef der rechtspopulistischen Unabhängigen Griechen, Panos Kammenos, am Donnerstagabend vor Journalisten. Die Partei ist der kleinere Koalitionspartner der Regierungspartei Syriza. Ein Reformkonzept aus Athen wird noch heute (Donnerstag) erwartet.

Findet es die Billigung des EU-Sondergipfels am Sonntag, könnten danach die Details der Auflagen für weitere Hilfen ausgehandelt und ein Staatsbankrott womöglich in letzter Minute noch abgewendet werden. Um die Geldgeber von ihrem Reformwillen zu überzeugen, peilt die griechische Regierung Insidern zufolge Steuererhöhungen an. Das Land steht mit 320 Mrd. Euro oder 180 Prozent seiner jährlichen Wirtschaftskraft in der Kreide.

+++ 19:15 Uhr: Demo für den Verbleib im Euroland +++

Tausende haben am Donnerstagabend in Athen für einen Verbleib Griechenlands im Euroland demonstriert. Die Kundgebung stand unter dem Motto: "Wir bleiben in Europa" statt. Die Menschen forderten, dass sich die Regierung unter Ministerpräsident Alexis Tsipras mit den Partnern und Gläubigern verständigt, damit Griechenland den Euro als Währung behalten kann.

+++ 17:45 Uhr: Übergangsfinanzierung notwendig +++

Selbst im Falle, dass es mit Griechenland zu einer belastbaren Einigung kommt, die jedoch noch nicht den gesamten formalen Prozess durchlaufen hat, wäre eine Übergangsfinanzierung für das hochverschuldete Land notwendig, meint RBI-Finanzexperte Matthias Reith. Er hält eine fristgerechte Auszahlung von Hilfsgeldern vor dem 20. Juli, einem wichtigen Rückzahlungstermin, für nahezu ausgeschlossen.

Der 20. Juli gilt als entscheidendes Datum. Bis dahin muss Griechenland 3,5 Mrd. Euro an die Europäische Zentralbank (EZB) zurückzahlen. Hält Athen diesen Rückzahlungstermin nicht ein, wäre das Land pleite und es würde für die EZB nicht mehr möglich sein, weitere Liquidität bereitzustellen.

+++ 17:15 Uhr: Österreich zahlt über 900 Pensionen nach Hellas +++

In Griechenland beziehen derzeit mehr als 900 Personen eine Pension aus Österreich, wie es aus dem Sozialministerium am Freitag zur APA hieß. Deutschland hat Ende Juni rund 92.000 Pensionszahlungen in das kriselnde Land getätigt. Probleme bei der Überweisung gibt es bisher nicht.

Bei den deutschen Zahlungen handelt es sich überwiegend um Zahlungen an Griechen, die sich in Deutschland einen Pensionsanspruch erarbeitet haben und diesen auf ihr griechisches Konto überwiesen bekommen. "Klar ist, dass alle Menschen in Griechenland vor den gleichen Schwierigkeiten stehen, Bargeld zu bekommen", so das deutsche Sozialministerium am Freitag.

Aus Österreich gehen mehr als 900 Pensionszahlungen nach Griechenland. 933 werden über die Pensionsversicherungsanstalt (PVA) abgewickelt, es sind jene, die früher unselbstständig in Österreich beschäftigt waren, so ein Sprecher des Sozialministeriums in Wien. Ob es sich um Griechen oder Österreicher handelt, ist nicht klar. Es dürften noch ein paar dazukommen - Personen, die in Österreich selbstständig, etwa als Gastwirte, gearbeitet haben.

+++ 17:00 Uhr Flüchtlinge überfordern Griechenland +++

Das von der finanziellen Pleite bedrohte Griechenland wird durch steigende Flüchtlingszahlen zusätzlich überfordert. Die Aufnahmebedingungen für Flüchtlinge seien dort "ausgesprochen prekär", sagte der Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen, Antonio Guterres, am Donnerstag am Rande des EU-Innenministertreffens in Luxemburg.

"Und die Bedingungen für eine Integration in die griechische Gesellschaft sind ebenfalls extrem prekär." Seit Jahresbeginn seien bereits 78.000 Migranten nach Griechenland gekommen. Viele reisten von dort in andere Länder weiter. "Daher beobachten wir mehr und mehr eine Bewegung von dort nach Mazedonien, Bulgarien, Serbien, Ungarn und dann immer weiter Richtung Norden", sagte Guterres.

Die Vereinten Nationen kooperierten mit der griechischen Regierung beim Aufbau des Asylsystems. Die Unterstützung in der Flüchtlingsfrage sollte aber "in die Verantwortung der Europäischen Union fallen", sagte Guterres.

+++ 15:30 Uhr: Nationalrat könnte zusätzliche Mittel prompt freigeben +++

Wenn der Wille dazu da ist, könnte Österreich seinen Segen zu neuen Mitteln aus dem Euro-Hilfsfonds ESM für Griechenland sehr rasch geben. Sollte es beispielsweise Sonntagabend zu einer Verständigung zwischen den Euro-Staaten und Athen kommen, wäre theoretisch sogar schon am Montag ein Beschluss des Nationalrats möglich.

Wie es aus dem Büro von Nationalratspräsidentin Doris Bures (SPÖ) auf Anfrage der APA hieß, müsste zunächst der Ministerrat die entsprechende Vorlage beschließen. Anschließend ginge das Verlangen an den ständigen ESM-Unterausschuss weiter, der es dann dem Plenum vorlegen würde, das zu einer Sondersitzung zusammentreten würde.

+++ 15:00 Uhr: Griechen wollen auf Luxus nicht verzichten +++

Trotz oder gerade wegen der Schuldenkrise wollen viele Griechen auf Luxus im Alltag nicht verzichten. Wie die Zeitung "Washington Post" berichtet, befürchten viele Griechen, dass das auf den Banken gelagerte Geld sich früher oder später in Luft auflösen könnte. Daher investieren einige Griechen - also diejenigen, die noch über genug Bargeld verfügen - in Luxusgüter wie zum Beispiel Chanel-Handtaschen. Der Wert eines teuren Produkts werde laut Zeitung derzeit von den Griechen einfacher stabiler eingeschätzt, als der Wert von Bargeld. Von Autos über Designer-Mode bis hin zu Smartphones und Tablets - Der Absatz von Luxusartikeln ist seit dem Frühling gestiegen, wie die "Washington Post" mitteilt.

Vor allem im Alltag wollen die krisengebeutelten Bewohner auf Luxus nicht verzichten. Das Bargeld ist in Griechenland mittlerweile knapp geworden. Maximal 60 Euro pro Tag können abgehoben werden. Das hält die Griechen nicht davon ab, ihr Geld in Kaffees und Restaurants auszugeben: Für einen griechischen Café frappé, einem aufgeschäumte, kalten Kaffee, zahlen die Athener gerne bis zu 4,50 Euro.

+++ 14:15 Uhr: Zwei Großbanken vor Aus +++

Im Ringen um eine Last-Minute-Lösung des Schuldenstreits droht griechischen Banken die Luft auszugehen. Selbst bei einer Einigung mit den Euro-Partnern bis Sonntag müssten mehrere große Institute wohl geschlossen werden und mit stärkeren Konkurrenten fusionieren, berichtete Reuters unter Berufung auf mehrere Insider.

Moll-Töne stimmte am Donnerstag auch EZB-Präsident Mario Draghi an: Er sei sich nicht sicher, ob es noch zu einer Lösung im Schuldendrama komme, sagte er der Tageszeitung "Il Sole 24 Ore". "Diesmal ist es wirklich schwierig." Nach Ansicht des estnischen EZB-Rat Ardo Hansson ist ein Ausscheiden Griechenlands aus dem Euro ("Grexit") nicht auszuschließen. Mitglieder der griechischen Regierung rechnen indes mit einer baldigen Einigung.

Selbst wenn eine Einigung mit den internationalen Geldgebern erreicht ist, steht die griechische Bankenlandschaft nach Angaben von Insidern vor einem radikalen Umbruch. Einer der Eingeweihten sagte, am Ende könnten von den vier großen Geldhäusern - National Bank of Greece, Eurobank, Piraeus und Alpha Bank - noch zwei bestehen bleiben.

+++ 13:20 Uhr: Sondersitzung der Euro-Finanzminister am Samstag um 15 Uhr +++

Die Sitzungen der Finanzminister sowie der Staats- und Regierungschefs am Wochenende zur Griechenland-Krise sind endgültig geklärt. Die Eurogruppe findet nun Samstag, 15.00 Uhr, statt. Sonntags darauf folgt um 16.00 Uhr zunächst ein Euro-Gipfel der Staats- und Regierungschefs. Diesem schließt sich ein EU-Gipfel aller 28 Länderchefs der Europäischen Union an.

Danach sollte entweder eine Lösung für die schon mehr als heikle Schuldensituation Griechenlands gefunden sein, oder es wird über Alternativszenarien gesprochen. Die Hoffnung liegt darin, dass in einem weiteren "allerletzten Versuch" die griechische Regierung von Premier Alexis Tsipras doch noch einlenkt und sich auf ein Sparprogramm mit den Gläubigern einigt, um die schon eingetretene Zahlungsunfähigkeit des Landes abwenden zu können.

+++ 13:00 Uhr: Kurz: Tsipras muss handeln +++

Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) und sein niederländischer Amtskollege Bert Koenders haben am Donnerstag im Schuldenstreit den griechischen Premier Alexis Tsipras zum Handeln aufgefordert. "Es müssen bis Sonntag ordentliche Vorschläge auf den Tisch, damit die EU unterstützend wirken kann", sagte Kurz nach einem Treffen mit Koenders in Wien.

Der niederländische Sozialdemokrat sah ebenfalls die griechische Regierung am Zug: "Wir können vorerst nur abwarten." Kurz sprach von einer "dramatischen" Lage. Wenn die Syriza-Regierung von Tsipras nicht bis zum EU-Sondergipfel am Sonntag "vernünftige" Reformideen präsentiere, drohe "eine schlimme humanitäre" Situation. "Das kann sich niemand wünschen."

+++ 12:50 Uhr: Reformpaket bis zu 12 Mrd. Euro wert +++

Das griechische Sparpaket sieht nach Informationen der Athener Finanzpresse erhebliche Mehrbelastungen der Tourismusbranche vor. So solle die Mehrwertsteuer im Bereich Hotellerie von 6,5 auf 13 Prozent und im Gastronomiebereich von 13 auf 23 Prozent steigen, berichtete das Blatt "Naftemboriki" am Donnerstag. Das Reformpaket habe einen Wert von 10 bis 12 Mrd. Euro.

+++ 12:45 Uhr: Guter Wille reicht nicht +++

Der luxemburgische Premier und EU-Ratsvorsitzende Xavier Bettel forderte am Donnerstag neuerlich den griechischen Regierungschef Alexis Tsipras auf, konkrete Vorschläge zu liefern. "Guter Wille reicht nicht. Wir brauchen Entscheidungen, wir brauchen Vorschläge", so Bettel bei einem gemeinsamen Auftritt zu Beginn des luxemburgischen Ratsvorsitzes mit EU-Ratspräsident Donald Tusk.

Gleichzeitig meinte Bettel, angesichts der Situation sei es heute notwendiger denn je, Brücken zu bauen. Nur bei einer Zusammenarbeit aller könne es eine win-win-Situation geben, sonst gebe es nur eine loose-loose-Situation. Wesentlich sei jedenfalls, dass Tsipras, mit dem er in den nächsten Stunden nochmals reden werde, konkrete Vorschläge mit "prior actions" bringe. Zumindest müsse klar sein, in welche Richtung es gehe. "Das muss am Papier von der griechischen Regierung fixiert werden. Es ist nicht mehr Zeit für Diskussionen, wir müssen zu Entscheidungen kommen".

+++ 12:25 Uhr: Grexit" wäre ein großer Fehler +++

EU-Währungskommissar Pierre Moscovici hat in der Schuldenkrise umfassende und konkrete Reformvorschläge aus Griechenland gefordert. "Es ist heute unerlässlich (...), dass diese Reformen auf dem Tisch liegen", sagte der Franzose am Donnerstag dem französischen Sender France Inter.

Die Frist zur Vorlage endet nach Angaben der EU-Kommission um Mitternacht. Falls es kein vollständiges Paket aus Athen gebe, drohten große Schwierigkeiten, erklärte Moscovici. Falls die Reformen hingegen ausreichten, sei es möglich, mit den Geldgebern zu einer Vereinbarung zu kommen.

+++ 12:18 Uhr: Tsipras sucht Mehrheit +++

Der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras sucht nach Wegen, eine mögliche Einigung mit den Geldgebern über ein Hilfspaket durch das Parlament zu bringen, ohne einen Bruch des Regierungslagers zu riskieren. Wie eine Agentur am Donnerstag aus Regierungskreisen erfuhr, will Tsipras die Abgeordneten seines Linksbündnisses SYRIZA ohne Fraktionszwang nach ihrem Gewissen abstimmen lassen.

Vertreter des linken SYRIZA-Flügels hatten angekündigt, in jeden Fall gegen ein neues Sparprogramm zu votieren. Insider erwarten bis zu 30 Abweichler. Mit einem Verzicht auf den Fraktionszwang würde der Regierungschef es verhindern, dass es zu einem offenen Bruch im Regierungslager komme, hieß es.

+++ 12:00 Uhr: "Drachme ist kein Thema" +++

-Die griechische Regierung arbeitet unter Hochdruck an neuen Spar- und Reformvorschlägen, um einen drohenden Ausstieg aus der Währungsunion zu verhindern. "Die Drachme ist kein Thema", sagte der Sprecher der Parlamentsfraktion der Linkspartei Syriza, Nikos Filis, im griechischen Fernsehen.
Athen werde ein Abkommen unterzeichnen, das sozial gerecht sein werde. Das sei die Absicht der Regierung, hieß es.

+++ 11:20 Uhr: EZB-Chef zweifelt an Einigung +++

EZB-Präsident Mario Draghi hat sich kurz vor Ablauf des Ultimatums der Gläubiger an Griechenland skeptisch zu den Aussichten auf eine Einigung gezeigt. Die Griechenlandkrise sei zunehmend schwieriger zu lösen, sagte Draghi am Donnerstag vor italienischen Journalisten in Rom.

Auf die Frage, ob der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) an eine Einigung glaube, zitierten die Zeitungen "Il Sole 24 Ore" und "Corriere della Sera" Draghis Antwort übereinstimmend: "Ich weiß es nicht. Diesmal ist es wirklich schwierig."

+++ 10:40 Uhr: Noch jahrelang Hilfe nötig +++

Griechenland wird aus Sicht des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) noch lange Hilfe von außen brauchen - ob mit oder ohne Euro. "Wir dürfen uns nicht der Illusion hingeben, dass Deutschland mit einem Scheitern der Verhandlungen besser leben kann", sagte DIW-Präsident Marcel Fratzscher der Deutschen Presse-Agentur in Berlin.

"Griechenland wird über Jahre auf europäische Hilfe angewiesen sein, und wenn es humanitäre ist", so Fratzscher. Im Schuldenstreit bleiben Athen nur noch wenige Tage für einen Kompromiss. Die Europartner haben eine Frist bis Ende dieser Woche gesetzt. "Es wird irgendwann einen Deal geben", zeigte sich Fratzscher gewiss. "Die Frage ist nicht ob, sondern wann. Je länger es dauert, desto schmerzhafter wird es für die Griechen." Eine weitere Verzögerung könne zu einem kompletten Bankenzusammenbruch führen.

Für die nächsten zwei Jahre hält der Ökonom ein drittes Hilfsprogramm mit einem Volumen von 30 bis 40 Milliarden Euro für den griechischen Staat für nötig. Außerdem sei ein zweistelliger Milliardenbetrag für die griechischen Banken notwendig. "Perverserweise ist ein drittes Programm durch die griechische Verhandlungsstrategie unausweichlich geworden. Denn die griechische Regierung hat die Wirtschaft vor die Wand fahren lassen."

Der DIW-Chef warnte vor einem Euro-Ausstieg Athens. "Der "Grexit" ist die absolut schlechteste Option für alle. Der würde Griechenland in eine fünf bis zehn Jahre dauernde Depression stürzen. Und die deutschen Steuerzahler würden deutlich mehr Geld abschreiben müssen."

+++ 9:55 Uhr: Faymann gibt Erklärung zur Griechenland-Krise ab+++

Für Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) hat die griechische Regierung das Schicksal ihres Landes selbst in der Hand. Vorzulegen habe sie nun ein echtes Reformprogramm, und nur wenn dieses glaubwürdig sei, seien die anderen Euroländer bereit, über Brückenfinanzierungen zu reden, stellte der Kanzler am Donnerstagvormittag in seiner Erklärung vor dem Nationalrat klar.

Dass es mit Sonntag, dem Ablaufen des jüngsten EU-Ultimatums an Griechenland, zu einem Ende "in Hollywood-Manier" kommen werde und man die ganze Sache abhaken könne, brauche niemand zu erwarten. Faymann zeigte sich aber durchaus bereit, "offenen Herzens" und mit tiefer Überzeugung an einem neuen Hilfsprogramm für Griechenland mitzuwirken. Voraussetzung dafür sei aber, dass Athen eine Ernsthaftigkeit mit seinen Vorschlägen an den Tag lege, die in den letzten Monaten gefehlt habe.

Dass die Griechen vor ihrem Referendum aus dem Verhandlungsprozess ausgestiegen seien, bezeichnete der Bundeskanzler als "Fehler". Denn eine Fortsetzung des laufenden Programms wäre viel leichter gewesen, als ein neues ins Leben zu rufen. Dass man überhaupt noch daran denke, Hilfsprogramme für Athen zu schnüren, begründete Faymann damit, dass die Krise die Falschen getroffen habe, nämlich jene, die krank oder arbeitslos seien. Andererseits sei aber auch zu verstehen, dass Länder, wo Steuergesetze zu 97 Prozent eingehalten werden, nicht gerne für einen Staat zahlen wollten, wo nur 50 Prozent oder weniger ihre Abgaben leisteten.

+++ 9:25 Uhr: Geldautomaten bis Montag gefüllt +++

Die Geldautomaten der griechischen Banken können der Chefin des griechischen Bankenverbandes, Louka Katseli, zufolge noch bis Montag gefüllt werden. "Wir wissen, dass alles bis Montag gesichert ist", sagte Katseli am Donnerstag dem Sender Skai TV. Die Hellas-Banken bleiben angesichts der schweren Finanzkrise mindestens bis Freitag geschlossen. Kunden können derzeit maximal 60 Euro am Tag abheben.

+++ 8:45 Uhr: Luxemburgs Finanzminister warnt+++

Griechenland muss nach Ansicht des luxemburgischen Finanzministers Pierre Gramegna dringend seine Reformvorschläge vorlegen. Sie seien sehr enttäuscht gewesen, dass die Vorschläge noch immer nicht auf dem Tisch lägen, sagte Gramegna am Donnerstag im ZDF-"Morgenmagazin". Die Zeit laufe ihnen weg, auch für die Bevölkerung und die Wirtschaft. "Die Lage wird jeden Tag schlimmer."

"Wir brauchen die Vorschläge und müssen sie analysieren", sagte Gramegna. Die Maßnahmen müssten verbindlich seien und auch im griechischen Parlament diskutiert werden. "Und zwar schnell." Eine Diskussion über eine Umschuldung hält er für möglich: "Umschuldung ist ein Thema, das man vielleicht, vielleicht im Rahmen eines Gesamtpakets diskutieren kann." Er meine keinen Schuldenschnitt, verdeutlichte er auf Nachfrage.

+++ 7:35 Uhr: Schulden umstrukturieren +++

Die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, hat erklärt, Griechenland brauche eine Umstrukturierung seiner Schulden. Der IWF bleibe bei Griechenland vollständig eingebunden. Das Land könne vom IWF aber keine Sonderbehandlung erwarten. Der Währungsfonds könne seine Regeln nicht zurechtbiegen, kommentierte Lagarde die "akute Krise" in der Eurozone. "Griechenland ist in einer Situation der akuten Krise, die man ernsthaft und sofort angehen muss." Der IWF sei "voll engagiert", eine Lösung zu finden.

+++ 7:25 Uhr: Banken droht Schließung +++

Auch bei einer Einigung im Schuldenstreit könnte Insidern zufolge ein Umbruch für die angeschlagenen griechischen Banken anstehen. Mehrere große Institute müssten wohl geschlossen werden und mit stärkeren fusionieren, sagten mit den Überlegungen vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters.

Einer der Insider sagte, am Ende könnten von den vier großen Geldhäusern National Bank of Greece, Eurobank, Piraeus und Alpha Bank noch zwei bestehen bleiben. Einem zweiten Insider zufolge sind zwar Fusionen von Banken notwendig. Ein Umbau der Branche könne aber über eine längere Zeit hinweg erfolgen.

+++ Grexit für Eurozone verkraftbar +++

Ein Ausstieg Athens aus der Eurozone ("Grexit") wäre in erster Linie für Griechenland problematisch, weniger für die Eurozone, hieß es aus dem österreichischen Finanzministerium. "Sollte es zu keiner Einigung kommen, so werden die Ansteckungsgefahren für die Eurozone als gering eingeschätzt", teilte eine Sprecherin mit.

Auf Ebene der EU-Mitgliedstaaten seien bereits in enger Zusammenarbeit mit der Kommission umfassende Vorbereitungen getroffen, um die Finanzmarktstabilität für diesen Fall sichern zu können. "Sowohl Europa als auch Österreich würden es v.a. aus finanzpolitischer Sicht verkraften", hieß es. Allerdings sei es "das vorrangige Ziel der Institutionen, Euro-Finanzminister und Staats-und Regierungschefs zu einer gemeinsamen Lösung zu gelangen".

Griechenland hat einen dreijährigen Kredit beim Rettungsfonds ESM beantragt. Vorschläge zu Reformen sollen bis heute, Donnerstag, Mitternacht an die Eurogruppe.

Kommentare

christian95 melden

Beim 2. Hilfspaket wurde verbindlich vereinbart: Griechenland bekommt erst ein 3 Hilfspaket wenn es entsprechende Reformen durchführt. Nichts ist geschehen! Trotzdem reden die Bonzen in Brüssel über weitere Mrd.2008 hatte Griechenland 100 Mrd. Schulden, danach gab es 50% Schuldenschnitt und über 300 Mrd. von den Geldgebern. Heute hat Griechenland 310 Mrd. Schulden. - Und Österreich verliert 11 Mrd

christian95 melden

Es geht aber noch blöder!
Die Griechen werden gefragt und dürfen abstimmen ob sie weitere Reformen wollen. Wir, die Bürger der Geldgeber, werden gar nicht gefragt!
Wir sollten diesen Leute bei der nächsten Wahl dafür die Rechnung präsentieren.

Bill Rizer
Bill Rizer melden

Langsam wäre es überlegenswert, das ESM-Geld zu sparen und ganz einfach Griechenland zu kaufen wenn es bankrott ist. ;)

Bill Rizer
Bill Rizer melden

Danach wird es unter neuer Regierung wieder auf Erfolgskurs gebracht. Klappt in der Privatwirtschaft, klappt vielleicht auch in der EU.

Wird alles noch teurer für Touristen - im Norden sind das ohnehin fast nur mehr Rumänen und Bulgaren, verliert Griechenland eine der letzten sicheren Einnahmequellen! Dann lesen wir wieder, dass sie sich "verschätzt" haben mit den Steuereinnahmen!

Na ist ja eine wunderbare Idee, die Touristen mehr zahlen zu lassen (auf genau das geht ja eine MWST-Erhöhung im Bereich des Hotellerie-und Gastronomie-Bereichs hinaus) - ich komme gerade aus Griechenland, die Hotelmanager klagen jetzt schon über Fluten von Stornos!

christian95 melden

Die Linken in Griechenland lassen das Volk abstimmen ob sie weitere Sparmaßnahmen wollen.
Unser linker Faymann braucht so etwas nicht. Gemeinsam mit der ÖVP erhöhen sie immer wieder die Steuern. - Und haben trotzdem Rekordstaatsverschuldung! Auch bei uns liegt die Wirtschaft danieder, auch bei uns haben immer mehr Menschen keinen Arbeitsplatz...
Aber unsere Regierung importiert jedes Monat

christian95 melden

zusätzliche Arbeitslose.
Die Linken in Griechenland investieren in das Heer, bei uns wird das Heer von Linken kaputt gespart.

Die Griechen sind auch nicht gewillt Steuern zu erhöhen und Ausgaben zu senken. Unsere Regierung schafft das in einem Monat. Aus welchem Grund sollte ich persönlich für die Blödheit der Griechen haften? Frau Minister wo ist die monatliche Versprochen Zinszahlung hin?

parteilos melden

Wie kann man so etwas dem Steuerzahler erklären? Wir bekommen keine Steuerentlastung, keine Pensionserhöhung und alles wird teurer da die Kosten steigen. Diese Kosten sind Haftungen und Zahlungen für Griechenland. Es bedeutet die Griechen leisten sich ein ATomuboot und der ÖsiPensionist muss dafür zahlen!

christian95 melden

So wie die Griechen dürfen wir bei der nächsten Wahl darüber abstimmen:
Wahltag ist Zahltag!
(Wir brauchen uns nur Politiker wählen die so einen Schwachsinn nicht unterstützen.

Als Draghi noch bei Goldman Sachs war, hat er das Desaster mitausgelöst, jetzt sitzt er in der EZB und soll das Ganze wieder in Ordnung bringen. Eigentlich paradox.

Im 2. Rettungspaket wurde vereinbart: Ein 3. Rettungspaket gibt es nur, wenn Griechenland die vereinbarten Reformen umgesetzt hat.
Nun haben die Griechen mit 2/3 NEIN zu Reformen gesagt und bekommen weiteres Geld.
2008 hatte Griechenland 100 Mrd. Schulden
Nun haben sie 50% Schuldenerlass erhalten und knapp 270 Mrd. Steuergeld und haben 320 Mrd. Schulden.....

„Der dritte Weltkrieg hat bereits begonnen – ein geräuschloser, aber deshalb nicht weniger unheilvoller Krieg. Es ist ein Krieg um die Auslandsschulden. Seine schärfste Waffe ist der Zinssatz, und sie ist tödlicher als die Atombombe.“

Unser Geld bedingt den Kapitalismus, den Zins, die Massenarmut, die Revolte und schließlich den Bürgerkrieg, der zur Barbarei zurückführt. Wer es vorzieht, seinen eigenen Kopf etwas anzustrengen statt fremde Köpfe einzuschlagen, der studiere das Geldwesen.
Silvio Gesell (1862-1930), Kaufmann, Sozialreformer und Begründer der Freiwirtschaftslehre. Geld oder Krieg (1912)


Seite 1 von 2