Tibet-Zentrum sorgte für Wirbel: Kärntner Landesregierung stritt über Finanzierung

22,5 Mio.-€-Finanzierung lange Zeit auf der Kippe Schaunig sah "unverantwortlichen Dilettantismus"

Das geplante Tibet-Zentrum in Hüttenberg sorgte im Vorfeld für Wirbel in der Kärntner Landesregierung. Bevor der Dalai Lama höchstpersönlich den Grundstein für das rund 22,5 Millionen Euro teure Projekt legen soll, stand die Förderung lange Zeit auf der Kippe. SPÖ und ÖVP verweigerten dem von Landeshauptmann Jörg Haider vorgelegten Akt Anfang der Woche die Zustimmung, letzten Endes wurde er allerdings einstimmig abgesegnet.

Grundsätzlich begrüßen alle Parteien das Tibet-Zentrum im Heimatort Heinrich Harrers als Chance, soll es doch mit angeschlossenem Hotel Zigtausende Gäste in die strukturschwache Region bringen. Umso empörter zeigte sich SP-Chefin Gaby Schaunig über den "unverantwortlichen Dilettantismus", mit dem es vorbereitet werde. Ähnlich VP-Obmann Josef Martinz: "Es sind wesentliche Fragen überhaupt nicht abgeklärt." Beide kritisierten, dass der entsprechende Akt zu spät vorgelegt worden sei.

Haider baute Aufsichtsrat der Tourismusholding um
Martinz und Schaunig monierten, dass die Kärntner Tourismusholding (KTH), über die die Acht-Millionen-Beteiligung des Landes abgewickelt werden soll, derzeit blockiert sei. Haider hatte im März dieses Jahres den Aufsichtsrat der Holding verkleinert, vier Aufsichtsräte abgesetzt und BZÖ-Nationalrat Josef Bucher zum neuen Vorsitzenden gewählt. Die "alten" Aufsichtsräte haben dagegen rechtliche Schritte eingeleitet. Martinz sieht die "Funktionsfähigkeit" der KTH in Frage gestellt. Haider hat dazu betont, dass das Land die Haftung für die Beteiligung übernehme, daher könne auch er als Eigentümer alleine entscheiden.

Weiterer Kritikpunkt ist die Gesamtfinanzierungsstruktur. Die Rogner-Gruppe als künftige Betreibergesellschaft trage 1,1 Millionen Euro bei. Dem stünden die acht Millionen Euro des Landes, sechs Millionen Euro über den Kärntner Wirtschaftförderungsfonds (KWF), weitere sechs Millionen über die Bundes-Förderbank aws und 500.000 Euro von der Gemeinde Hüttenberg gegenüber. Zudem seien die Baukosten laut aws "nicht einzuhalten". "Die Kostenüberschreitungen müssen auf jeden Fall zu Lasten der Firma Rogner gehen", so Martinz.

Haider hat indes betont, dass die zwölf Millionen Euro von KWF und aws in Form eines Kredites geleistet werden. Dieser müsse von Rogner nach einer tilgungsfreien Zeit von fünf Jahren verzinst an Bund und Land zurückgeführt werden. Der Geschäftsführer Bundes-Förderbank aws (austria wirtschaftsservice) hat Aussagen zurückgewiesen, wonach die aws von einer Überschreitung der Baukosten ausgehe. Davon sei "keine Rede"; sagte aws-Geschäftsführer Horst Bednar zur APA.

Die aws habe unter Beizeihung eines Bauspezialisten ein Gutachten verfasst. "Da steht drin: Die Kosten sind realistisch und innerhalb der schätzbaren Breite", so Bednar.
(apa)