Thomas Vanek, fünftbester NHL-Torschütze:
Österreichs erster Eishockey-Star von Welt

Mit 14 Jahren alleine nach Amerika ausgewandert NHL-Durchbruch in zweiter Saison für Buffalo Sabres

Thomas Vanek, fünftbester NHL-Torschütze:
Österreichs erster Eishockey-Star von Welt

Thomas Vanek gilt längst als bester österreichischer Eishockey-Spieler der Geschichte. Jetzt beendete der 23-Jährige den Grunddurchgang der NHL mit 43 Toren als fünftbester Torschütze und als Gewinner der Plus/Minus-Wertung der stärksten Liga der Welt. Vanek, der mit 14 Jahren alleine nach Amerika gegangen war, hat sich also nicht nur seinen Traum NHL erfüllt, sondern sich in seinem zweiten Jahr bei den Buffalo Sabres als einer der besten Spieler der Liga etabliert.

Der in Baden bei Wien geborene Vanek hat das Eishockey-Gen im Blut. Sein Vater Zdenek, der mit seiner Mutter Jarmila 1982 aus der Tschechoslowakei nach Österreich gekommen ist, war selbst Profi. Zdenek Vanek spielte in Zell/See und Graz, wo auch Thomas seine ersten Schritte auf dem Eis machte. Bereits in sehr frühen Jahren war die NHL das Ziel des Talents, das schon im Nachwuchs Tore und Rekorde verbuchte.

Im All-Star-Team beim Pee-Wee-Turnier
International aufmerksam wurden die Scouts, wo auch andere Eishockey-Stars wie etwa Wayne Gretzky ihre ersten Eindrücke hinterlassen hatten: Beim Pee-Wee-Turnier in Quebec, dem größten Nachwuchsturnier der Welt. 1998 schoss sich Vanek mit 21 Toren in 14 Partien als erster Österreicher ins All-Star-Team, worauf sich kanadische Zeitungen an den jungen Mario Lemieux erinnert fühlten.

Mit 14 alleine nach Amerika
Die Tür nach Amerika war damit offen. Vanek ging mit 14 Jahren alleine und mit nur sehr bescheidenen Englisch-Kenntnissen nach Übersee. Er begann 1998/99 bei den Lacoka Wolves in der AAA-Liga Kanadas (76 Tore, 36 Assists in 40 Spielen), und spielte von Dezember 1999 bis Ende 2001/02 in der höchsten Junioren-Liga der USA (USHL) für Sioux Falls Stampede. 2001/02 schoss sich der linke Flügel dort mit 46 Treffern und 91 Scorer-Punkten in die Klub-Rekordbücher und stand danach vor einer beneidenswerten Qual der Wahl.

Auch Slowakei war interessiert
In mehrfacher Hinsicht. Die Eishockey-Großmacht Slowakei zeigte Interesse an Vanek, dessen Mutter aus der Slowakei stammt, und lud ihn im Sommer 2001 zu einem Trainingslager ein. Doch das Talent blieb seiner Heimat Österreich erhalten, nachdem ihn der damalige Nachwuchs-Teamchef Greg Holst in die ÖEHV-Auswahl berufen hatte.

Studium in Minnesota
Zudem wollten mehrere Unis Vanek, der sich schließlich für Minnesota entschied, wo er ein Stipendium über 33.000 Dollar erhielt. Der Traditionsbruch der Uni, die mit dem Österreicher erstmals in ihrer Geschichte einen Europäer verpflichtet hatte, sollte sich auszahlen. Als "freshman" (Student im ersten Jahr) führte er die "Golden Gophers" 2002/03 zum College-Titel und wurde zum "Rookie of the year" der WCHA-Liga gewählt. Im Halbfinale und Endspiel des US-weiten Finalturniers erzielte er jeweils den Entscheidungstreffer und wurde als "Most Outstanding Player" des Turniers geehrt.

Damals beim Finalturnier als Zuschauer auf der Tribüne der HSBC-Arena von Buffalo: Lindy Ruff, Chefcoach des dort ansässigen NHL-Klubs Buffalo Sabres. Wenige Monate später sicherten sich die Sabres die Rechte an Vanek. Beim NHL-Draft am 21. Juni 2003 wählte Buffalo Vanek als Nummer fünf, womit erstmals ein Österreicher in der ersten Runde gedraftet wurde. Der Steirer kehrte allerdings für ein weiteres Jahr an die Uni zurück, unterschrieb schließlich im Sommer 2004 einen Dreijahres-Vertrag mit 950.000 Dollar Jahresgehalt für Buffalo.

Bester Scorer Österreichs
Die österreichischen Fans hatten sich wenige Wochen davor ein Bild des enormen Potenzials von Vanek machen können. Bei der A-WM in Prag spielte die ÖEHV-Auswahl mit einem Sieg gegen Frankreich und mitreißenden Leistungen bei den Unentschieden gegen Kanada und Schweiz wohl die beste Vorrunde der jüngeren Geschichte, Vanek wurde letztlich mit 2 Toren und 5 Assists bester Scorer der Österreicher.

Im "Rookie Team des Jahres"
Auf Grund des Gehaltsstreits (lockout) und des Ausfalls der gesamten NHL-Saison absolvierte Vanek sein erstes Profi-Jahr im Farmteam Rochester Americans in der AHL, wo er ebenfalls voll einschlug. Mit 42 Toren war er zweitbester Torschütze der gesamten Liga, er stellte den Klub-Rekord für einen Liga-Neuling ein und wurde ins "Rookie Team des Jahres" nominiert.

NHL-Debüt
Schließlich kam Vanek am 5. Oktober 2005 zu seinem Debüt in der NHL. Die Umstellung auf das Spiel der Besten verlief aber mit Höhen und Tiefen: Der Torjäger musste bis zu seiner 14. Partie warten, ehe er am 9. November gegen die Carolina Hurricanes seinen ersten NHL-Treffer erzielte (und gleich einen zweiten folgen ließ). In 81 der 82 Spiele des Grunddurchgangs kam der ÖEHV-Stürmer zum Einsatz, mit 25 Treffern war er zweitbester Torschütze der Sabres.

Doch das Offensivtalent war noch nicht der komplette Spieler, den Ruff stets sehen will. Als die Sabres im Playoff bis ins Conference-Finale vorstießen, in dem erst im entscheidenden siebenten Spiel gegen den späteren Stanley Cup-Sieger Carolina Endstation war, saß Vanek meist auf der Tribüne.

Ziel: Stanley Cup
Doch der ehrgeizige Stürmer zog die richtigen Lehren daraus: Vanek arbeitete im Sommer in seiner Wahlheimat Minneapolis an seiner Fitness. Er kam leichter und schneller zurück und arbeitet auch defensiv besser. Der Lohn waren mehr Eiszeit und Tore en masse. Mit 43 Toren war er die Nummer fünf der gesamten Liga, zudem gewann er mit der Plus/Minus-Wertung als erster Österreicher eine bedeutende Statistik in der NHL.

Doch die beeindruckende Bilanz des Grunddurchgangs beim besten Team der Liga soll nur eine Zwischenstation auf dem Weg zum großen Ziel sein: Dem Gewinn des Stanley Cups, der begehrtesten Trophäe im Eishockey. Und diesmal will Vanek auch im Playoff beweisen, dass er mittlerweile zu den besten Spielern der Welt gehört.

(apa/red)