Thomas Vanek kritisiert Eishockey-
Verband: "Wie bei Sommer-Hockeycamp"

NHL-Star über Betreuungsumfeld im Nationalteam Auch Trattnig vor WM unzufrieden - Mion kalmiert

Thomas Vanek kritisiert Eishockey-
Verband: "Wie bei Sommer-Hockeycamp" © Bild: GEPA

NHL-Star Thomas Vanek hat sich kritisch zum Betreuungsumfeld im österreichischen Eishockey-Nationalteam geäußert, sein mögliches Mitwirken bei der Weltmeisterschaft (29. April bis 15. Mai) aber dennoch nicht ausgeschlossen. "Ich selbst bin und war immer stolz, für Österreich zu spielen, die Zustände im Verband machen es einem aber leider nicht immer einfach. Man kommt sich da oft vor wie bei einem Sommer-Hockeycamp und nicht wie bei einem Nationalteam", schrieb der derzeit mit den Buffalo Sabres noch im Play-off-Einsatz stehende Steirer auf seiner Homepage.

Trotz dieser "Zustände" schließt er sein Antreten bei der WM nicht aus. "Ob ich heuer zum Team komme, kann ich wirklich noch nicht sagen, denn ganz ehrlich, habe ich mir darüber noch gar keine Gedanken gemacht. Derzeit gilt meine ganze Konzentration den Sabres und dem Aufstieg in die nächste Play-off-Runde", so Vanek.

Negativ beurteilte Vanek im ÖEHV-Team das Fehlen von Betreuungspersonal. "Das ist noch nicht das Schlimmste, wirklich schlimm ist es, dass es auch am Personal fehlt. Ein Physiotherapeut und ein Zeugwart für eine Nationalmannschaft sind einfach zu wenig", so Vanek. Der Buffalo-Stürmer bemängelte auch das Fehlen von "Basics", wie einheitliche Trainingskleidung.

Mion weist Kritik zurück
Österreichs Teammanager Giuseppe Mion wies die Kritik, die gleichlautend auch schon Matthias Trattnig geäußert hatte, zurück. "Wir machen mit dem Budget alles was uns möglich ist. Wir sind offen für Verbesserungsvorschläge, aber die Mittel sind begrenzt. Wir können nicht alles umsetzen. Das Thema ist vor zwei Jahren bei der WM in der Schweiz aufgebrochen, es hat damals von zwei, drei Spielern Kritik gegeben. Wir sind damals auf die Wünsche eingegangen", erläuterte Mion.

Im Vorjahr bei der B-WM, an der Vanek nicht teilgenommen hatte, habe es keinerlei Beschwerden gegeben, so Mion. Selbstverständlich nehme er die aktuelle Kritik ernst, nachvollziehen könne er sie allerdings nicht. "Die Arbeit der Betreuer ist sehr professionell. Wir fahren beim Verband den Standard, der in der A-Gruppe einheitlich gefahren wird. Andere Nationen arbeiten bis auf kleine Abweichungen gleich wir wir", betonte Mion im Gespräch mit der APA. Bei den jüngsten Teamzusammenkünften, an denen weder Vanek noch Trattnig teilgenommen hatten, habe er keinerlei unzufriedene Spieler erlebt. Auch der Physiotherapeut, der Teamarzt und der Zeugwart fühlten sich keineswegs überfordert.

Mit Trattnig habe er sich nach dessen Kritik bereits unterhalten. Der Salzburg-Verteidiger solle sich über Ostern mit den Teamkollegen besprechen, dann werde es dann eine weitere Aussprache über etwaige Verbesserungsvorschläge geben.

"Muss jetzt Ruhe in die Mannschaft kommen"
"Im Moment hat sich nur er so geäußert. Das kommt vor der WM aber natürlich zum schlechtesten Zeitpunkt. Ich möchte das jetzt aber nicht weiter kommentieren, es muss jetzt Ruhe in die Mannschaft kommen. Ich hoffe, dass die Aussprache fruchtet", sagte der Kärntner. Mion stellte klar, dass die Möglichkeiten des Nationalteams aufgrund der begrenzten Mittel nicht mit jenen der finanzstarken Clubs, wie Meister Red Bull Salzburg, zu vergleichen sei.

Mit Vanek wolle er sich nach dessen Saisonende in der NHL über dessen Kritikpunkte unterhalten. Der Steirer betonte, dass man das von den Spielern geforderte professionelle Auftreten auch vom Verband erwarten müsse. "Wir wollen ja kommen und gut spielen, aber man macht es uns nicht wirklich leicht", meinte Vanek, der sich auch auf seiner Meinung nach undurchsichtige Finanzgebarung des Verbandes einschoss. "Wir können nicht beurteilen, wo das Geld hinfließt, ob wirklich alles dorthin fließt, wohin es fließen sollte. Es ist aber bedenklich, wenn vergleichbare Nationen wie Norwegen so viel besser dastehen als wir", erklärte der Steirer.

(apa/red)