Thomas Anders von

"Modern Talking"-Ex rechnet ab

Der Neo-Autor im Interview mit NEWS über seine Autobiografie und Dieter Bohlen

Thomas Anders - "Modern Talking"-Ex rechnet ab © Bild: APA/EPA/Verlag

Thomas Anders sprach mit NEWS über seine Biografie, warum sein ehemaliger Musik-Kollege Dieter Bohlen darin gar nicht gut wegkommt und ein (un)mögliches Modern Talking-Comeback.

News: Modern Talking hat sich vor acht Jahren getrennt. Sie sind glücklich verheiratet, haben einen Sohn, ein Vermögen verdient und könnten eigentlich ihr Leben genießen. Was hat sie ausgerechnet jetzt zu einer Abrechnungs-Biografie bewogen?
Thomas Anders: Ich moderiere, produziere und jetzt bin ich eben Autor. Das gehört für jemanden, der sich gerne kreativ auslebt dazu. Ich habe ein Jahr lang dran geschrieben.

News: Dieter Bohlen kommt im Buch nicht sehr gut weg. Was müsste passieren, damit Sie einem Comeback von Modern Talking zustimmen?
Anders: Ich kann mir das unter gar keinen Umständen vorstellen. Nicht etwa, weil das zweite Comeback falsch war, im Gegenteil, es war super erfolgreich. Aber das Publikum würde uns nicht noch mal glauben. Der Hauptgrund ist, dass Dieter Bohlen und ich uns nicht so super verstehen. Ich könnte nicht mehr auf die Bühne gehen und so tun, als wäre alles super zwischen uns.

News: Im Buch finden Sie harte Worte für ihren ehemaligen Partner: „Insgeheim glaube ich fast, dass bei Dieter zwei Drähtchen im Kopf nicht richtig zusammengelötet sind.“ Wie äußert sich das?
Anders: Dieter ging mit Menschen oft sehr respektlos um. Ich war in vielen Situationen dabei, die ich als feinfühliger Mensch nicht nachvollziehen konnte.

News: Sie diagnostizieren ihm ein übergroßes Ego.
Anders: Ja.

News: Sie haben das Buch beinahe zeitgleich mit dem Start von Bohlens „Supertalent“ veröffentlicht. In der ersten Sendung gaben zwei Männer vor, mit ihren Penissen Klavier zu spielen. Wieso gibt sich Ihr Ex-Bandkollege für so eine Trash-Show her?
Anders: Ich habe von den Pianisten gehört, aber ich gucke mir solche Sendungen nicht an, dafür ist mir meine Zeit zu schade. Da mache ich lieber etwas Schönes mit der Familie. Natürlich ist das eine Trash-Show, da müssen wir uns nichts vormachen. Aber ich würde Dieter Bohlen nicht verurteilen, dass er solche Shows macht, weil er damit sein Geld verdient, sondern vielmehr die Menschen, die sich das ansehen.

News: Hat Bohlen das notwendig? Er könnte ja auch sein Geld mit der Musik verdienen.
Anders: Mit Musik verdient man lang nicht mehr so viel wie früher. Man macht nur über Shows Geld. Dieter Bohlen musste sich ein anderes Podium suchen, denn alleine auf der Bühne stehen kann er nicht. Also macht er etwas ganz anderes, was gerade bei den Leuten ankommt. Er hat ein erfolgreiches Format aus dem Ausland nach Deutschland geholt, deshalb braucht er die Musik nicht mehr. Mal ehrlich, es ist nicht Dieter Bohlens Musik, die ihn zur Nummer eins macht, sondern das Marketing. Das ist aber clever gemacht.

News: Könnten Sie sich vorstellen, selbst eine Castingshow zu machen?
Anders: Castingshows sind inflationär. Ich würde das sicher anders machen. So viele Talente gibt es doch gar nicht. Wenn zwei Männer im deutschen Fernsehen mit ihrem Pimmel Klavier spielen, ist das erstmal shocking für den Zuschauer. Aber was bedeutet das für die Familien der ‚Pianisten’? Am Anfang lacht man sich über so eine Nummer vielleicht schlapp, aber dann wird’s schnell ekelig.

News: Wie erklären Sie sich den Hype um Dieter Bohlen und seine fiesen Sprüche als Juror?
Anders: Dass Bohlen nett rüberkommt, macht die Fernsehshow. Die Leute, die mit ihm zusammenarbeiten, sehen das anders. Die wissen ja, wie er ist. Wenn man ihn im Fernsehen sieht, denkt man, er ist witzig. Wenn man ihn privat kennt, ist er es nicht. Das Einzige was mich daran nervt, ist, dass er tatsächlich von sich selbst glaubt, dass er ein netter Kerl ist. Vielleicht hilft ihm mein Buch als Therapie, damit er mal über sich nachdenkt und sieht, dass es so nicht geht.

News: Hat sich Bohlen nach Erscheinen des Buches bei Ihnen gemeldet?
Anders: Nein, das würde er nie tun. Er hat nur im Fernsehen den Inhalt des Buches bestritten.

News: Ihrer Bio ist auch zu entnehmen, dass Sie scheinbar besser mit starken Frauen umgehen als ihr ehemaliger Wegbegleiter. Woran liegt das?
Anders: Ich mag es, mit einer starken Partnerin umzugehen. Das fordert heraus, da gibt es Reibungspunkte, an denen man wächst. Dieter Bohlen wächst nur an sich. Der möchte keine Kritik hören, weder von Frauen, noch von Männern. Ich habe starke Freundinnen von ihm miterlebt, diese Episoden waren in wenigen Wochen vom Tisch. Die Frauen haben sich getrennt.

News: Auch das Geld scheint bei Modern Talking eine große Rolle gespielt zu haben, speziell für Dieter Bohlen. Hat sich das verändert? Und welches Verhältnis haben Sie heute zu Geld und Luxus?
Anders: Für Dieter war Geld immer schon sehr wichtig. Das hatte immer Vorrang. Natürlich verdient jeder gerne Geld. Ich arbeite sehr viel, mein Job macht mir unheimlich viel Spaß und ich bin auch erfolgreich damit. Ich hab ein sehr relaxtes Auskommen. Aber ich würde nicht der Versuchung verfallen, für viel Geld etwas zutun, womit ich persönlich nicht leben könnte. Ich lebe ja schon sehr luxuriös und groß. Was soll denn da noch dazukommen? Ich kann mich nur einmal am Tag satt essen oder im 5-Stern-Hotel überachten. Ich habe genug Geld und damit geht’s mir gut, das reicht mir.