Theresa May von

No deal,
no future

Christoph Lehermayr © Bild: News/Ian Ehm

Von allen Seiten bedrängt und in die eine wie andere Richtung hin und her geschubst, wirkt May immer fahriger.

Wer ist derzeit weltweit der Politiker, der am wenigsten um sein Amt zu beneiden ist? Vielleicht Donald Trump, den nun sogar schon Staatschefs vor der UNO- Generalversammlung in New York offen auslachen? Oder Angela Merkel, die es nicht einmal mehr schafft, ihren engsten Vertrauten als Fraktionschef gegen einen unbekannten Hinterbänkler durchzuboxen? Beide wären würdige Anwärter auf den Titel, doch eine Frau stiehlt ihnen die Show im Rennen um den Polit-Job, der direkt aus der Hölle kommt: Theresa May.

Die britische Premierministerin steht mit dem Brexit jeden Tag näher vor einer Aufgabe, aus der sie nur als Verliererin herausgehen kann. Und sie ist selbst schuld daran. Denn was ritt die Frau, vor zwei Jahren beim Referendum zwar für den Verbleib in der EU zu stimmen, dann aber zu glauben, sie sei die Richtige, um als Regierungschefin den Austritt zu verhandeln? In ihrer eigenen Partei, den konservativen Tories, stand sie von Anfang an Gegnern gegenüber, die den radikalen Bruch mit der Union forderten. Genüsslich treiben sie May seither mit dem "Hard Brexit" vor sich her. Nach qualvollem Hin und Her präsentierte sie ihnen den Plan eines Mittelwegs, der die düstersten Folgen des EU-Exits umgehen sollte. Denn eins ist klar: Besser wird es für Großbritannien nach einem vollzogenen Brexit kaum laufen. In den schlimmsten Szenarien drohen stundenlange Staus an den Fährhäfen, Versorgungsengpässe, mas sive Jobverluste und ein auseinanderfallendes Königreich. Bloß: Mays Versuch, sich die Rosinen im künftigen Verhältnis mit Brüssel rauszupicken, scheiterte beim Gipfel in Salzburg glorios. Geschlossen beschieden ihr die 27 anderen, dass sie sich die Träume vom Besten aus beiden Welten gelinde gesagt abschminken könne. "Dreckige EU-Ratten", titelte ihr Boulevard daheim. Doch derlei Derbes vermag Mays eigentliches Problem nicht zu kaschieren: Auch wenn beide Seiten durch den Austritt verlieren, hat sie beim Brexit- Poker die weitaus schlechteren Karten. Denn May will auf alle Fälle eine künftige Grenze zwischen dem britischen Nordirland und der Republik Irland verhindern. Brüssel kann sie aber nur mit dem Scheitern eines Deals drohen, was dann aber genau diese Grenze zur Folge hätte. Zudem läuft May die Zeit davon. Selbst wenn sie bis November eine Lösung für alles unlösbar Wirkende findet, braucht sie eine Mehrheit im Parlament. Was schwierig wird mit den Rebellen in der eigenen Partei und einer Labour-Opposition, die schon von Neuwahlen träumt.

Von allen Seiten bedrängt und in die eine wie andere Richtung hin und her geschubst, wirkt May immer fahriger. Doch wie sagte schon Churchill: Die Kunst ist, einmal mehr aufzustehen, als man umgeworfen wird.

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