Opernkritik von

Der Zauber kam vom Orchester

Opernkritik - Der Zauber kam vom Orchester © Bild: Herwig Prammer

Saisonauftakt mit "Alcina" von Georg Friedrich Händel im Theater an der Wien

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Die Hexe Alcina lebt auf einer einsamen Insel. Wer dort Schiffbruch erleidet, wird von ihr in ein wildes Tier verwandelt. Georg Friedrich Händels Barockoper "Alcina" hätte einen märchenhaften Auftakt im Theater an der Wien geben sollen. Den Zauber aber hat Tatjana Gürbacas Regie gebannt. In grauer Ödnis (Bühne: Katrin Lea Tag) agiert Marlis Petersen, die ausgerechnet am Premierentag realiter einen Hexenschuss erlitt, der aber ihrem ausdrucksstarken Gesang ebenso wenig anhaben konnte, wie die Inszenierung. Viel mehr als eine ständig rotierende Drehbühne, einen enttäuschten Liebhaber (Melisso, Florian Köfler), der sich aus Eifersucht auf Alcinas Schwester Morgana, das Herz aus der Brust schneidet (unnötiges Theaterblutverschwendung!), hatte Gürbaca nicht vorzuweisen. Mirella Hagen frischte das Nicht-Geschehen stimmlich und darstellerisch als Morgana auf. Counter-Tenor David Hansen mühte sich durch die Koloraturen, Katarina Bradic überzeugte eindrucksvoll intonierend als Bradamante. Rainer Trost gab den Oronte solide. Vom Arnold Schönberg Chor lässt sich nur Gutes berichten.

© Herwig Prammer

Wie ein Kontrapunkt zur Inszenierung mutete Stefan Gottfrieds Dirigat an. Er kehrte am Pult des Concentus Musicus die Konturen der Partitur scharf heraus und sorgte dafür, dass der Zauber dieser Oper nicht ganz verlorenging. Die akkurat tönenden Musiker, des von Nikolaus Harnoncourt gegründeten Ensembles zeigten einmal mehr, wie aufregend man auf Alten Instrumenten musizieren kann.