Theater an der Wien von

Die "Figaro"-Therapie

Oper: Felix Breisach inszenierte Mozarts "Hochzeit des Figaro"

Die Hochzeit des Figaro © Bild: Herwig Prammer

Die Buhrufe für Felix Breisach überraschen nicht. Die bleiben keinem Regisseur erspart, wenn er Verstörendes auf die Bühne bringt. Und verstörend, rätselhaft ist seine Interpretation von Mozarts "Hochzeit des Figaro". Er verlegt das ganz auf seine Zeit bezogene Werk in ein Sanatorium in der Gegenwart. Das Ergebnis: ein psychologischer Geisterreigen durch die Abgründe einer Welt von Schmerz und Verzweiflung.

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Das Szenario könnte von Alfred Hitchcock ersonnen sein: ein düsteres Sanatorium, der Blick durch die Fenster zeigt kahle Bäume in diffusem Novemberlicht, zu ebener Erde ein Holzschreibtisch, Ledersessel, weißgestrichene Spitalsbetten aus Stahl, in der Mitte ein drehbares Therapiezimmer, Couch inklusive. Im ersten Stock, noch mehr Betten, dunkle Holzvertäfelung, eine weiße Stahlwendeltreppe am Bühnenrand. Jens Kilians Bühne wirkt entrisch. Hier wird aus Mozarts Revolutionskomödie Ernst.

Die Hochzeit des Figaro
© Herwig Prammer

Im Zentrum steht Graf Almaviva, der ist bei Breisach Therapeut, Regisseur und Figur in einem. Sein Therapeutikum ist Mozarts „Figaro“. Seine Patienten lässt er „Figaros Hochzeit“ spielen und mischt sich selbst als Graf in das Geschehen. Das wirkt zunächst einfach und praktikabel, entwickelt sich bis zum Ende aber zu einem Geisterreigen erotisch Gestörter. Alessandro Carlettis in jedem Detail durchkomponierte Lichtregie lässt das wie einen Spuk aus einer Zwischenwelt wirken.

Die Hochzeit des Figaro
© Herwig Prammer

Bei Mark Minkowskis Dirigat am Pult seines Orchesters „Les Musiciens du Louvre Grenoble“ herrscht die Rauheit des Originalklangs. Seine Dramaturgie im Graben kommt vor allem am Ende zur Geltung. Klug, dass er die Arien der Marcellina und des Basilio gestrichen hat.

Stéphane Degout, stimmlich und darstellerisch idealbesetzt, zeigt den Grafen als Seelendoktor und triebgesteuerten Zwangsneurotiker in einem.

Die Hochzeit des Figaro
© Herwig Prammer

Anett Fritsch, die für Genia Kühmeier bei den Salzburger Festspielen in der nämlichen Rolle einspringt, gibt eine forsche Gräfin, höhensicher und klar. Alex Exposito singt die Partie des Figaro sehr ordentlich. Emöke Baráths Susanne wirkt angestrengt. Ingeborg Gillebo ließ bei der zweiten Arie des Cherubino erahnen, dass sie über einen schönen, vollen Mezzo-Sopran verfügt.

Marcellina und Basilio sind mit Helene Schneiderman und Peter Kálmán sehr gut besetzt. Gan-ya Ben-Gur Akselrods wohlgefärbter lyrischer Sopran ist schon fast etwas zu viel für die Barbarina.

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