Akademietheater von

Wenn Film zum kraftvollen Bühnenspektakel wird

Kraft erzählt das Leben des Bayernkönigs Ludwig II. nach Motiven von Viscontis Film

Ludwig © Bild: Reinhard Werner/Burgtheater

Das Leben des Bayernkönigs, der vor den Aufgaben des Monarchen in eine Traumwelt floh, verfilmte Lucchino Visconti mit Helmut Berger in der Titelrolle. Bastian Krafts Bearbeitung für die Bühne würdigt das cineastische Meisterwerk in der Verbindung der Genres Film und Theater.

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Wirklich großes Theater kommt mit wenig aus. Das zeigt der junge deutsche Regisseur Bastian Kraft mit „nach dem Film von Lucchino Visconti ,Ludwig II.’“, so der Titel seines Stücks. Drei Darsteller, eine bis auf einen weißen Block leere, dunkle Bühne, ein überdimensionaler Spiegel, der auch als Leinwand dient und eine Kamera sind genug für das kraftvolle Bühnenspektakel. Helmut Berger war Viscontis legendärer Ludwig. Bei Kraft ist es Markus Meyer. Er leiht sein wandelbares Konterfei Politikern, Monarchen, darunter auch seiner Cousine Sophie, die in vorab gefertigten Videos auf den Spiegel, der auch als Leinwand dient, projiziert werden. Die beiden wichtigsten Menschen im Leben des Bayernkönigs, dessen Cousine Kaiserin Elisabeth und Richard Wagner verkörpern energetisch Regina Fritsch und Johann Adam Oest. Visconti besetzte Elisabeth mit Romy Schneider und Richard Wagner mit Trevor Howard, der Wagner authentisch seine Gestalt verlieh. Oest sieht zwar nicht aus wie Richard Wagner, aber er ist es, wenn er auftritt.

Ludwig
© Reinhard Werner/Burgtheater

Kraft lässt Film und Schauspiel ineinander zu einem faszinierenden Amalgam verschmelzen, indem er die Figuren über Vsicontis Film und Sätze daraus sprechen lässt. Meyer ist Bild und Figur zugleich, das mutet zuweilen nahezu surrealistisch an. Und wenn er am Ende in einem dunklen Wasserschacht abtaucht, begreift man, was Beklemmung ist.

Der einzige Makel dieser Aufführung ist das Fehlen von Richard Wagners Musik. Einzelne Szenen werden jäh von elektronischen Akkorden (Arthur Fussy) unterbrochen, die nur vage an Wagners Kompositionen erinnern. Hier überwiegt die Kraft des Bildes.

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