The Strange Case of W. Reich von

Brandauer in Bestform

Star überzeugt in grandiosem Austro-Film und zeigt sich bei Premiere launig

Klaus Maria Brandauer in "The STrange Case of Wilhelm Reich" © Bild: EvaKees/Filmladen Filmverleih

Unter viel Applaus feierte gestern der österreichische Film „The Strange Case of Wilhelm Reich“ seine Premiere im Rahmen der Viennale. Das Wiener Gartenbaukino war voll bis auf den letzten Platz und die Besucher sahen einen trotz komplexen Themas nahezu perfekten dritten Spielfilm von Antonin Svoboda.

Fast gerührt und unter großem Beifall betrat der österreichische Regisseur Antonin Svoboda die Bühne, die wie Hauptdarsteller Klaus Maria Brandauer später in einer launigen Fragerunde behaupten sollte, eigentlich gar keine richtige ist. Es sei etwas besonderes, den Film nun endlich hier präsentieren zu dürfen, der Film, an dem er seit neun Jahren gearbeitet hatte. Spätestens nach diesen Worten wurde etwas Großes erwartet von „The Strange Case of Wilhelm Reich“.

Selbstheilung

Der Film begleitet den Psychoanalytiker Wilhelm Reich in den letzten Jahren seines Lebens. Diese verbringt der in Österreich geborene Arzt in den USA, in die er vor Beginn des zweiten Weltkrieges emigrierte. Dort beschäftige er sich vor allem mit der von ihm begründeten Orgonomie, eine Form von Energie, die den Menschen helfen soll, sich selbst zu heilen. Dafür stellt er sogenannte Orgon-Akkumulatoren (eine Art von Holzkisten) her, in die er seine Patienten (zum Beispiel Frauen, denen es nicht möglich ist, Kinder zu empfangen) setzt, um sie zu heilen. Sogar Einstein zeigt anfangs Interesse an den „Boxes“, wie sie im Film herabwürdigend von dem amerikanischen Geheimdienst genannt werden.

Reich selbst gibt aber die Hoffnung nicht auf, und forscht weiter, um zu helfen. Doch seine revolutionäre Lehre über den Zusammenhang zwischen Macht, Charakterstruktur und Sexualität ist den amerikanischen Behörden ein Dorn im Auge.

Komplexe Faszination

Es ist ein wahrlich komplexes Thema, dem sich Antonin Sovoboda hier angenommen hat. Doch dem Regisseur, sowie Klaus Maria Brandauer als fantastischer Reich, gelingt es schnell, in den Bann zu ziehen. Und auch wenn man bis zum Ende wissenschaftlich noch immer nicht ganz verstanden hat, was „Orgon“ nun genau ist, erschließt sich dennoch ein in sich stimmiges Gesamtbild über Reich, dessen Leben und Einstellungen sowie die Zeit, die wohl etwas zu früh war für solch revolutionäre Lehren. Und bleibt auch nach Filmende die Frage nach dem Wieso offen, so erschließt sich zumindest der etwas eigenartig anmutende Filmtitel. Ein tatsächlich eigenartiger, aber gleichsam faszinierender Fall ist Wilhelm Reich.

Etwas Großes

Nämlich einem perfekten Werk, das eher an eine gelungene Produktion irgendwo zwischen Deutschland und Hollywood erinnert, als an einen üblichen österreichischen Arthaus-Film. Kurz gesagt: Etwas Großem. Darum verzieh das Publikum der Schauspiel-Legende auch den überaus launigen und vor Unlust strotzenden Auftritt nach der Vorführung und entließ ihn samt Regisseur und Team in die wohlverdiente Premierenfeier.

Info: Der Film startet am 11. Jänner regulär in den heimischen Kinos.

Kommentare

Sicher spannend, aber teilweise ist seine Lehre halt einfach der Wunsch nach etwas und eher ein wenig science fiction. Fraglich ist halt eine Heilung, die davon lebt das zu glauben, was einem jemand "in die Seele legt". Befreiend aber für seine Zeit damals schon. Ganz wie die Lady Gaga halt heute oder?

Erich Haretzmüller

Reichsche Körperarbeit, Vegetotherapie, Skan....ein Weg der Selbstbefreiung, ehrlich und überzeugend, damals wie heute!

Laleidama

wieder ein Beispiel der jüdischen Intelligenz in Psychologie und Psychiatrie...ein Charakteranalytiker der Superlative....und dann dieses Leben.....den Film muss man einfach sehen.....

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