Thaci ein Organhändler? Nach Kriegsende
im Kosovo fast 500 Personen verschwunden

Schicksal von 1.900 Verschollenen weiter ungeklärt Gefangenen sollen Organe entnommen worden sein

Thaci ein Organhändler? Nach Kriegsende
im Kosovo fast 500 Personen verschwunden © Bild: Reuters

Im Kosovo sind unmittelbar nach dem Kriegsende im Juni 1999 fast 500 Personen verschwunden, darunter etwa 100 Albaner und fast 400 Nicht-Albaner, vor allem Serben. Ungeklärt bleibt weiterhin auch das Schicksal von weiteren 1.900 Personen, die während des Krieges (1998-99) verschollen sind, heißt es im Entwurf einer Resolution der Parlamentarischen Versammlung des Europarats zur illegalen Organhandel im Kosovo, den die Belgrader Tageszeitung "Politika" brachte.

Der Europarats-Abgeordnete Dick Marty hat die Mafiavorwürfe gegen Thaci bekräftigt. Mit seinem Bericht habe er zeigen wollen, "dass Verbrechen begangen wurden, die bis heute ungestraft geblieben sind", sagte Marty bei einer Pressekonferenz in Paris.

Auf Fragen nach Beweisen für seine Behauptungen sagte der frühere Schweizer Staatsanwalt: "Wenn man danach sucht, dann wird man auch fündig." Vorwürfe über verbrecherische Handlungen und Menschenrechtsverletzungen seien bekanntgewesen. "In Privatgesprächen wurde das zugegeben, doch aus politischen Gründen hat man es vorgezogen, zu schweigen."

"Konkrete Indizien"
Im Resolutionsentwurf heißt es laut "Politika", dass "zahlreiche konkrete und zusammenpassende Indizien bestätigen, dass einige Serben und einige kosovarische Albaner an geheimen Stellen unter Kontrolle der UCK (Befreiungsarmee des Kosovo, Anm.) im Norden Albaniens gefangen gehalten wurden und man sich ihnen gegenüber unmenschlich und auf erniedrigende Weise verhielt, bevor sie schließlich verschwanden. Zahlreiche Indizien scheinen zu bestätigen, dass in der Zeitspanne unmittelbar nach Beendigung des bewaffneten Konflikts, bevor die internationalen Kräfte tatsächlich in der Lage waren, die Kontrolle über die Region zu übernehmen und Recht und Ordnung wiederherzustellen, in einer Klinik auf dem Gebiet Albaniens unweit der Ortschaft Fushe Kruja (20 Kilometer nördlich der albanischen Hauptstadt Tirana, Anm.) einigen Gefangengen Organe entnommen und von dort ins Ausland zwecks Transplantation gesandt wurden."

Marty kritisierte die mangelnde Kooperation der Behörden in Albanien und Kosovo. So sei es unmöglich, bei der Suche nach Vermissten Ausgrabungen auf dem Gebiet Albaniens vorzunehmen. "Mit den kosovarischen Behörden gibt es keine Zusammenarbeit, wenn es um die Suche nach fast 500 Personen geht, die offiziell nach Beendigung des Konflikts verschwunden sind."

Die serbische Justiz erhofft sich vom Europarats-Bericht einen Impuls für die Ermittlungen zu Kriegsverbrechen. Der stellvertretende serbische Sonderstaatsanwalt für Kriegsverbrechen, Bruno Vekaric, sagte dem Sender B-92, er erwarte sich eine "Mobilisierung der Justiz in der ganzen Region". Vekaric forderte nun "seriöse Ermittlungen" in Albanien, dem Kosovo und Serbien. "Nur das Gericht kann sagen, ob ein Beweis der Staatsanwaltschaft gültig ist. Wir müssen erst einmal vor Gericht kommen", betonte der Staatsanwalt. Es sei an der Zeit, die Justiz der Region zu mobilisieren und damit ein klares Signal an Europa zu senden, dass keine Unterschiede zwischen den Opfern von Kriegsverbrechern gemacht werden. Auch müssten alle Kriegsverbrecher vor Gericht gestellt werden, auch wenn es dabei um angesehene Funktionäre handle, sagte Vekaric mit Blick auf Thaci.

(apa/red)