Testspiele vor der WM: Deutschland schießt
Luxemburg mit 7:0 ganz souverän vom Platz

Borowski und Schweinsteiger wollen in die Start-Elf Niederlande und Frankreich gewinnen, Spanien torlos

Während sich Gastgeber Deutschland mit einem lockeren 7:0 gegen Fußball-Zwerg Luxemburg für die WM warm schoss, hatten andere große Kaliber wie die Niederlande (1:0 gegen Kamerun), Spanien (0:0 gegen Russland) oder Frankreich (1:0 gegen Mexiko) gegen namhaftere Gegner ihre liebe Not.

In der deutschen Öffentlichkeit ist trotz des schwachen Aufwärm-Gegners die Euphorie und Erwartungshaltung weiter gestiegen So schrieb etwa "Bild": "Unsere Stürmer schon WM-reif!". Und die Fans in Freiburg sangen "Berlin, wir fahren nach Berlin" und "Finale". Doch Bundestrainer Jürgen Klinsmann stellte trotz der Treffer durch Podolski (2), Klose (2), Neuville (2) und Frings klar: "Die Mannschaft hat tolles Engagement gezeigt und wurde mit den Toren belohnt. Es war ein nettes Spiel, eine weitere kleine Etappe. Alles im grünen Bereich. Aber wir müssen uns auf andere Kaliber vorbereiten."

Borowski und Schweinsteiger wollen in die Startformation
Im Mittelfeld hat Klinsmann ein Luxusproblem. Neben Schweinsteiger hat auch Borowski beim Torfestival bewiesen, dass er zu gut für die Bank ist. Der Bremer beeindruckte auf der Position des verletzten Ballack, aber er will bei der WM mehr als nur der Schattenmann des im Mittelfeld gesetzten Kapitäns sein. Borowski drängt in die Startelf gegen Costa Rica. "Ich mache mir schon einen Tick Hoffnung", sagte er nach seinem 90-Minuten-Auftritt in Freiburg.

Klinsmann gestand, dass Borowski nach dem drittletzten Länderspiel-Test vor dem WM-Eröffnungsspiel durchaus ein Thema für einen Startplatz am 9. Juni in München sei. "Er klopft da an, er möchte rein", sagte der Bundestrainer und betonte: "Er kann auf verschiedenen Positionen spielen."

Niederlande schlagen Kamerun 1:0
Die Niederlande sind ohne Rafael van der Vaart noch nicht ganz in WM-Form. Gegen Kamerun reichte es für das "Oranje"-Team im ersten echten WM-Test in Rotterdam nur zu einem hart erkämpften 1:0 (Tor von Ruud van Nistelrooy). "In der ersten halben Stunde haben wir starken Druck auf den Gegner ausgeübt und das Spiel dominiert, aber danach zeigten wir Schwächen, vor allem im Stellungsspiel", meinte Trainer Marco van Basten.

Der Bondscoach musste auf van der Vaart verzichten, da der HSV-Profi nach dem Trainingslager in der Schweiz freiwillig um eine Auszeit gebeten hatte, um nach seiner gerade erst ausgeheilten Knöchelverletzung kein Risiko einzugehen. Eine gute Leistung, insbesondere in der ersten Hälfte, zeigten die beiden technisch glänzenden Flügelspieler Robin van Persie auf rechts und Arjen Robben auf links im Kombinationsspiel mit van Nistelrooy.

Spanier bleiben torlos - Wieder Ärger in Frankreich
Spanien präsentierte sich bei der Nullnummer gegen Russland trotz der drei von Beginn an aufgebotenen Stürmer Fernando Torres, Luis Garcia und David Villa (Raul bis zur Pause nur auf der Bank) schwach im Abschluss. "Wir wollten gewinnen, aber Russland hat sich nur aufs Verteidigen konzentriert. Ich hoffe, dass wir bei der WM die Chancen nützen", meinte Teamchef Luis Aragones. "Leider kann man nur gewinnen, wenn man auch Tore schießt", erklärte Mittelfeldmann Xabi Alonso. Schwacher Trost: Die Spanier sind seit 20 Partien unbesiegt.

Frankreichs Arbeitssieg gegen Mexiko stand ganz im Zeichen des Abschieds von Zinedine Zidane aus dem Stade de France. Im 100. Länderspiel gab "Zizou" seine letzte Vorstellung in der Arena, in der er Frankreich vor acht Jahren mit einem Doppelpack zum WM-Titel geköpfelt hatte und in der er in insgesamt 26 Länderspielen neun Treffer erzielte.

Getrübt wurde Zidanes Abschied von Pfiffen, die u.a. dem umstrittenen Einser-Tormann Barthez galten. "Das ist skandalös. Das ist wie, wenn sie mich selbst ausgepfiffen hätten. Es muss die ganze Mannschaft unterstützt werden", zeigte sich Zidane schwer verärgert. Der Superstar verwies darauf, dass auch die Tests vor der Heim-WM 1998 alles andere als perfekt gewesen waren.

(apa/red)