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Testphase für Videobeweis

Fifa: "Wir haben eine wirklich historische Entscheidung für den Fußball getroffen"

Fußball © Bild: iStock

Mehrere Fußball-Ligen testen spätestens ab der übernächsten Saison für zwei Jahre lang den Videobeweis als Hilfsmittel für Schiedsrichter. Das beschloss das International Football Association Board (Ifab), das über die Fußballregeln bestimmt, am Samstag in Cardiff. "Wir haben eine wirklich historische Entscheidung für den Fußball getroffen", sagte der neue Fifa-Präsident Gianni Infantino.

Der Videobeweis soll in vier Situationen angewendet werden: Um festzustellen, ob ein Tor erzielt wurde, bei Ausschlüssen, bei Elfmetern sowie bei etwaigen Verwechselungen von Spielern. In welchen Ligen diese Neuerungen getestet werden, ist noch offen. Zwölf Ligen haben sich dafür beworben.

"Das Ifab und der Fußball-Weltverband (ifa) haben sich an die Spitze der Debatte gesetzt und stoppen sie nicht. Wir haben gezeigt, dass wir auf den Fußball hören und mit Hausverstand vorgehen", betonte Infantino, der ebenfalls an der Sitzung teilnahm. "Wir müssen vorsichtig sein, aber wir setzen konkrete Schritte nach vorne, um zu zeigen, dass in der Fifa und im Ifab eine neue Zeit angebrochen ist."

Modifizierung der Dreifachbestrafung

Zudem beschloss das Ifab nach jahrelangen Diskussionen eine Modifizierung der umstrittenen Dreifachbestrafung. Demnach soll schon ab Juni und damit auch bei der EM ein Spieler für ein Foul im Strafraum nicht mehr mit der Roten Karte bestraft werden, sofern sein Vergehen keine Tätlichkeit ist. Stattdessen sollen die Schiedsrichter dann auf Elfmeter und Gelbe Karte entscheiden. Die Entscheidung gilt zunächst für eine Testperiode von zwei Jahren. Die bisherige Regelung war von vielen prominenten Fußballern und Trainern massiv kritisiert worden.

Assistenzschiedsrichter soll prüfen

Anders als im Jänner angedacht, soll es nur eine Art von Experiment geben, bei dem ein Assistenzschiedsrichter sich die Videobilder anschaut und entweder eine Szene auf Bitten des Schiedsrichters prüft oder sich aktiv an diesen wendet, wenn der Unparteiische auf dem Platz etwas übersehen hat.

"Idealerweise würde der Schiedsrichter das Material direkt sehen", sagte Jonathan Ford vom walisischen Fußballverband. So weit sei die Technologie aber noch nicht.

Ein "einschränkender Faktor" für die praktische Anwendung des Videobeweises werde die Zahl der Kameras im Stadion sein, sagte der Geschäftsführer des englischen Fußballverbands FA, Martin Glenn. "Wir bestehen darauf, dass es 36 sind." Die Ergebnisse sollen von einer Universität wissenschaftlich ausgewertet werden, die noch nicht ausgesucht ist. Eingeführt werde der Videobeweis nur, wenn er sich als Hilfe für die Schiedsrichter erweise, betonte FIFA-Präsident Gianni Infantino.

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