Terrorwelle nach Mohammed-Karikaturen? Cartoons könnten weitere Opfer fordern

Gezielte Tötungsaktionen gegen Zeichner befürchtet Attacken, Kidnapping und Flugzeugentführungen

Mehr als 50 Tote hat die Protestwelle nach den in einer dänischen Tageszeitung veröffentlichten Karikaturen über den islamischen Prophet Mohammed bereits gefordert, und das internationale Risikomanagement-Beratungsunternehmen MIG (Merchant International Group) befürchtet weitere Gewalttaten. In seinem Terrormonitor befürchtet die MIG eine zweite Protestwelle in Form von Anschlägen und gezielten Tötungsaktionen gegen Personen, die mit den Karikaturen zu tun hatten.

Diese zweite Welle könnte in den nächsten Monaten und Jahren Anschläge gegen dänische oder generell westliche Symbole beinhalten, so die MIG. So seien in Pakistan und Indien Kopfgelder für die Tötung von Personen, die mit der Produktion der Cartoons zu tun hätten, ausgesetzt worden.

Die Sicherheitsexperten befürchten, dass sich der Fall analog zu den Ereignissen entwickeln könnte, die nach dem Erscheinen von Salman Rushdies Buch "Satanische Verse" vorgefallen waren. Innerhalb weniger Monate nach dem Aussprechen von Fatwas (islamische Rechtsgutachten) mit Mordaufrufen gegen den Autor und seiner Herausgeber gab es Brandbomben-Anschläge gegen Buchhandlungen in den USA und einen der Herausgeber.

In den darauf folgenden vier Jahren wurden laut MIG der japanische Übersetzer bei Tokio ermordet, der italienische Übersetzer erdolcht und der norwegische Kollege angeschossen und beinahe getötet. 37 Tote gab es bei einem Brandanschlag, der sich gegen den türkischen Übersetzer des Buches richtete. Solches könnte sich nun in ähnlicher Weise wiederholen, meinte das Unternehmen.

Kidnapping und Flugzeugentführungen
Neben dem Cartoonisten und dem Herausgeber der betreffenden Zeitung in Dänemark dürften sich etwa all jene Unternehmen im Visier von Terroristen befinden, die mit der Zeitung "Jyllands-Posten" zu tun haben. Weiters könnten all jene Publikationen Ziel von Anschlägen werden, welche die Karikaturen ebenfalls abdruckten, so die MIG. Auch österreichische Zeitungen hatten die Cartoons im Blatt: Aber nicht aus Solidarität gegenüber dem dänischen Blatt, sondern um dem Leser zu informieren, worum es bei dem Streit gehe, wie die Verantwortlichen der betroffenen Medien unisono erklärten.

Neben Bomben- und Gewehrattacken kämen auch Kidnapping und Flugzeugentführungen in Betracht, da diese Taktiken im Irak ein großes Medienecho ausgelöst hatten, lautet die Risikoeinschätzung von MIG. Ebenfalls möglich sind Anschläge wie jener in der Londoner U-Bahn.

Der Level der Terrorbedrohung sei nach dem Karikaturen-Streit für eine Reihe von Ländern gestiegen. Dänemark habe auf dem MIG-Monitor beispielsweise den Wert 8 auf der zehnteiligen Skala erreicht. Für Italien gilt dasselbe nach dem Streit um den mittlerweile zurückgetretenen Reformenminister Roberto Calderoli, der unter anderem einen neuen Kreuzzug gefordert und T-Shirts mit den Cartoons getragen hatte. Norwegen und Schwedens Risikolevel wurde auf den Wert 7,5 angehoben.

Steigerungen gab es auch in vorwiegend islamischen Staaten wie Bosnien-Herzegowina, Albanien, Indonesien, Pakistan und Mauretanien - wegen der Radikalisierung auf Grund des Karikaturenstreits.

(apa/red)