Terrorverdächtige waren wohl Einzeltäter: Experte sieht sie nicht als Mitglied in Gruppe

Deutschland: Fünfter Verdächtiger festgenommen GB beantragt Auslieferung von Terror-Verdächtigem

Die mutmaßlichen Bombenleger von Köln haben nach Einschätzung des deutschen Terrorismus-Experten Guido Steinberg keiner größeren Organisation angehört. Der Mitarbeiter der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin, die Bundestag und Bundesregierung berät, sagte dem WDR: "Ich denke, dass sie Einzeltäter waren, dass es sich also um zwei oder möglicherweise drei, wie man jetzt festgestellt hat, Jugendliche handelte, die doch weitgehend eigeninitiativ gehandelt haben." Die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe teilte auf AP-Anfrage mit, es gebe keine neuen Erkenntnisse bei den Ermittlungen.

Steinberg sagte allerdings auch, die Einschätzung der libanesischen Regierung, dass eine Verbindung der Männer zu Al Kaida möglich sei, halte er für nicht völlig abwegig. "Man muss dabei abwarten, was für angebliche Nachweise die Libanesen da gefunden haben." Der Experte gab zu bedenken, dass die Anbindung europäischer Zellen an größere Organisationen immer schwächer würden. "Es kann sich da ja auch um eine rein ideologische Anbindung handeln."

Der Terrorismus-Experte meinte, eine Anti-Terror-Datei sei "lange überfällig, selbst wenn sie im gegenwärtigen Fall zu keinen Ergebnissen geführt hätte". Die meisten Maßnahmen, die zur Zeit diskutiert werden, hätten im Fall der versuchten Terroranschläge auf Züge wahrscheinlich nicht gegriffen, sagte Steinberg. Auch habe der Radikalisierungsprozess der verdächtigen Männer hier nicht mehr beobachtet werden können, da sie vor relativ kurzer Zeit nach Deutschland gekommen seien. "Es gab zwar Hinweise darauf, aber es gibt im Grunde keinen Ansatzpunkt für Sicherheitsbehörden, soweit wir das bisher wissen, diesen Prozess ... aufzudecken", erklärte er.

Fünfter Verdächtiger festgenommen
Im Zusammenhang mit den versuchten Bombenanschlägen auf Züge in Deutschland ist im Libanon ein fünfter Verdächtiger festgenommen worden. Aus Kreisen der libanesischen Justizbehörden verlautete, die libanesischen Behörden hätten den Mann mit den Initialen "A.H." am Montag verhaftet.

Er sei nach Hinweisen von zwei anderen Verdächtigen gefasst worden, die bereits in libanesischer Haft säßen. Der nun Festgenommene stamme aus der nordlibanesischen Stadt Akkar und sei Mitte 20. Eine Sprecherin der deutschen Generalbundesanwaltschaft in Karlsruhe wollte sich dazu nicht äußern.

Großbritannien beantragt Auslieferung von Terror-Verdächtigem
Großbritannien hat die Auslieferung eines in Pakistan festgenommenen Verdächtigen beantragt, der in die vereitelten Anschläge auf Transatlantikflüge verwickelt sein soll. Die Anfrage der britischen Behörden werde geprüft, sagte eine Sprecherin des pakistanischen Außenministeriums. Bei dem Verdächtigen handelt es sich um Rashid Rauf, der wegen einer vermuteten Verwicklung in die Anschlagspläne in diesem Monat festgenommen worden war.

Die Polizei in Großbritannien hatte vor knapp drei Wochen mehr als 20 Verdächtige festgenommen, die offenbar mehrere Flugzeuge über dem Atlantik mit Flüssigsprengstoff im Handgepäck zum Absturz bringen wollten. Einige von ihnen wurden inzwischen wieder freigelassen. Alle Verdächtige sind in Großbritannien geborene Moslems, die meisten von ihnen haben pakistanische Vorfahren.
(apa)