Fakten von

Die Welt fühlt mit Paris

Die fassungslosen Reaktionen auf die Anschlagsserie in der französischen Hauptstadt

Papst über die Anschläge in Paris © Bild: APA/EPA/MAURIZIO BRAMBATTI

Die Anschlagsserie in Paris, bei zahlreiche Menschen getötet wurden, hat weltweit Entsetzen ausgelöst. Hier die internationale Reaktionen:

THEMEN:

PAPST FRANZISKUS hat die Terroranschläge von Paris zutiefst verurteilt."Es gibt keine Rechtfertigung für solche Taten. Das ist nicht menschlich", sagte der Pontifex im Interview mit dem Sender TV2000 der italienischen Bischofskonferenz am Samstag. Die Attentate seien Teil des "Dritten Weltkriegs in Stücken", vor dem er immer wieder zuletzt gewarnt hatte. "Ich bin Frankreich sehr nahe, das ich sehr liebe", betonte der Heilige Vater. Er sei bestürzt und bete für das französische Volk und die Familien der Opfer, ergänzte der Papst. In allen italienischen Kirchen wird am Sonntag für die Opfer der terroristischen Anschläge gebetet, berichtete die italienische Bischofskonferenz CEI. Die italienische Kirche sei mit Frankreich und seinem ganzen Volks solidarisch.

Franziskus hat beim Angelus-Gebet am Sonntag erneut seinen Schmerz über die Anschläge in Paris ausgedrückt. Er sei den Familien der Todesopfer und der Verletzten nahe. "So viel Barbarei erschüttert uns und man fragt sich, wie kann das Herz des Menschen derartige Taten planen, die nicht nur Frankreich, sondern die ganze Welt erschüttern", so der Papst. "Der Weg der Gewalt und des Hasses löst nicht die Probleme der Menschen. Den Namen Gottes zu nutzen, um Gewalt zu rechtfertigen, ist ein Fluch", so der Papst. Er bat Gott um Schutz für das französische Volk, für Europa und die ganze Welt.

US-PRÄSIDENT BARACK OBAMA
"Wir haben ein weiteres Mal einen abscheulichen Versuch erlebt, unschuldige Zivilisten zu terrorisieren...Wir sind bereit jede Unterstützung zu liefern, die die Regierung und die Bevölkerung Frankreichs benötigen."

Obamas Reaktion nach den Terroranschlägen in Paris
© REUTERS/Kevin Lamarque

DEUTSCHE BUNDESKANZLERIN ANGELA MERKEL
"Ich bin tief erschüttert von den Nachrichten und Bildern, die uns aus Paris erreichen. Meine Gedanken sind in diesen Stunden bei den Opfern der offensichtlich terroristischen Angriffe, ihren Angehörigen sowie allen Menschen in Paris."

RUSSLANDS PRÄSIDENT WLADIMIR PUTIN
"Russland verurteilt das unmenschliche Massaker und ist bereit, die Untersuchung dieser terroristischen Verbrechen zu unterstützen."

Auf der Kreml-Homepage kondoliert Putin Francois Hollande: "Vladimir Putin sent his deep condolences to President of France Francois Hollande and all the people of France following the horrible terrorist attacks in Paris."

ARABISCHE REGIERUNGEN
Regierungen der arabischen Welt haben die Terroranschläge von Paris verurteilt. "Ägypten betont seine Unterstützung im Kampf gegen den Terrorismus, der keine Grenzen oder Religion kennt", sagte der Präsident des bevölkerungsreichsten arabischen Landes Ägypten, Abdel Fattah al-Sisi, am Samstag. Das Außenministerium von Saudi-Arabien forderte, den Anti-Terror-Einsatz zu verdoppeln. Ein Regierungssprecher Jordaniens sagte, das Königreich stehe an der Seite der Franzosen "gegen diese blutigen und mutwilligen Akte der Aggression". Auch der Emir von Kuwait, Scheich Sabah al-Ahmed al-Jabir al-Sabah, sprach Frankreich in einem Telegramm sein Beileid aus.

Alle vier Länder gelten als Verbündete des Westens im Kampf gegen den Terror. Bei mehreren Attentaten in Paris waren am späten Freitagabend mehr als 120 Menschen getötet und zahlreiche verletzt worden.

SCHWEIZER BUNDESPRÄSIDENTIN SOMMARUGA
Die Schweizer Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga hat sich schockiert über die Terroranschläge geäußert. "Paris, und nicht nur Paris steht unter Schock. Auch wir stehen unter Schock", sagte sie in der "Samstagsrundschau" von Radio SRF. Sie verspüre unglaubliche Trauer und gleichzeitig auch unglaubliche Wut. "Solche Angriffe attackierten die Grundwerte unserer Gesellschaft", sagte sie. Gefragt sei jetzt die Solidarität mit den Menschen, die Angehörige verloren hätten, und Zusammenarbeit mit den französischen Behörden. In solchen Momenten müsse man zusammenstehen, Zusammenarbeit gehöre an die oberste Stelle.

DER TÜRKISCHE MINISTERPRÄSIDENT AHMET DAVUTOGLU
"Diese Anschläge richten sich nicht nur gegen das französische Volk, sondern gegen die gesamte Menschheit, gegen Demokratie und Freiheit und alle gültigen Werte. Der Terror hat keine Religion, keine Nationalität. Terror ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit."

GROSSBRITANNIENS PREMIERMINISTER DAVID CAMERON
"Ich bin schockiert über die Ereignisse heute Abend in Paris. Wir sind in Gedanken und in Gebeten beim französischen Volk. Wir tun alles, was wir können, um zu helfen."

ÖSTERREICHS BUNDESPRÄSIDENT HEINZ FISCHER

Bundespräsident Heinz Fischer hat sich in einer ersten Stellungnahme zu der Anschlagsserie in Paris "tief erschüttert und entsetzt" gezeigt. "Ich drücke dem französischen Volk und insbesondere den Angehörigen der Opfer meine tief empfundene Anteilnahme aus", sagte der Bundespräsident. "Das sind Stunden, wo wir alle fest zusammenhalten müssen und Geschlossenheit gegen Unmenschlichkeit zeigen müssen", so Fischer.

ÖFB-VERTRETER
Leo Windtner (ÖFB-Präsident): "Ich kann nur meine tiefe Betroffenheit zum Ausdruck bringen, und vor allem gilt unser Mitgefühl allen von dieser Tat Betroffenen. Dies ist ein schrecklicher Anschlag, der weltweit für Entsetzen und Betroffenheit sorgt. Ich hoffe auf eine rasche Aufklärung dieser Tat, ich bin aber auch überzeugt, dass die französischen Behörden alle Sicherheitsvorkehrungen für die bevorstehende Auslosung ebenso wie für die Endrunde treffen werden, um eine sichere Durchführung zu gewährleisten."

Marc Janko (ÖFB-Stürmer via Twitter): "Ich fühle mich hilflos, traurig und geschockt. Was für eine verrückte Welt, in der wir leben."

IOC-PRÄSIDENT THOMAS BACH
IOC-Präsident Thomas Bach hat die Terroranschläge in Paris als "barbarische und feige Taten" verurteilt. "Dies ist nicht nur ein Angriff auf die Menschen in Frankreich und Paris, dies ist ein Angriff auf die Menschheit und alle humanitären und olympischen Werte", betonte der Chef des Internationalen Olympischen Komitees am Samstag in einer IOC-Mitteilung.

NATO-GENERALSEKRETÄR JENS STOLTENBERG
"Ich bin zutiefst schockiert über die schrecklichen Terror-Anschläge heute Abend in Paris...Wir müssen im Kampf gegen den Terrorismus stark und geeint bleiben. Der Terrorismus wird die Demokratie niemals besiegen."

EU-KOMMISSIONSPRÄSIDENT JEAN-CLAUDE JUNCKER
"Ich bin zuversichtlich, dass das französische Volk diese erneute Prüfung bewältigen wird."

KATARS AUSSENMINISTER CHALED AL-ATTIJAH
"Katar verurteilt die abscheulichen Anschläge aufs Schärfste... Die Taten, die die Stabilität und Sicherheit Frankreichs ins Visier nehmen, verstoßen gegen alle menschlichen und moralischen Werte."

Für die FRANZÖSISCHE PRESSE sind die Anschläge in Paris ein "Krieg mitten in Paris". In Leitartikeln wird dazu aufgerufen, "dem Terror die Stirn zu bieten". Viele Regionalzeitungen titeln mit "Blutbad in Paris", die Sportzeitung "L'Equipe" schreibt "Das Grauen" auf schwarzem Blatt.

"Le Figaro": "Alle Antiterror-Experten haben einen Großangriff in Frankreich erwartet. Die Eingreiftruppen haben sich schon lange auf diese Art von Anschlägen auf verschiedene Ziele vorbereitet."

"Le Parisien": "Wut und Abscheu: Das empfindet man angesichts der Morde, die die Täter in Paris mit der üblichen Feigheit der Terroristen verübt haben. Im Namen der Märtyrer vom Freitag, der unschuldigen Opfer und im Namen der Republik wird Frankreich vereint bleiben und dem Terror die Stirn bieten".

INTERNATIONALE PRESSESTIMMEN

Guardian" (London):
"Muslime in Frankreich müssen jetzt verstärkt befürchten, mit Fanatikern und Terroristen in einen Topf geworfen zu werden. Rechtsextreme Gruppen könnten sehr wohl mehr Hass schüren. Für die französische Regierung wird es jetzt die wichtigste Aufgabe sein, beruhigend aufzutreten und eine soziale Aufspaltung und Zerrissenheit zu verhindern, die die Verantwortlichen dieses jüngsten Angriffs zweifellos provozieren wollen. Für viele im übrigen Europa dürften diese Angriffe eine brutale und traumatische Mahnung sein, dass wir immer noch in der Zeit nach den Anschlägen vom 11. September (2001 in New York) leben."

"Neue Zürcher Zeitung":
"Die französische Hauptstadt ist am Freitagabend zum Kriegsschauplatz geworden. Alle Indizien deuten darauf hin, dass es sich um eine minutiös vorbereitete Aktion handelte. Beim Überfall auf (den Konzertsaal) das Bataclan soll einer der Männer 'Allah ist gross' gerufen haben. Ein Augenzeuge berichtete ferner, dass die Angreifer ihre Tat mit Frankreichs Militäreinsatz in Syrien begründet hätten. Der Mann habe gerufen: 'Das ist die Schuld von Hollande. Das ist die Schuld eures Präsidenten. Er hätte nicht in Syrien eingreifen dürfen.' Von Anhängern der Terrormiliz IS wurde die Attacken im Internet gefeiert."

Belgische Medien haben sich entsetzt über den "Schwarzen Freitag" in Paris mit fast 130 Toten bei mehreren Terroranschlägen gezeigt, gleichzeitig aber appelliert, "kühlen Kopf" zu bewahren. "Angst ist ein schlechter Ratgeber" und die Lösung könne nicht nur in Sicherheitsmaßnahmen und Militäreinsatz bestehen.

Die Schweizer Zeitung "Blick" titelt mit roten Lettern auf schwarzem Grund: "Terrorwelle überrollt Paris" und spricht von Dutzenden Toten. Ebenfalls anschaulich beschreibt "Le Nouvellist" die Vorgänge in der französischen Hauptstadt: "Paris unter Feuer und Blut", heißt es da. Der "Quotidien jurassien" berichtet vom "Horror in Paris", während sich "Le Matin" der Ausdrücke "Blutbad" und "Abend des Terrors" bedient.

"Independent" (London):
"Mit den Anschlägen in Paris ist der Terror in die französische Hauptstadt zurückgekehrt, nur zehn Monate nach dem Angriff auf das Satire-Magazin 'Charlie Hebdo' mit 17 Toten. Damals identifizierten sich die Täter als Angehörige der Terrorgruppe Al Kaida im Jemen. Jetzt wird gewiss der 'Islamische Staat' (IS) in Verdacht geraten, der seit Jänner stärker geworden ist. Sollte sich herausstellen, dass IS hinter diesen Angriffen steckt, sind dramatische Konsequenzen für die Sicherheit in Europa und darüber hinaus zu erwarten."

"NRC Handelsblad" (Amsterdam):
"'C'est pour la Syrie' ('Das ist für Syrien') sollen die Schützen im Konzertsaal Bataclan gerufen haben, ehe sie zahlreiche Menschen ermordeten. Es geht also um Rache für Frankreichs Unterstützung von Bombenangriffen auf Stellungen der IS-Terroristen in Syrien. Denn obwohl fast jeder Terrorismusexperte die extreme Gefahr von Anschlägen auf die Kombination der Existenz vieler Jihadisten im eigenen Land und einer Außenpolitik mit militärischen Interventionen vor allem in Afrika und im Nahen Osten zurückführt, hat die französische Regierung bisher nicht nachgegeben. Erst in der vergangenen Woche hat Paris den Flugzeugträger 'Charles de Gaulle' in die Golfregion geschickt, um die Luftangriffe verstärken zu können. ... Nun steht Frankreich still. Ausnahmezustand, Grenzen geschlossen, öffentliche Gebäude einstweilen nicht zugänglich. Die Angst vor Terroranschlägen wird Frankreich bis auf Weiteres beherrschen."

Kommentare

Oberon
Oberon melden

Der "Guardian" befürchtet, dass Moslems durch diese Terroranschläge mit Fanatikern und Terroristen in einen Topf geworfen werden. Da könnte was dran sein.
Nicht unbedingt auf den ersten Blick moderne Moslems, aber die traditionell auftretenden mit landesüblicher Kleidung, Kopfbedeckung und Barttracht sicher.
Angst hätte ich nicht direkt vor ihnen, aber doch ein komisches Gefühl...

gustigusti melden

Zuallererst bitte nicht den Guardian lesen ;) ! Ein linkslinkeres Propagandablatt gibt es weltweit nicht!

Ich hoffe auf den Verstand der westlichen Bevölkerung, den Minderheiten nicht mit offener Abneigung oder sogar Gewalt entgegenzutreten. Klar dass jetzt die Islamentschuldiger wieder überall zu hören sind.

Oberon
Oberon melden

Den lese ich auch nicht. Trotzdem, auch links-linke Blätter haben hin und wieder recht. In diesem Fall menschlich gesehen.
Hoffen wir auf die von Ihnen erwähnte Einsicht, aber ich befürchte, damit ist es bei manchen Leuten nicht weit her. Wer zum Verallgemeinern neigt, kann sich wohl kaum vorstellen, dass nicht Jeder für Taten verantwortlich gemacht werden kann,
nur weil die Täter....

Oberon
Oberon melden

... Landsleute sind oder der selben Religion angehören.

Viel Phrasen, viel Erschütterung*Betroffenheit ausl. Politiker wie auch der öst. Mitschwimmer. Aber keine Maßnahmen, konkrete Vorschläge, Entscheidungen.
Hollande hat sich als Politiker der Ruhe+der Entscheidungen bewährt. Er hat nüchtern, logisch und vernünftig GEHANDELT. Seine Rede war ohne Pathos +falsche Sentimentalitäten.
Mit Gruseln stelle ich mir Faymann in einer solchen Situation vor.


Seite 1 von 1