Terror in Tel Aviv mit zahlreichen Toten: Hamas begrüßt blutigen Selbstmordanschlag

21-jähriger Attentäter zündet Bombe vor Imbissbude Abbas, EU, USA und Russland verurteilen Bluttat<br><b>BILDER:</b> Zerstörung und Leid in Küstenmetropole

Terror in Tel Aviv mit zahlreichen Toten: Hamas begrüßt blutigen Selbstmordanschlag

Ein palästinensischer Selbstmordattentäter hat sich am Ostermontag in einem Schnellimbiss in Tel Aviv in die Luft gesprengt und neun Menschen mit in den Tod gerissen. Rettungsdienste teilten mit, 60 weitere Menschen seien verletzt worden. Es handelte sich nach Angaben der Polizei um einen besonders großen Sprengsatz, der am Ort der Explosion schweren Sachschaden anrichtete.

Der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert nannte den tödlichen Anschlag einen "sehr schlimmen Vorfall", auf den Israel angemessen reagieren werde. Die Tat überschattete die erste Sitzung der neuen Parlaments, der 17. Knesset, die in Jerusalem stattfand. Ein Sprecher des israelischen Außenministeriums erklärte, die Regierung mache die Hamas für die Tat verantwortlich. Sie unterstütze "all die anderen Terrororganisationen", sagte Gideon Meir.

Zahlreiche Reisende am Busbahnhof
Der Attentäter zündete seine Bombe gegen 13.40 Uhr. Wegen des Passah-Festes (Pessach) hielten sich viele Reisende am Busbahnhof und in dem betroffenen Restaurant auf. Am 19. Jänner waren bei einem Selbstmordanschlag an derselben Stelle im Bereich des alten Busbahnhofs im Süden der Stadt 30 Menschen verletzt worden.

Drei verdächtige Palästinenser festgenommen
Nach dem Selbstmordanschlag hat die israelische Polizei drei Palästinenser wegen mutmaßlicher Verbindungen zu dem Attentat festgenommen. Die Verdächtigen seien auf Grund "genauer Auskünfte" und Beschreibungen von Augenzeugen festgenommen worden, als sie im Auto auf der Straße zwischen Tel Aviv und Jerusalem unterwegs gewesen seien, sagte ein Polizeisprecher. Die Augenzeugen hätten ein Auto beschrieben, das kurz nach dem Anschlag vom Tatort weggefahren sei. Das israelische Fernsehen berichtete, die Polizei habe auf der Suche nach den Verdächtigen den Verkehr auf der Autobahn zwischen Tel Aviv und Jerusalem für mehrere Stunden blockiert.

Erster Anschlag seit Hamas-Regierung
Es war der schwerste Anschlag in Israel seit einem Jahr und der erste nach der Regierungsübernahme der Hamas in den palästinensischen Gebieten. Die radikale Organisation hält seit mehr als einem Jahr eine Waffenruhe mit Israel ein. Zu den acht Selbstmordanschlägen, die seitdem in Israel verübt wurden, bekannte sich der Islamische Jihad.

Hamas: Selbstverteidigung
Der Hamas-Sprecher Sami Abu Suhri bezeichnete den Anschlag als "natürliches Ergebnis der anhaltenden israelischen Verbrechen gegen unser Volk ... Unser Volk befindet sich im Zustand der Selbstverteidigung und sie haben jedes Recht, alle Mittel anzuwenden, um sich selbst zu verteidigen."

Abbas, USA, EU und Russland verurteilen Tat
Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas verurteilte die Tat hingegen als Terror. Der Anschlag laufe den palästinensischen Interessen zuwider. Er forderte die internationalen Nahost-Vermittler auf, "die schwere Verschlechterung zu stoppen, die die Region derzeit erlebt". US-Außenamtssprecher Scott McClellan sprach von einem "verabscheuungswürdigen Terrorakt, für den es keine Entschuldigung oder Rechtfertigung gibt".

Die österreichische EU-Ratspräsidentschaft hat den Familien der Opfer ihr Beileid ausgesprochen. "Die Präsidentschaft hat die Verurteilung des Anschlags durch den Präsidenten der Palästinensischen Autonomiebehörde, Mahmoud Abbas, zur Kenntnis genommen und fordert die palästinensische Regierung dringend auf, sich zur unbedingten Einhaltung der von der Internationalen Gemeinschaft eingeforderten Grundsätze zu bekennen, inklusive zum Gewaltverzicht, um Fortschritte in Richtung einer friedlichen Lösung zu erlauben", hieß es in einer Aussendung des Außenministeriums.

Die Rechtfertigung des Terroraktes durch die palästinensische Hamas bestätige die US-Regierung in ihrem Entschluss, keine Kontakte mit der Hamas-geführten Regierung aufzunehmen, betonte der Sprecher des Weißen Hauses, Scott McClellan, in Washington. Der Anschlag sei eine "verabscheuungswürdige Tat, für die es keine Entschuldigung oder Rechtfertigung geben kann".

Das russische Außenministerium erklärte, für den Terrorakt gebe es keinerlei Rechtfertigung. Der Anschlag verfolge die Absicht, die Spirale der Gewalt erneut zu beschleunigen, sagte Außenamtssprecher Michail Kamynin. Die russische Regierung hatte im März eine Delegation der palästinensischen Hamas-Bewegung zu Gesprächen empfangen und damit die internationale Isolierung der Organisation durchbrochen.

Video mit Attentäter veröffentlicht
Der arabische Fernsehsender Al-Arabiya veröffentlichte ein Video, in dem sich ein junger Mann zu der Tat bekannte. Er sei Mitglied der Quds-Brigaden, des militärischen Flügels des Islamischen Jihad. "Ich opfere mich selbst ... zur Ehre Gottes", sagt der Mann. Ein Sprecher der Al-Aksa-Brigaden sagte, es habe sich um einen Vergeltungsschlag nach israelischen Militäraktionen im Gaza-Streifen gehandelt. "Diese Operation ist eine Antwort auf die israelischen Massaker gegen unser Volk in Gaza."

Finanzhilfe für Hamas von Katar und Russland
Das mit den USA verbündete Golf-Emirat Katar teilte unterdessen mit, die Hamas-Regierung mit 50 Millionen Dollar zu unterstützen. Die gleiche Summe hatte der Iran zugesagt. Auch Russland erklärte sich zu Finanzhilfen bereit, gab aber keine Summe bekannt.
(apa/red)