Richtiger Umgang von

Terror in Europa:
Wie erklärt man es Kindern?

Spätestens wenn diese im lesefähigen Alter sind, sollte man mit ihnen reden

Richtiger Umgang - Terror in Europa:
Wie erklärt man es Kindern? © Bild: Istockphoto.com/PhotographyPerspectives

Gratiszeitungen mit schrecklichen Bildern in der U-Bahn, Fernseh-und Radionachrichten mit detailreichen Erklärungen, Gespräche im Klassenzimmer: Dass Kinder von beunruhigenden Bildern verschont bleiben, ist unwahrscheinlich. Der Terror in Europa ist auch für Kinder ein Thema, spätestens wenn diese im lesefähigen Alter sind. Unsicherheit angesichts der Ereignisse beherrscht auch Erwachsene. Wie sollen Eltern auf das Geschehene, die Ängste und Sorgen reagieren? Selbst wenn man keine Antwort findet: "Eine Haltung der Hilflosigkeit zu zeigen, ist sicherlich kein Modell, mit dem man seine Kinder optimistisch in die Zukunft schreiten lassen wird", betonte Medienpsychologe Peter Vitouch.

Der Umgang sollte sich am Alter des Kindes orientieren. "Bei einem Volksschulkind sollen die Eltern das Thema nur ansprechen, wenn Fragen vom Kind kommen", sagt Psychologin Luise Hollerer. Was genau sie dem Kind dabei zutrauen können, müssen die Eltern abschätzen: "Wenn ein Kind gerade eine ängstliche Phase hat, dann ist es nicht klug, alles bis ins kleinste Detail zu besprechen", sagt Hollerer. Bei älteren Kindern kann das Geschehene durchaus aktiv angesprochen und diskutiert werden.

Angst reduzieren, aber nicht kleinreden

Hier gilt es, Kompetenz und Handlungsfähigkeit zu signalisieren, sagt Vitouch. "Wenn Eltern merken, dass sich ihre Kinder mit dem Thema beschäftigen, ist es ganz wichtig, dass sie mit diesen sprechen und versuchen, die Angst zu reduzieren." Man müsse dem Nachwuchs klarmachen, dass wir nicht in einer Situation leben, wo sich derartiges tagtäglich ereignet: "Selbst in einer Millionenstadt wie etwa Paris passiert so etwas nicht an jeder Ecke, und noch weniger ist das etwa in Wien der Fall", relativierte der Experte.

Die Kinder-und Jugendpsychologin Simone Breitenfeld rät dazu, die Ängste der Kinder auf keinen Fall kleinzureden. "Der Satz ,Du brauchst dich nicht zu fürchten' hilft einem Kind nicht. Denn für dieses heißt das nur: 'Es ist nicht gut, wenn ich darüber rede.'" Es sei wichtig, dass Kinder mit ihnen vertrauten Personen, also den Eltern, über diese Bilder reden können, sagt Breitenfeld.

Modellverhalten der Eltern sehr wichtig

Neben dem Reden ist natürlich das Modellverhalten der Eltern sehr wichtig. Wenn diese nach den Attentaten der letzten Monate die Zeitungen verschlingen, vor dem Fernsehapparat sitzen und allgemein sehr emotional reagieren, dann hat das auf den Nachwuchs - wie in allen Fällen - natürlich eine Vorbildwirkung, stellte der Medienpsychologe klar. Die Strategie, Kinder von allen möglichen Gefahren abzuschotten, ist keine anwendbare Option.

"Man kann ihnen bewusst machen, dass es gefährliche und unberechenbare Dinge gibt, dass wir uns davon aber nicht einschüchtern lassen, sondern weiter schöne Dinge unternehmen werden", sagt Breitenfeld. Aber es gebe eben Menschen, die anders denken und nicht wüssten, wie sie mit ihrer Wut umgehen sollen. "Das sind Leute, die vielleicht etwas Schlechtes erlebt haben und nicht gelernt haben, damit umzugehen. Darum ist es wichtig, dass man miteinander redet."

Damit muss man Kinder konfrontieren

Es ist im Erziehungsprozess grundsätzlich ständig der Fall, dass man Kinder mit den unschönen Seiten des Lebens konfrontieren muss, stellte Vitouch klar. "Es ist ein notwendiges Erziehungsverhalten, dass man Kindern etwa beibringen muss, dass man nicht jedem Menschen Vertrauen entgegenbringen kann; oder dass im Straßenverkehr Gefahren lauern", so der Medienpsychologe. Es gilt, den Kindern ein "Werkzeug" in die Hand zu geben, damit sie mit diesen potenziellen Bedrohungen umzugehen lernen.

"Helikopter-Eltern"

Dass manche Eltern ihre Kinder am liebsten von allem Unbill des Lebens schützen wollen - aktuell unter dem Begriff "Helikopter-Eltern" bekannt - ist laut Vitouch kein neues Phänomen. "Die sogenannte Overprotection (Überbehütung) gab es immer - das ist nicht neu, aber wirklich schlecht", erläuterte der Experte. Denn die möglichen Folgen sind entweder eine Abnabelung der Kinder, oder aber sie übernehmen dieses angstmotivierte Verhalten. Man könne jedoch Kindern einiges zumuten, immer aber unter dem Aspekt einer angstreduzierenden Kommunikation, erläuterte der Experte.

Was man ihnen zumuten soll und was nicht

Logischerweise soll man den Jüngsten natürlich keine Fotos oder Filme mit grausamen Inhalt zumuten, jedoch darf durchaus vermittelt werden, dass die Welt auch gefahrvoll ist. "Aktuell herrscht nach den Attentaten jedoch ein Medienhype. Tatsache ist, dass weiterhin mehr Tote im Straßenverkehr zu beklagen sind". Tödliche Gefahren lauern immer, aber man sollte diese gegenüber den Kindern, und nicht zuletzt gegenüber sich selbst, relativieren und sich und dem Nachwuchs klar machen, dass die Terror-Vorfälle außergewöhnlich sind - und nicht alltäglich.

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