Terror-Boss Al-Zarqawi getötet: Al Kaida-Führer fällt Luftangriff in Bagdad zum Opfer

Aufenthaltsort von eigenen Gefolgsleuten verraten Porträt: 'Liebevoller Bub' macht als Terrorist Karriere<br>Plus: <b>Bilder</b> vom Angriff und der Leiche veröffentlicht

Terror-Boss Al-Zarqawi getötet: Al Kaida-Führer fällt Luftangriff in Bagdad zum Opfer

Der meistgesuchte Terroristenführer im Irak, Abu Musab al-Zarqawi, ist tot. Dies teilte der irakische Ministerpräsident Nuri al-Maliki mit. Zarqawi sei bei einem US-Luftangriff nördlich von Bagdad ums Leben gekommen, sagte US-General George Casey. Die Terrororganisation Al Kaida im Irak versprach in einer Internetbotschaft die Fortsetzung ihres bewaffneten Kampfes. Während Todesnachricht im In- und Ausland begrüßt wurde, ging die Gewalt im Irak unvermindert weiter. 19 Menschen starben bei zwei Anschlägen in Bagdad.

"Heute wurde Zarqawi eliminiert", sagte Maliki bei einer Pressekonferenz mit Casey und dem US-Botschafter im Irak, Zalmay Khalilzad. Zarqawi galt als der einflussreichste Terrorführer der Welt. Er organisierte seit Mitte 2003 Anschläge mit Dutzenden von Toten und köpfte vermutlich persönlich zwei US-Geiseln. Die USA hatten für seine Ergreifung ein Kopfgeld von 25 Millionen Dollar (19,5 Mio. Euro) ausgesetzt. Immer wieder entkam der Jordanier den Fahndern, Ende 2004 soll er nach einer Festnahme bei Falluja wieder freigelassen worden sein. In den vergangenen zehn Tagen seien mehrere Versuche gescheitert, Zarqawi zu töten, sagte Maliki.

Von eigenen Gefolgsleuten verraten
Zarqawi ist US-Angaben zufolge von eigenen Gefolgsleuten verraten worden. Es seien "ranghohe Mitglieder seiner Gruppe" gewesen, die den Aufenthaltsort des Jordaniers verraten hätten, sagte der US-General George Casey. Dadurch habe die US-Armee erfahren, dass Zarqawi an einer Versammlung rund acht Kilometer nördlich von Bakuba teilnehmen wollte.

Anschläge erschüttern Bagdad
In Bagdad wurde die Nachricht vom Tod des Sunniten weitgehend bejubelt. Irakische Soldaten führten Freudentänze auf, Einwohner des Schiiten-Viertels Kasimiyah verteilten Bonbons und Süßigkeiten. Nur kurz nach Bekanntgabe der Todesnachricht ereigneten sich im Südosten Bagdads zwei Bombenexplosionen. Der erste Anschlag richtete sich gegen eine Polizeipatrouille. Dabei starben zwei Polizisten und vier Zivilpersonen, elf weitere Menschen wurden verletzt. Eine Stunde später ereignete sich in derselben Gegend eine Detonation auf einem Obstmarkt. Dort wurden 13 Menschen getötet, darunter zwei Frauen, und mindestens 39 verletzt.

Al Kaida bestätigt Tod: "Der Kampf wird fortgesetzt"
Die Al Kaida im Irak bestätigte den "Märtyrertod" ihres Anführers, der "eine Ehre für unsere Nation" sei. "Wir sagen unserem Prinzen, Sheikh Bin Laden, dass Deine Soldaten der Al-Kaida im Irak so weiter kämpfen wie Du es Abu Mussab al-Zarqawi vorgegeben hast", heißt es in der auf einer der Al Kaida nahe stehenden Internetseite veröffentlichten Erklärung. Der Londoner Islamismus-Experte Yasser al-Sirry sagte, der Tod Zarqawis werde "wenig Auswirkungen" auf den bewaffneten Widerstand im Irak haben.

Die jahrelange Jagd auf Zarqawi führte in einer irakisch-amerikanischen Gemeinschaftsaktion zum Erfolg: Er wurde mit sieben seiner Begleiter bei einem Luftangriff nahe der Stadt Baquba getötet, nachdem der irakische Geheimdienst entscheidenden Hinweise vom Bewohnern der Region erhalten hatte, sagte Maliki. Casey sagte, Zarqawis Leiche sei durch Fingerabdrücke und durch Augenschein identifiziert worden.

Aus jordanischen Geheimdienstkreisen verlautete, ein vor sechs Tagen veröffentlichtes Video Zarqawis habe geholfen, den Aufenthaltsort des Terroristenführers zu bestimmen. "Jedes Mal, wenn ein Zarqawi auftaucht, werden wir ihn töten. Wir werden es mit jedem aufnehmen, der seinem Weg folgt", betonte Maliki.

Bush: Schwerer Schlag gegen Al Kaida
US-Präsident George W. Bush sprach in Washington von einem "schweren Schlag" gegen Al Kaida und einer neuen Chance, Kampf gegen den Terrorismus "das Blatt zu wenden". Die Gewalt im Irak dürfte aber weitergehen. Der britische Premierminister Tony Blair sprach von einem "Schlag gegen Al Kaida überall". Er mache sich ebenfalls keine "Illusionen", dass die Tötung Zarqawis ausreiche, um den Irak zurück zur Stabilität zu bringen.

EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso sagte in Brüssel, es handle sich um "eine große Niederlage für Al Kaida". NATO-Sprecher James Appathurai sagte in Brüssel: "Eines kann ich sicherlich sagen: Zarqawi wird nicht vermisst werden."

(apa/red)