Terror von

Hinter welchen Anschlägen
der IS wirklich steckt

Terrormiliz bekannte sich 2016 zu etlichen Attentaten

Berlin Anschlag © Bild: APA/AFP/ODD ANDERSEN

Am Montag, den 19. Dezember, rast ein Lastwagen in den Weihnachtsmarkt nahe der Gedächtniskirche in Berlin. Zwölf Menschen kommen ums Leben. Nur einen Tag später bekennt sich der Islamische Staat (IS) zu dem Anschlag. Insgesamt hat der IS im Jahr 2016 rund 50 kleinere und größere Attentate außerhalb von Syrien und dem Irak für sich beansprucht.

Das IS-Sprachrohr Amaq vermeldete nach dem Anschlag in Berlin, dass der Täter ein "Soldat des Islamischen Staates" gewesen sein. Innenminister Thomas de Maiziere sprach zunächst von einer "angeblichen Bekennung des sogenannten Islamischen Staates". Mittlerweile ist bekannt geworden, dass der gesuchte 24-jährige Verdächtige, Anis Amri, Kontakte zum Netzwerk des Salafisten-Predigers Abu Walaa gehabt haben soll. Walaa gilt wiederum als die "Nummer 1" des IS in Deutschland. Der Verdächtige soll außerdem via Nachrichtendienst "Telegram" direkten Kontakt zum IS gehabt haben. Einiges deutet also auf eine Verbindung zum IS hin. Inwieweit der Anschlag jedoch tatsächlich von der Terrormiliz geplant worden ist oder inwieweit sie darin involviert war, ist unklar.

Propaganda-Netzwerk

Seit 2016 hat sich der IS zu etlichen Anschlägen in Europa beziehungsweise außerhalb von Irak und Syrien bekannt. Zumindest 10 davon sind vom externen Operationszweig der Terrororganisation geleitet worden, wie die "New York Times" berichtete. Die Zeitung bezieht sich dabei auf tausende Seiten an geheimdienstlichem Informationsmaterial aus Frankreich, Belgien, Deutschland und Österreich. So sollen die Anschläge in Brüssel vom 22. März 2016 vom Islamischen Staat geplant und geleitet worden sein, ausgeführt von Kämpfern, die nach Syrien gereist und dort direkt vom IS indoktriniert worden sind.

Zahlreiche der Anschläge, zu denen sich der IS 2016 bekannt hat, sind von Gruppen organisiert worden, die dem IS nahe stehen. Sie operieren von rund ein Dutzend Staaten aus und haben der Terrormiliz ihre Treue geschworen. Der Rest ist vom Propaganda-Netzwerk der Terroristen inspiriert worden. Das geschieht vor allem über die sozialen Medien. Dort hat sich der IS ein gut operierendes Propaganda-Netzwerk aufgebaut, das Extremisten weltweit erreicht. Laut einem Bericht des Thinktanks "New America" in Washington sind mehr als ein Viertel der westlichen IS-Extremisten online in Jihadisten-Kreisen aktiv gewesen oder über Interaktionen im Internet radikalisiert worden.

Der IS bekennt sich folglich auch zu jenen Attentaten, bei denen er nicht direkt die Finger - in Bezug auf Planung und Ausführung - im Spiel hat. Das macht Sinn. Denn indem die Terrormiliz "diese Attacken für sich beansprucht, sind sie in der Lage den Narrativ zu kreieren und erhalten, dass sie immer noch ein mächtiger Player sind", sagt David Sterman, ein politischer Analyst bei "New America", gegenüber der "New York Times".

Für die von den Anschlägen betroffenen Länder selbst, spielt es letztlich allerdings kaum eine Rolle, ob die IS selbst oder Sympathisanten die Attentate ausgeführt haben.

Noch nicht am Ende

Die Entwicklung zeigt aber auch, dass der IS trotz massiver territorialer Verluste seit 2015 nicht zerschlagen ist. In den ersten neun Monaten des Jahres 2016 ist Territorium der Jihadisten laut einer Analyse der US-Firma "IHS Markit" um 16 Prozent gesunken. Derzeit kontrolliere der Islamische Staat rund 65.500 Quadratkilometer im Irak und Syrien, was ungefähr der Größe von Sri Lanka entspricht. "Der Verlust des direkten Zugangs zu Straßen für den Grenzschmuggel-Routen in die Türkei beschränkt die Möglichkeiten der Gruppe, neue Kämpfer aus dem Ausland anzuwerben, enorm", sagt Columb Strack, politischer Analyst bei "IHS Markit". Währenddessen setze die irakische Regierung alles daran, die IS-Hochurg Mossul zurückzuerobern.

Am Ende ist der IS deshalb noch nicht. Diverse Politik-Experten warnen davor, die Gefährlichkeit der Jihadisten zu unterschätzen. "Viele Terroristen haben sich im Land zerstreut und Schläferzellen gegründet. Sie werden irgendwann mal wieder aufwachen", sagte jüngst UN-Libyen-Vermittler Martin Kobler der Deutschen Presse-Agentur. Auch eine Eroberung von neuen Territorien schließt er zumindest in Libyen nicht aus.

Experten gehen davon aus, dass sich die Terroristen aufgrund der Verluste zwar zerstreuen, aber dennoch gefährlich bleiben werden.

Kommentare

In den letzten Wochen produzierte die Propagandaabteilung des Daesh (IS) haufenweise Hinrichtungsvideos, die an Gemeinheit und Brutalität der Hinrichtung des jordanischen Piloten Oberleutnant Muath Safi Yousef Al-Kasasbeh in nichts nachstehen. Das lässt darauf schliessen, dass der Daesh in Panik ist und sein Ende naht.

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